Aufführung von "Peer Gynt"

Hersfelder Festspiele: Sie sorgen in jeder Szene für den richtigen Hintergrund 

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Ihre Arbeit fordert volle Konzentration: Michael Mengel (von links) und Sieglinde Wenzel steuern mit einer Fernbedienung die Bildschirmleinwände im Stück Peer Gynt bei den Festspielen in der Stiftsruine.

Bad Hersfeld. Für die Zuschauer unsichtbar steuern Sieglinde Wenzel und Michael Mengel synchron und millimetergenau die Bildschirmleinwände im Festspielstück Peer Gynt. 

Wenn Sieglinde Wenzel die Funk-Fernsteuerung in der Hand hält, ist Millimeterarbeit gefragt. Mit viel Feingefühl, einer ruhigen Hand und einem genauen Blick bewegt sie einen der beiden Bildschirmwagen in der modernen Bad Hersfelder Inszenierung des Dramas Peer Gynt über die Bühne.

„Wenn der Wagen nicht da ist, wo er hingehört, ist die Szene im Eimer“, sagt die 64-Jährige. Um die Einsätze nicht zu verpassen, muss sich die ehemalige Lehrerin voll konzentrieren. Während der Aufführung ist ihr Platz rechts oben auf dem Gerüst über den Zuschauern. Von dort hat sie eine gute Sicht auf das Geschehen auf der Bühne. Über Funk gibt ihr der Inspizient das Kommando zum Losfahren und sagt, auf welche Position Wenzel den Bildschirmwagen steuern soll.

Genauer Fahrplan

Stets verbunden ist sie auch mit ihrem Pendant auf der anderen Seite der Stiftsruine, Michael Mengel. Der 51-Jährige steuert den zweiten Bildschirmwagen. Über Blickkontakt und Funk stimmt sich Wenzel mit ihrem Kollegen ab. Damit während der Aufführung von Peer Gynt nichts schief läuft, haben Sieglinde Wenzel und Michael Mengel zusätzlich einen genauen „Fahrplan“ zur Hand, der ihnen anzeigt, an welcher Position ihre Bildschirmwagen zum jeweiligen Zeitpunkt stehen sollen. Auf der Bühne sind für sie gut sichtbare Markierungen angebracht.

Die mobilen Bildschirmwagen transportieren Darsteller auf die Bühne und lockern das Theaterstück mit modernen Stilelementen auf. Auf den Monitoren zu sehen sind beispielsweise Rückblenden in die Kindheit von Peer Gynt. Die Bildschirmwagen werden von den Darstellern auch aktiv ins Stück miteinbezogen und sind so fester Bestandteil des Stücks.

Die Schwierigkeiten bestehen laut Wenzel vor allem im exakten Timing und im Synchronfahren. Sie und Mengel können mit einem Joystick nicht nur die Position der Bildschirmwagen genau austarieren, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sich die mobilen Bildschirme über die Bühne bewegen, beeinflussen. Mit den komplexen Funk-Fernbedienungen werden normalerweise Baukräne gesteuert.

Der Höhepunkt des Jahres

Für den Hobby-Drohnenflieger Mengel ist die Steuerung des Bildschirmwagens ein Kinderspiel. Sieglinde Wenzel hingegen musste erst ein Gespür für das Steuerungsgerät entwickeln: „Vor der Fernbedienung hatte ich anfangs noch mehr Respekt als vor dem hohen Gerüst“, sagt sie. Die 64-Jährige spielt seit 2002 als Statistin bei den Festspielen mit. Dieses Jahr im Stück „Shakespeare in Love“. „Die Festspiele sind der Höhepunkt des Jahres“, sagt Wenzel.

Darf sich keinen Fehler erlauben: Sandra Lissy Mengel spielt die Videos auf den Bildschirmwagen zum richtigen Zeitpunkt ein.

Sie und Mengel müssen über fünf Leitern zu ihrem Arbeitsplatz in luftiger Höhe klettern. Das sei nichts für Leute mit Höhenangst. Anstelle von Sieglinde Wenzel sollte ursprünglich Sandra Lissy Mengel einen der Bildschirmwagen fernsteuern. Die Ehefrau von Michael Mengel musste jedoch feststellen, dass sie nicht schwindelfrei ist. Stattdessen ist die 43-Jährige nun dafür verantwortlich, dass die richtigen Videos auf den LED-Bildschirmen zum gewünschten Zeitpunkt erscheinen. Damit das klappt, darf sich die Sachbearbeiterin der Kreishandwerkerschaft Kassel während der Aufführung keinen Moment der Unaufmerksamkeit erlauben.

Bereits im vergangenen Jahr wirkte sie als Kleindarstellerin und ihr Mann bei den Festspielen in der Stiftsruine mit. Das Stück Peer Gynt wird am Samstag, 1. September, zum letzten Mal aufgeführt.

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