Die Nonne in der Tonne

Dreharbeiten für Wedels Luther-Stück auf dem Tageberg

Interviews fürs Fernsehen: Fröstelnde Kleindarstellerinnen, die Nonnen spielen, im Interview mit Holger Weinert von Hessischen Rundfunk vor den Dreharbeiten für das Luther-Stück auf dem Tageberg. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Eiskalt pfeift der Wind am Samstagvormittag über den Tageberg. Fröstelnd hüllen sich einige Nonnen in warme Decken und warten auf ihren Einsatz bei den Dreharbeiten für die Einspieler, die bei Dieter Wedels Stück „Luther – der Anschlag“ in der Stiftsruine gezeigt werden.

Ebenso wie die bekannte Schauspielerin Elisabeth Lanz, die die Katharina von Bora spiel, müssen sie gleich in alte Fässer auf einem Pferdewagen klettern und dann auf Kommando wieder herauskommen. Gezeigt wird ihre gelungene Flucht aus dem Kloster. Begleitet werden sie, da hat sich Wedel wohl die künstlerische Freiheit genommen, von historischen Fakten abzuweichen, von Ulrich von Hutten, der von Marcel Heupermann gespielt wird.

Intendant Dieter Wedel (rechts) und Bürgermeister Thomas Fehling (links) geben vor Beginn der Dreharbeiten Interviews, unter anderem für Holger Weinert (2. von links) vom Hessischen Rundfunk.

Elisabeth Lanz blutet

Nachdem erst Mitarbeiterinnen der Festspiele die Fässer getestet haben, klettern die Darstellerinnen der Nonnen immer wieder hinein und hinaus. Elisabeth Lanz verletzt sich dabei an der Hand. Keine schlimme Wunde, aber sie blutet und das hinterlässt jedes Mal auf dem weißen Handschuh, den Hutten-Darsteller Heupermann trägt, rote Spuren, wenn er ihr die Hand reicht. Bald sind mehrere weißen Handschuhe verschmutzt und müssen mit Mineralwasser gereinigt werden. Irgendwoher taucht schließlich ein Fläschchen Sprühpflaster auf, das das Problem beseitigt.

Mit großer Geduld stehen die beiden süddeutschen Kaltblüter, Nick und Nobel, die den Pferdewagen anschließend über die Wiese ziehen sollen, ruhig vor dem Wagen. Ihr Besitzer Martin Pauli aus Böbrach-Katzenbach im Bayrischen Wald gibt ihnen Sicherheit. Die beiden Pferde, Vater und Sohn, haben schon reichlich Erfahrung mit öffentlichen Auftritten und Dreharbeiten. Unter anderem sind sie bei der Landshuter Fürstenhochzeit mit dabei.

Katharina von Bora (Elisabeth Lanz) und die anderen Nonnen klettern nach der Flucht aus dem Kloster aus den Fässern, beobachtet von Ulrich von Hutten (Marcel Heupermann).

Ganz entspannt plaudert Intendant, Autor und Regisseur Dieter Wedel vor Beginn der Dreharbeiten mit Gästen und den vielen Journalisten, die beim Filmen zugucken wollen. „Es gab schon Wetten, dass das Stück nicht rechtzeitig fertig wird“, scherzt Wedel. Schließlich habe er bei seinen Arbeiten fürs Fernsehen die Drehbücher nie pünktlich abgeliefert.

Rechtzeitig fertig geworden

„Luther – Der Anschlag“ ist aber fertig geworden, obwohl es „sehr schwierig war, das in vier Monaten auf die Beine zu stellen“, räumt Wedel ein und kündigt Großes an. 30 Schauspieler, 100 Komparsen und Filmeinspielungen sollen ein ganz besonderes Theatererlebnis ermöglichen.

In der Person Martin Luther sieht Wedel nicht nur Widersprüche, die eine Figur spannend machen, sondern Gegensätze, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen. Deshalb habe er sich entschieden, den Luther von vier verschiedenen Schauspielern spielen zu lassen.

Doch dann ist es Zeit, an die Arbeit zu gehen. Die fröstelnden Nonnen-Darstellerinnen klettern in die Fässer, der Kameramann steigt auf die Leiter, Helfer sorgen dafür, dass nicht im Hintergrund ein Jogger oder ein Auto die Szenerie stören und Elisabeth Lanz schleudert den Deckel des Fasses hoch und streift sich den Nonnenschleier ab.

Wie es weitergeht, ist ab dem 23. Juni in der Stiftsruine bei „Luther – der Anschlag“ zu erleben.

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