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Bad Hersfeld startet gut gelaunt in die Lollswoche

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Fackelzug durch die Innenstadt: Wie ein riesiger, leuchtender Lindwurm zog sich der Umzug am Vorabend des Lullusfests durch die Bad Hersfelder Innenstadt.
Fackelzug durch die Innenstadt: Wie ein riesiger, leuchtender Lindwurm zog sich der Umzug am Vorabend des Lullusfests durch die Bad Hersfelder Innenstadt. © Kai Struthoff

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause fiebert Bad Hersfeld seinem Lullusfest entgegen. Schon am Sonntag war mit Lollslauf, Fackelzug und Festrede viel los.

Bad Hersfeld – Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause fiebert Bad Hersfeld seinem Lullusfest entgegen. Schon beim traditionellen Lollslauf säumten am Sonntagvormittag unzählige Schaulustige die Strecke und feuerten die mehr als 2700 Läuferinnen und Läufer aller Alters- und Leistungsklassen an.

Auf dem Marktplatz sind unterdessen die Buden und Fahrgeschäfte aufgebaut. Ein letzter Schausteller wird am Montagmorgen erwartet. Er kommt direkt vom Cannstatter Wasen nach Bad Hersfeld.

Bei strahlendem Herbstwetter nutzten viele Herschfeller die Möglichkeit, einen ersten Bummel durch die Budenstadt zu unternehmen und an den traditionellen Veranstaltungen am Vorabend des Lullusfests teilzunehmen.

Schausteller-Empfang diesmal im Festzelt

Der Schausteller-Empfang fand diesmal nicht im Rathaus, sondern im Festzelt neben der Feuergrube statt. Mit herzlichen Worten begrüßte Bürgermeister Thomas Fehling die Gäste. „Wir sind alle erleichtert und glücklich, dass es endlich wieder ein richtiges Lullusfest gibt.“ Er appellierte an alle, „diesem blöden Virus ein Schnippchen zu schlagen“ und zuversichtlich und gut gelaunt in die Lollswoche zu gehen. Das unterstrich auch Feuermeister Klaus Otto, der sagte, „trotz der wirren Zeiten, in denen wir leben, sollten wir jetzt mal alle Fünfe gerade sein lassen.

Ehrung für Reinhard Rauche

Bürgermedaille für Reinhard Rauche (2. von rechts), hier mit Helge Assi vom Lolls-Team, Stadtverordnetenvorsteher Lothar Seitz, Bürgermeister Thomas Fehling und Feuermeister Klaus Otto beim Schausteller-Empfang.
Bürgermedaille für Reinhard Rauche (2. von rechts), hier mit Helge Assi vom Lolls-Team, Stadtverordnetenvorsteher Lothar Seitz, Bürgermeister Thomas Fehling und Feuermeister Klaus Otto beim Schausteller-Empfang. © Kai Struthoff

Für seine jahrzehntelangen Verdienste um das Lullusfest ist Reinhard Rauche im Rahmen des Schausteller-Empfangs mit der Bürgermedaille der Stadt Bad Hersfeld und dem „Feuermeister in Platin“ des Lullusfestvereins ausgezeichnet worden. Rauche war über 40 Jahre Mitglied der Lullusfest-Kommission und hat in dieser Funktion „viele wichtige Impulse, Ideen und Neuerungen“ für die Weiterentwicklung des Heimatfests eingebracht, sagte Stadtverordnetenvorsteher Lothar Seitz in seiner Laudation. Rauche selbst sprach sichtlich gerührt von den „45 schönsten Jahren meines Lebens“ und dankte besonders den Schaustellern für ihr Engagement und die Freundschaft. Sie seien „Partner und keine Befehlsempfänger“ beim Lullusfest. Allen Anwesenden versprach er: „So lange ich kann, mache ich weiter“. 

Nach der Ehrung für Reinhard Rauche, dankte Heiner Distel als Sprecher der Schausteller, der Stadt für den warmherzigen Empfang. „Wir sind alle leicht überwältigt von dieser Begrüßung, aber das tut gut“, sagte er und betonte erneut, dass es für die Schausteller immer etwas besonders ist, in Bad Hersfeld zu sein. Stefan Kopetschek vom Lullusfest-Verein dankte Bürgermeister Thomas Fehling für die gute Zusammenarbeit und sein Engagement für Lolls und bot dessen ebenfalls anwesender Nachfolgerin Anke Hofmann die Unterstützung des Vereins an.

Gottesdienst am Autoscooter

Beim traditionellen Gottesdienst am Autoscooter der Familie Distel stellte Schaustellerpfarrer Volker Drewes die Frage, die wohl viele umtreibt: Darf man in Zeiten der Krise feiern? Drewes bejahte dies und sagte „Lolls setzt ein Zeichen der Gemeinschaft gegen Feindschaft, Hass und Krieg“. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Shanty-Chor der Marinekameradschaft und dem Posaunenchor. Danach zogen so viele Menschen wie schon lange nicht mehr mit Fackeln und Laternen wie ein riesiger, leuchtender Lindwurm zur Stiftsruine.

Große Kunst auf der Straße: Zum Fackelumzug haben Emma und Bruno ihre selbst gebastelten Lampions mitgebracht. Die bunte Papierkunst leuchtet hell, als die beiden mit ihrer Familie an der KDS in Bad Hersfeld vorbeilaufen. Viele weitere
Große Kunst auf der Straße: Zum Fackelumzug haben Emma und Bruno ihre selbst gebastelten Lampions mitgebracht. Die bunte Papierkunst leuchtet hell, als die beiden mit ihrer Familie an der KDS in Bad Hersfeld vorbeilaufen. © Kim Hornickel

Festrede von Dr. Margit Ramus

Festrede in der Stiftsruine: Dr. Margit Ramus stammt selbst aus einer Schaustellerfamilie.
Festrede in der Stiftsruine: Dr. Margit Ramus stammt selbst aus einer Schaustellerfamilie. © Kim Hornickel

Die Festrede hielt dort die „gebürtige Schaustellerin“ Dr. Margit Ramus aus Köln, die bereis als junges Mädchen im Familienbetrieb auf vielen Volksfesten im Land unterwegs war. Erst sehr viel später holte sie ihr Abitur nach, studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik und promovierte 2013 über das Kulturgut Volksfeste. „Volksfeste gehören zu den ältesten, immateriellen Kulturgütern in Europa“, sagte Dr. Ramus und haben viele Kriege und Krisen überstanden. In Deutschland fänden jährlich rund 9750 Volksfeste statt, die von etwa 190 Millionen Menschen besucht werden – mehr als die Fußballbundesliga. „Volksfeste verbinden schon über ein Jahrtausend die Menschen auf eine faszinierende Weise. Sie stärken das Heimatgefühl. Sie stehen für Tradition und Brauchtum in ihrer Region“, sagte sie. Eine Sonderstellung habe das Lullusfest. Von 852 an soll am Todestag des „Heiligen Lullus“ ein Kirchenfest für das gesamte Volk gefeiert worden sein. „Diese Jahreszahl ist entscheidend für die Feststellung, dass das Lullusfest in Bad Hersfeld das älteste Volksfest Deutschlands ist. Und als Solches geschützt werden sollte“, so Ramus.

Besonders würdigte Dr. Ramus die Arbeit der Schausteller, die nach der langen Corona-Zwangspause nun endlich wieder unterwegs sein können. „Schaustellerinnen und Schausteller fühlen sich nicht nur ihrer Heimatstadt verbunden, sie sind auch in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, in der sie ihre Geschäfte aufbauen, zu Hause – und somit sind sie Teil Ihrer Festgemeinde, Ihrer Stadt und für kurze Zeit Ihre Nachbarn“. Nach der Festrede gab es in der Stiftsruine wieder eine Lasershow. (Kai A. Struthoff)

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