Kerspenhäuser ist seit 1951 immer dabei

Hans Jürgen Dietz ist Festspiel-Pionier - als Statist

Hans Jürgen Dietz aus Kerspenhausen ist seit dem Beginn im Jahr 1951 als Statist und Komparse bei den Bad Hersfelder Festspielen dabei. Hier zeigt er alte Fotos von seinen Auftritten in der Stiftsruine
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Hat keinen Festspiel-Sommer ausgelassen: Hans Jürgen Dietz aus Kerspenhausen ist seit dem Beginn im Jahr 1951 als Statist und Komparse dabei, außerdem ist er seit 1969 Vorsitzender des Chorvereins.

Bad Hersfeld – Er war Kellner, Wirt, Detektiv und Soldat und hat in fast 70 Jahren mit zahlreichen namhaften Schauspielern auf der Bühne in der Stiftsruine gestanden.

Hans Jürgen Dietz ist Statist und Komparse bei den Bad Hersfelder Festspielen – und zwar seit dem Beginn im Jahr 1951. Weitere Aufgaben rund um das Festival kamen im Laufe der Zeit hinzu.

Für Hans Jürgen Dietz ist es also der erste Sommer ohne Festspiele, er hat bisher keine Saison ausgelassen und sich in all den Jahren neben Schule, Ausbildung und Beruf immer Zeit genommen, um keine Probe und keine Aufführung zu verpassen. Selbst als er zwischenzeitlich in Frankfurt arbeitete, machte er keine Pause. Dass die Festspiele nun ausgerechnet in diesem Jahr ausfallen, wo deren 70. Geburtstag gefeiert werden sollte, sei selbstverständlich besonders schade. Dietz selbst wird am Sonntag, 19. Juli, 80 Jahre alt. Auch seine Geburtstage hat er oft in der Ruine verbracht ...

„Die Tage gehen rum, aber es fehlt etwas“, gesteht der Veteran, der 2020 in „Der Club der toten Dichter“ und „My Fair Lady“ mitgewirkt hätte. Zu seinem ersten „Job“ als Statist kam er mit zehn Jahren über seine Cousine, die nicht nur die Ehefrau des ersten Intendanten Johannes Klein, sondern auch für die Choreografie der Statisten im Stück „Das Salzburger Große Welttheater“ zuständig war. Als Fackeljunge musste Dietz mit einer Art Taschenlampe in der Hand im Gleichschritt mit der Gruppe marschieren und Spalier stehen, berichtet er, als wäre es gestern gewesen. Auch an das Gefühl, wie es war, zum ersten Mal auf der Bühne zu stehen und Teil des großen Ganzen zu sein, erinnert sich der 79-Jährige noch: „Das war faszinierend.“ 1952 sei er dann „automatisch“ wieder dabei gewesen, und so habe sich das Ganze weiter entwickelt.

Meist wirkte Dietz in zwei Stücken mit, ob solo oder im Ensemble des Chorvereins, dessen Mitglieder zu den Initiatoren der Festspiele gehörten, und der jahrelang das Gros der Statisten und Komparsen stellte. Seit 1969 ist Hans Jürgen Dietz Vorsitzender des Chorvereins. Für die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine als weitere Gründungs- und Fördergesellschaft war er zeitweise als Schatzmeister tätig. Und für sie verfasste er zum 60. Festspieljubiläum auch eine Dokumentation, denn dass die Festivalgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, ist ihm ein großes Anliegen.

An Entwicklungen und Trends hat Dietz seit 1951 natürlich einiges miterlebt. Mit Kritik und Kommentaren hält er sich allerdings zurück. „Das steht mir nicht zu.“ Generell gefalle ihm, wenn der Raum der Ruine ausgenutzt und die Bühne nicht durch zu viele Requisiten zugebaut würde.

Ab und zu hatte Dietz in kleinen Rollen auch ein, zwei Sätze zu sprechen, und mit seiner Leidenschaft steckte er irgendwann auch seine Frau Hannelore und die Töchter an, die ebenfalls schon als Statisten mitwirkten. Eines habe das zeitintensive Hobby aber eben auch mitgebracht: „Wir haben im Sommer nie Urlaub gemacht“, erzählt Hannelore Dietz.

Die Leidenschaft zum Beruf machen, das war für Hans Jürgen Dietz indes nie eine Option: „So viel Text hätte ich mir gar nicht merken können“, sagt der 79-Jährige voller Respekt vor den Profis. Größere Pannen seien ihm aber zum Glück nie passiert. „Ich habe es immer hinbekommen.“ Nur einmal habe er fast einen Auftritt verpasst. Keinesfalls möchte er übrigens als Star der Statisterie bezeichnet werden, wenngleich wohl niemand sonst so lange ohne Unterbrechung dabei ist. Seit zehn Jahren ist Dietz auch als Organisator der Statisterie „verpflichtet“ und in dieser Rolle etwa für Probenpläne und Abrechnungen zuständig. Für ihr Engagement bekommen die Laien eine kleine Aufwandsentschädigung, für Dietz zählt aber vor allem eines: „Es muss Spaß machen!“

Weitermachen möchte Dietz, solange Körper und Geist dies zulassen. „Das ist das Schöne am Theater: Es gibt für jeden etwas, alt und jung, groß und klein, dick oder dünn.“

Von Nadine Maaz

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