Ein Festspiel-Star in New York

Zwischen den Zeilen: Schnarch-App, ICE und Fotos von gestern

In unserer Kolumne "Zwischen den Zeilen" schreibt Karl Schönholtz über das Lullusfest, die Pläne für die Schnellbahntrasse und Fotojournalismus aus einer anderen Zeit. 

Morgen geht’s los mit Lolls. Erstmal mit dem üblichen Vorprogramm, am Montag dann richtig. Wenn Ihnen das neu sein sollte, dann liegt das vielleicht daran, dass die Lullusfest-App der Stadt Bad Hersfeld auch unmittelbar vor Festbeginn noch auf dem Stand vom Januar dieses Jahres ist. Seitdem nix Neues mehr, keine Vorschau, keine News, keine Infos. Bisschen arg dürftig für eine Stadt, die so gerne smart sein will. Stadt-Sprecher Meik Ebert nahm unseren Hinweis auf und stellte neben der Aktualisierung auch ein Abschalten der App als denkbare Option in den Raum. Das wäre allerdings meiner Ansicht nach die falsche Antwort, wo es ja noch nicht einmal eine „richtige“ Hersfeld-App gibt. Irgendwie scheint die Außendarstellung der Stadt eine ziemlich große Baustelle zu sein. Und das schon viel zu lange.

Dass Katharine Mehrling, der Star aus unserem Festspiel-Musical „Funny Girl“, in ihrer Heimatstadt Berlin eine ganz große Nummer ist, das haben wir im Laufe des vergangenen Sommers schon mehrfach berichtet. Aktuell ist Katharine freilich dabei, noch eine andere große Stadt zu erobern: Sie tritt mit einem Programm aus Jazz, Chanson und Musical in „Joe’s Pub“ in Manhattan auf – und wird in New York nicht ganz unerwartet von Publikum und Presse gefeiert. Da freuen wir uns mit der sympathischen Künstlerin und hoffen, dass wir sie eines Tages auch in der Stiftsruine wiedersehen.

Höchste Eisenbahn wurde es, dass sich die Stadt Bad Hersfeld in der Diskussion um die neue Schnellbahnstrecke Fulda-Gerstungen mit klar definiertem Anspruch zu Wort gemeldet hat. Denn bei der Auftaktveranstaltung zum Raumordnungsverfahren wurde ja deutlich gemacht, dass das, was jetzt nicht auf den Tisch kommt, später gar nicht mehr bedacht werden wird. Soll heißen: Wenn Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres über verschiedene Trassenverläufe diskutiert wird, dann werden die Gleise eines nicht allzu fernen Tages auch auf einer dieser Varianten verlegt. Viel wichtiger aber noch: nur der ICE-Halt direkt in der Stadt flankiert die Perspektive einer Stadtentwicklung im Wever-Areal. Sich vorzustellen, wie attraktiv dieser Bereich mit einer Premium-Anbindung an den Fernverkehr der Bahn wäre, fällt leicht. Genausogut ist jedoch das Gegenteil vorstellbar: Ein Regionalbahnhof an dieser Stelle wird Investoren kaum locken können, auch ein Haltepunkt in der Peripherie wäre kein Argument für diesen innenstadtnahen Bereich. Also: nicht lockerlassen, Herr Bürgermeister!

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Als ich in den 80er Jahren bei der HZ angefangen habe, musste ich gelegentlich nach Heringen fahren, um bei „Bild und Buch Blankenbach“ Manuskripte und Fotos unseres Werratal-Reporters Walter Blankenbach abzuholen. Von digitaler Datenübertragung durfte man damals noch nicht einmal träumen. Wie Walter zwischen Büchern und Fotoaufträgen seiner Kundschaft schnell noch die Berichte für die Zeitung auf der mechanischen Schreibmaschine fertig getippt und die gerade entwickelten Papierabzüge seiner Aufnahmen getrocknet hat – das wird mir immer unvergessen bleiben. Deshalb finde ich es großartig, dass seit gestern Abend eine Ausstellung im Werra-Kalibergbau-Museum an Walter Blankenbach erinnert. Das ist Fotojournalismus aus einer anderen Zeit, einer Zeit, in der die auf Film gebannten Momente noch eine ganz andere Bedeutung und Wertigkeit hatten als heute – weil nicht ein paar Sekunden später schon das nächste Bild erschienen ist.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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