Wochenend-Kolumne 

Zwischen den Zeilen: Gespräche, Sprecher und eine Nachfrage

Unser Kolumnist Karl Schönholtz befasst sich in dieser Woche mit Festspiel-Plänen und Staatsanwälten. 

Wir wollen ja was machen: Das sagte mir neulich ein Hersfelder Festspieler, der nach der Absage des ursprünglich geplanten Programms jetzt auf alternative Möglichkeiten hofft, je nach Entwicklung der Pandemie und weiterem Fortschritt der Lockerungen. Da gilt es also die Daumen zu drücken, dass das verbliebene Festspiel-Team um Intendant Joern Hinkel doch noch zum Zuge kommt und uns später im Jahr zumindest noch ein paar Appetithäppchen servieren kann.

Was Hinkel & Co. dafür und für die Planungen der Spielzeit 2021 benötigen, ist jedoch ein finanzieller Rahmen. Was will und was können sich die Stadt und die Festspiel-Förderer nach Corona noch leisten? In Gesprächen mit den einzelnen Fraktionen der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung sondiert der Intendant in diesen Tagen die Möglichkeiten und den politischen Willen. Diese Treffen dienen sicherlich auch dem gegenseitigen Verständnis und versachlichen die Diskussion, wenn es bei den Beratungen für den Haushalt 2021 um die Festspiele geht.

Einen Rückschlag für die Festspiele gibt es, was die Ausfallzahlungen der jetzt nicht stattfindenden Spielzeit angeht: Den mit großer Mehrheit gefassten Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses, hierfür bis zu 450 000 Euro zur Verfügung zu stellen, hat die Fraktion Grüne/NBL zur rechtlichen Prüfung an die Kommunalaufsicht beim Landkreis weiter gereicht. Es geht dabei auch um die Verbindlichkeit von mündlichen Absprachen, die die Festspiele mit potenziellen Mitwirkenden eingegangen sind. Bis die Sache geklärt ist, gibt es erst einmal kein Geld.

Zwischen den Zeilen wird mitunter gesprochen, wenn Journalisten und die für die Presse zuständigen Mitarbeiter von Behörden oder Organisationen miteinander zu tun haben. Wenn da eine Vertrauensbasis besteht, gibt es auch mal Hintergrundinformationen, die dann vielleicht nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind, die aber die Einordnung und Bewertung des Themas erleichtern. Das hat über viele Jahre mit Harry Wilke, dem Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Fulda, ganz ausgezeichnet funktioniert. Der nahm erstens kein Blatt vor den Mund und hat zweitens seinen Job nicht als Informations-Verhinderer verstanden. Mein Bedauern war deshalb groß, als Wilke vor ein paar Wochen in den Ruhestand gegangen ist. Erleichtert war ich dann, als bekannt wurde, wer seine Aufgabe übernommen hat: Dr. Christine Seban macht es den Medien mit einem sachlich-unverkrampften Umgangston ebenfalls nicht schwer. Ihren Namen werden Sie in der Zukunft bestimmt noch öfter lesen.

Wie schwer die Wirtschaft durch den Corona-Lockdown gebeutelt wurde und wird, das ist eine Frage, auf die es noch keine schlüssigen Antworten gibt. Wir haben natürlich schon mal in der Insolvenzabteilung des Bad Hersfelder Amtsgerichts nachgefragt, doch dort sind bislang noch keine Anträge von zahlungsunfähigen Unternehmen eingegangen, die Rückschlüsse auf Corona zulassen. Das wird vermutlich nicht so bleiben, aber noch ist eben nichts passiert. Das nehmen wir mal als gute Nachricht und hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird, wie mancher befürchtet.

Wenn man in diesen Tagen in der Stadt unterwegs ist – egal ob mit dem Auto oder zu Fuß – scheint Corona nur ein schlechter Traum zu sein: Fast alles ist wieder so geschäftig wie früher. ks

Quelle: Hersfelder Zeitung

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