Bad Hersfelder Festspiele

Welturaufführung am Eichhof: Vier Lebensmüde über den Dächern Londons

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Rettung ins letzter Minute: Auf dem Dach eines Londoner Hochhauses treffen sich in der Silvesternacht vier Lebensmüde. Unser Bild zeigt (von links) Natascha Hirth als Maureen, Helena Sigal als Jess und Karsten Speck als Martin.

Welturaufführung am Eichhof: Heute Abend hat "A Long Way Down" von Nick Hornby Premiere - erstmals auf einer Theaterbühne.

Schon der Titel ist doppeldeutig: „A long way down“ – Ein langer Weg nach unten – ist die Geschichte von vier Menschen, die sich in der Silvesternacht zufällig auf dem Dach eines Londoner Hochhauses treffen und sich das Leben nehmen wollen.

Die Premiere heute Abend um 20.30 Uhr im Schloss Eichhof als etablierte Außenspielstätte der Bad Hersfelder Festspiele ist gleichzeitig eine Welturaufführung.

Martin (im Stück gespielt von Karsten Speck) ist ein gefallener Medienstar – er hatte Sex mit einer Minderjährigen, saß im Gefängnis, Familie und Karriere sind ruiniert. Maureen (Natascha Hirthe) pflegt seit fast 20 Jahren alleine und überlastet ihren schwerbehinderten Sohn. John Julius (Mick Riesbeck), genannt JJ, wäre gern ein Rockstar, fährt aber Pizza aus, und Jess (Helena Sigal), die aufmüpfige Politikertochter, weiß nicht, warum ihr Freund sie verlassen hat ...

Alle vier sind gekommen, um den langen Weg nach unten anzutreten. Das Hochhaus ist bekannt dafür, sich für Selbstmord besonders gut zu eignen. Aber sich vor Zuschauern in den Tod stürzen? Die vier vereinbaren schließlich, von ihren Plänen abzurücken und machen sich zunächst gemeinsam auf die Suche nach dem Ex-Freund von Jess, denn da gibt es einiges zu klären. Und sie beschließen, den Selbstmord erst einmal zu verschieben – bis zum Valentinstag.

Christian Nickel . Foto: Nadine Maaz

Regisseur Christian Nickel, für den es bereits das vierte Festpiel-Jahr in Folge ist, aber das erste als Regisseur, sagt mit Blick auf die vier Protagonisten: „Sie erinnern ein wenig an die Bremer Stadtmusikanten, die sich ja unter dem Motto ‘etwas Besseres als den Tod finden wir überall’ auf ihren Weg machen.“ Vier fremde, sehr unterschiedliche Menschen, ihre Geschichten, Erfahrungen und Motive prallen aufeinander. Auf dem Weg zurück ins Leben entstehen berührende, komische und skurrile Szenen mit viel englischem Humor, heiß es in der Ankündigung. Die Bühnenfassung von Nick Hornbys Roman, der 2014 unter anderem mit Pierce Brosnan verfilmt wurde, stammt von Dr. Bettina Wilts, seit 2018 Chefdramaturgin der Bad Hersfelder Festspiele.

Schon 2007 hat sie die Geschichte fürs Theater dramatisiert, doch die Verfilmung hatte lange Zeit verhindert, dass Wilts auf die Rechte für die Bühnenfassung hoffen konnte (wir berichteten). „Es gibt Bücher, die springen einen an. Bei diesem Roman dachte ich gleich, dass ich ihn gerne auf der Bühne sehen würde“, so Wilts gegenüber unserer Zeitung.

Christian Nickel fasst „A long way down“ so zusammen: „Mit klugem Humor erzählt Nick Hornby von der Brutalität und Einsamkeit des Großstadtlebens und von dem menschlichen Bedürfnis nach gegenseitiger Wahrnehmung, ein Thema, das erst einmal nicht zum Lachen reizt. Doch genau diese Herausforderung gefällt mir: auf der Bühne zu zeigen, wie aus Verzweiflung Lebensfreude und Lachen entstehen kann und daraus einen unterhaltenden Abend mit Tiefgang zu machen.“ In die Quere komme sich das Stück mit Buch und Film übrigens nicht, beruhigt der Regisseur möglicherweise skeptische Zuschauer. Denn das Stück lege einen anderen Fokus. „Wir versuchen, die verschiedenen Charaktere und die unterschiedlichen Haltungen differenzierter darzustellen und herauszuarbeiten“, sagt der Regisseur.

30 Vorstellungen werden bis zum 25. August gespielt. Die Karten kosten 29 Euro auf allen Plätzen. Letzte Karten für die Premiere gibt es an der Abendkasse vor Ort, die um 20 Uhr öffnet.

VON NADINE MAAZ

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