Intendant Wedel: "Vertrauensbasis erschüttert"

Defizit der Festspiele nicht genehmigt: Planung für 2016 auf Eis

Bad Hersfeld. Der Vorverkauf der Bad Hersfelder Festspiele 2016 kann nicht wie geplant in den nächsten Tagen beginnen. Sämtliche Verhandlungen mit Schauspielern wurden gestoppt.

Die Saison liegt auf Eis. Das sagte Festspielintendant Dieter Wedel am Freitag bei einer Pressekonferenz. Er sieht die Vertrauensbasis zwischen Festspielen und Stadt „erschüttert“ und wollte nichts zu den inhaltlichen Planungen für die Festspielsaison sagen.

Aktualisiert um 16.41 Uhr.

Auf dem Werbeplakat, das bei der Pressekonferenz hinter Wedel hing, konnte man die geplanten Stücktitel aber schon lesen: Arthur Millers „Hexenjagd“ , der Musicalklassiker „My Fair Lady“ und das Jugendstück „Krabat“ nach dem Roman von Otfried Preußler. Wieder aufgenommen werden sollten demnach die Publikumslieblinge der diesjährigen Saison: das Musical „Cabaret“ und die Komödie „Sommernachts-Träumereien“. „Das ist ein Wunschzettel“, sagte Wedel.

Hintergrund des Planungsstopps ist, wie Bürgermeister Thomas Fehling (FDP) berichtete, dass bei der Sitzung des Bad Hersfelder Stadtparlaments am Donnerstag einer Beschlussvorlage nicht zugestimmt worden sei, mit der das Defizit des Festivals aus dem Jahr 2015 von 175 000 Euro nachträglich genehmigt werden sollte.

Es war mit der Zustimmung zu rechnen gewesen, die Stadtverordneten haben nun aber eine Prüfung angeordnet. Jetzt müsse man auf das Rechnungsprüfungsamt warten. Wie lang die Prüfung dauern wird, ist unklar.

Das Ergebnis: eine faktische Haushaltssperre. Wenn nicht schnell Klarheit geschaffen würde, etwa über eine Sondersitzung der Stadtverordneten, „können wir die Saison 2016 abschreiben“.

Die Festspiele sind auf den Vorverkauf in der Weihnachtszeit angewiesen und brauchen für Engagements Planungssicherheit.

Wedel: „Ich kann nicht einen Vertrag mit jemandem machen, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn bezahlen kann.“ Schauspieler, die man sich wünsche, seien später möglicherweise nicht mehr verfügbar, weil sie andere Engagements zusagen könnten.

Eklat bei Vorstellung der Festspielsaison 2016

Dass in der Debatte der Begriff „Tricksereien“ gefallen sei, wie Wedel zu Ohren kam, empörte den Intendanten: „Das ist eine Unglaublichkeit“, er sei persönlich beleidigt: „Das nimmt auch ein bisschen die Lust.“ Er akzeptiere, dass ein Parlament Rechnungen prüfen lasse, wundere sich aber, weil die Zahlen längst vorgelegen hätten.

Die diesen Sommer eingeführten Neuerungen seien gut angenommen worden, sagte der künstlerische Direktor Joern Hinkel. Wedel wies darauf hin, dass solche Veränderungen auf längere Sicht bewertet werden müssten. Im Haushaltsentwurf der Stadt sind 6,5 Millionen Euro für die Festspiele 2016 angesetzt.

Geplante Festspielsaison: 24. Juni bis 28. August 2016.

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Dieter Wedel im Interview zur Festspiel-Bilanz

Hier der Ticker der Pressekonferenz zum Nachlesen:

Live Blog Dieter Wedel stellt Festspiel-Programm 2016 vor
 

Rubriklistenbild: © Landsiedel

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