Bad Hersfelder Festspiele

Die Kleindarsteller sind die Leute für alles

Schlussapplaus für die „Rocker“, die Kleindarsteller bei „Hair“. Foto: Steffen Sennewald

Ohne sie geht es bei den Bad Hersfelder Festspielen nicht: Kleindarsteller übernehmen wichtige Aufgaben.

Das Bonbonglas ist immer dabei, wenn Götz Wilde auf der Bühne der Stiftsruine steht, Seit dem Jahr 2011 hat er jedes Jahr als Kleindarsteller bei den Bad Hersfelder Festspielen mitgewirkt und bei jeder Vorstellung stand das Bonbonglas hinter der Bühne. Gefüllt ist es mit ganz unterschiedlichen Bonbons und hineingreifen kann jeder, der gerade Lust auf etwas Süßes hat.

Schlussapplaus für die „Rocker“, die Kleindarsteller bei „Hair“. Foto: Steffen Sennewald

„Die Feuerwehrleute sind meine besten Kunden“, lacht Götz Wilde. Überhaupt sei die Nachfrage immer dann besonders groß, wenn viele Statisten in den Stücken mitwirkten und diese lange Wartezeiten hätten.

Lange Wartezeiten kennen auch Götz Wilde und seine Kleindarstellerkollegen Lucas Robin Dürr, Fritz Resmann und Anthony Isaak. Das geht mitunter schon bei den Proben los, obwohl inzwischen die meisten Regisseure die Termine für die Kleindarsteller so planen, dass sie eben nicht stundenlang herumsitzen müssen „Viele Kleindarsteller sind ja auch berufstätig und machen das nebenher in ihrer Freizeit“, erklärt Götz Wilde.

„Insgesamt wird schon sehr auf uns Kleindarsteller geachtet“, hat er festgestellt. Es gebe Regisseure, die den Kleindarsteller etwas zutrauten und ihnen auch anspruchsvollere Aufgaben gäben und andere, „die behandeln uns wie lebende Möbel.“

Anthony Isaak hat im vergangenen Jahr eine Leerlauf- und Findungsphase nach dem Abitur genutzt, um als Kleindarsteller bei den Festspielen anzuheuern und ist jetzt mit dem Theaterfieber infiziert. „Es macht einfach total viel Spaß“, sagt er über seine Mitwirkung bei den Festspielen. Dennoch hat er beschlossen, das Theater nicht zum Beruf zu machen, sondern will Lehrer werden – für Mathe und Latein. Aber er freut sich, dass er von den Bühnenprofis als Kollege behandelt wird und nicht als Hilfskraft.

Alle stehen zusammen

Das kollegiale Verhalten über alle Gewerke hinweg ist auch etwas, was Lucas Robin Dürr am Theater schätzt. „Alle stehen zusammen für die Produktion und alle müssen mitmachen, damit es läuft“, hat er beobachtet. Und wenn dann zum Beispiel ein Regenguss niedergeht, greift sich jeder, der grade da ist, einen Besen, um das Wasser von der Bühne zu schieben.

Lucas Robin Dürr besucht eine Schauspielschule in Kassel und hofft, dass er bald auch etwas größere Rollen in der Stiftsruine spielen darf. Seine Ausbildung hat ihm aber auch bisher schon zu anspruchsvolleren Einsätzen verholfen, unter anderem, weil er dort fechten gelernt hat. Auch kleiner Sprechrollen hat er bei „Shakespeare in Love“ bereits übernommen.

Besonders fasziniert sind Lucas Robin Dürr und Anthony Isaak von der Arbeit beim Musical: „Musical-Darsteller sind anders, viel disziplinierter“, hat Dürr festgestellt.

Alle vier sind sich einig, dass die Mitwirkung bei „Hair“ ihnen bisher am meisten Spaß gemacht hat. Das geht auch Fritz Resmann so, der ebenfalls seit 2011 bei den Festspielen dabei ist. Eigentlich habe er sich dieses Jahr einen freien Sommer gönnen wollen, sagt Resmann, doch dann wurde er überredet, doch wieder mitzuspielen. Und so wirft er sich vor jeder Vorstellung die Rocker-Kutte über oder zieht sich die Polizeiuniform an, um dazu beizutragen, dass bei „Hair“ alles gut läuft. „Wir sind eben die Leute für alles“, stellt Resmann fest.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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