Interview mit dem Künstlerischen Leiter

Joern Hinkel zu Festspiel-Zwist: „Eine glatte Lüge“

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Jörn Hinkel, Künstlerischer Leiter Bad Hersfelder Festspiele

Bad Hersfeld. Das Aus für die Oper in der Stiftsruine in ihrer bisherigen Form erhitzt die Gemüter. Wir sprachen mit Joern Hinkel, künstlerischer Leiter der Festspiele.

Festspielintendant Dieter Wedel und Bürgermeister Thomas Fehling wird in manchen Stellungnahmen vorgeworfen, die Stadt habe die bisher vom Arbeitskreis für Musik (AfM) verantwortete Oper an sich reißen und deren Chef Professor Siegfried Heinrich kaltstellen wollen.

Hinkel saß bei den Verhandlungen zwischen Stadt und Oper in verantwortlicher Position mit am Tisch.

Herr Hinkel, wie war es denn nun: Sind die Festspiele und der Bürgermeister schuld, dass die Verhandlungen am Ende gescheitert sind? 

Joern Hinkel: Das ist eine glatte Lüge. Ich kann versichern, dass die Vertreter der Festspiele in zahlreichen Gesprächen über Monate hin dem AfM immer wieder Angebote gemacht haben, die aber nicht akzeptiert wurden.

Wie haben diese Offerten denn konkret ausgesehen? 

Hinkel: In einem Vertragsentwurf vom April 2015 wurde dem AfM angeboten, dass er als eigenständiger Verein weiter bestehen bleiben und seine Operninszenierungen und Konzerte in den Spielplan der Festspiele integrieren könnte. Allerdings sollte die Auswahl der gespielten Opern selbstverständlich zuvor mit den Festspielen abgestimmt und deren Finanzierbarkeit vom Geschäftsführer überprüft werden.

Die Konsequenzen eines überzogenen Etats werden ja, wie wir gerade kürzlich erst erfahren haben, als erstes dem Intendanten angelastet. Auch eine misslungene Opernaufführung würde ihm vorgeworfen.

Verstehen wir das richtig, dass Dieter Wedel entgegen mancher Behauptung nicht den alleinigen Anspruch auf die künstlerische Gestaltung erhoben hat? 

Hinkel: Wenn er das angestrebt hätte, hätte Dieter Wedel doch von vornherein auf eine Kooperation mit dem AfM verzichtet und das Scheitern der Gespräche nicht so aufrichtig bedauert. Keiner der Vertragsentwürfe hatte „Unterwerfung“ zum Ziel, wie neulich in einem Leserbrief an die Hersfelder Zeitung behauptet wurde, sondern strebte eine fruchtbare Zusammenarbeit an. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass in jedem Theater dem Intendanten als künstlerisch Verantwortlichen zwar das letzte Entscheidungsrecht vorbehalten ist, Wedel aber selbstverständlich für die Vorschläge des AfM offen gewesen wäre.

Was aber sollte mit dem Personal des AfM passieren? 

Hinkel: Die Festspiele hatten dem AfM für seine Mitarbeiter und die Chöre eine feste Vergütung zugesichert, das finanzielle Risiko hätte ausschließlich bei den Festspielen gelegen. Aber das Fortbestehen des wirtschaftlich angeschlagenen Vereins wäre gesichert gewesen. Auch das Verwaltungspersonal des AfM sollte in den städtischen Betrieb integriert werden.

Und wieso hat das nicht funktioniert? 

Hinkel: Beim Besuch einer Chorprobe mit Professor Heinrich war ich von seiner Herzlichkeit und Begeisterung für die Sache sehr angetan. Bei den zahlreichen Vorverhandlungen waren sich Vertreter des AfM und der Festspiele in vielen Punkten einig. Wir hatten sehr konstruktive und offene Gespräche. Aber jedes mal, wenn Professor Heinrich dann zu den Vertragsverhandlungen dazukam, bezeichnete er das auch von seinen Vertretern zuvor Ausgehandelte als nicht akzeptabel.

Bei den ersten weiterführenden Gesprächen verließ er den Raum und drohte damit, sofort den Ministerpräsidenten einzuschalten, ohne sich unsere Vorschläge im Detail anzuhören. Dass Intendant und Geschäftsführung ein Mitspracherecht haben sollten, lehnte er rundweg ab. Die Festspiele sollten zwar für die Kosten haften, aber er wollte alleine die Entscheidungen treffen. Alles andere war für ihn „unverhandelbar“.

Was wollte Heinrich genau? 

Hinkel: Seine Vorstellung einer „Zusammenarbeit“ sah so aus: Er allein wählt die Stücke aus, bestimmt sämtliche beteiligten Künstler und entscheidet über die Höhe der Kosten. Die Konsequenzen tragen die Festspiele.

Das war dann wohl für die Festspiele unverhandelbar? 

Hinkel: Ich bin sicher, dass sich kein Intendant der Welt auf solche Konditionen einlassen würde – und einlassen dürfte. Ministerpräsident Volker Bouffier und der Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein waren da ebenfalls unserer Meinung.

Es ist bedauerlich, dass unsere Angebote abgelehnt wurden. Durch die gemeinsame Nutzung von Personal, Material, Marketing und Finanzmitteln wollten wir dem AfM bessere Arbeitsbedingungen verschaffen und die für Bad Hersfeld geleistete Arbeit von Professor Heinrich erhalten.

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