Enttäuscht von Bouffier

Kuratoriumssprecher kritisiert „Zerschlagung“ der Oper

Siegfried Heinrich dirigiert die Virtuosi Brunenses in der gut gefüllten Stiftsruine.

Bad Hersfeld. Zu einem traurigen, empörten und enttäuschten Abgesang auf die Oper in der Stiftsruine geriet der Festakt zur Verleihung des Opernpreises am Sonntagvormittag.

Im Mittelpunkt, wenngleich nicht auf der Bühne, sondern nur im Orchestergraben präsent, stand dabei Professor Siegfried Heinrich, der die Festspielkonzerte 1961 aus der Taufe gehoben hat, ebenso wie die sich daraus entwickelnde Oper in der Stiftsruine, die seit 1980 gezeigt wird.

Schon vor Beginn des Festakts hatten sich die Chormitglieder mit großen Tafeln vor der Stiftsruine postiert und erinnerten an all die Opern und großen Chorwerke, die in den vergangenen Jahrzehnten dort aufgeführt wurden.

Hans Werner Franz, Sprecher des Kuratoriums „Oper in der Hersfelder Stiftsruine“ wies nicht nur auf die unglaubliche Leidenschaft hin, mit der Siegfried Heinrich für Oper und Konzerte gearbeitet habe, sondern auch auf die Werktreue und das intellektuelle Verständnis, das die Aufführungen unter Heinrichs Regie auszeichneten.

Hersfelder Opernpreis: Der Ensemblepreis ging an den Chor in Carl Millöcker „Der Bettelstudent“ für seine „agile Bühnenpräsenz mit hervorragender sängerischer Gestaltung“. Der Jury gehörten die Romanistin Geraldine Gabor-Dreyer, die Journalisten Dr. Rainer Hackel, Andreas Fritzsche und Sven-David Müller sowie die Musikwissenschaftlerin Dr. Uta Ziegner an.

„Die Oper ist ein Schatz für Bad Hersfeld und das Land Hessen“, betonte Franz. Umso erstaunlicher sei es, dass die Stadtregierung die Oper mit einem Federstrich vernichtet habe und das Land Hessen dies unterstütze, stellte der Sprecher des Kuratoriums fest. Alle Versuche, mit dem Schirmherrn der Oper, Ministerpräsident Volker Bouffier, persönlich ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert. Im Gespräch mit Wissenschaftsminister Boris Rhein habe dieser versichert, dass die Oper sehr geschätzt werde und fortgeführt werden soll. Umso schockierter seien die Kuratoriumsmitglieder gewesen, als zwei Wochen später der Minister in einem Brief genau das Gegenteil mitgeteilt habe. „Wir sind zutiefst enttäuscht von unserem Schirmherrn“, sagte Franz unter lebhaftem Beifall des Publikums.

Seitenhiebe auf Wedel

Franz sparte nicht mit Seitenhieben auf den Festspielintendanten Dieter Wedel, den er als „selbstverliebten Showman“ bezeichnete, der ab und zu aus Mallorca in Bad Hersfeld einschwebe, niemanden neben sich dulde, alles zerschlage und dann wieder verschwinde. Vom Publikum gab es für Wedel vereinzelte Buhrufe. Umso lebhafter war der Beifall für Siegfried Heinrich, für den sich zahlreiche Besucher der Veranstaltung respektvoll von ihren Plätzen erhoben.

Hans Werner Franz

Einem Kulturträger wie dem Arbeitskreis für Musik, der aus einer Bürgerinitiative bestehe, Kinder an die Musik heranführe, dem musikalischen Nachwuchs eine Chance gebe und seit Jahrzehnten die Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern in Osteuropa vorantreibe zu zerschlagen, sei durch nichts zu rechtfertigen, betonte Franz.

Auch musikalisch stand der Festakt wehmütig im Zeichen des Abschieds bis hin zum Oratoriums „Vollendet ist das große Werk“ aus Haydns Schöpfung, das Chor und Orchester zum Abschluss intonierten.

Über Heinrichs Leistungen und die Geschichte von Oper und Konzerten sprach auch Prof. Dr. Jean Smolders, ein weiterer Sprecher des Kuratoriums.

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