Bad Hersfelder Festspiele

Die Wächter im "Prozess": Es geht um die Brüche

Der Hundefreund und der Radler: Markus Majowski (links) und Thomas M. Held spielen im „Prozess“ die beiden Wächter. Foto: Karl Schönholtz

Markus Majowski und Thomas Maximilian Held spielen bei den Bad Hersfelder Festspielen in Kafkas "Der Prozess" die beiden Wächter - und das mit Humor.

Der Eine entschuldigt sich, weil er mit seinem Hund zum Doktor muss und deshalb nur begrenzt Zeit hat. Der Andere entschuldigt sich, weil er im Radfahrer-Dress zum Gespräch mit der Zeitung erscheint, denn nachher möchte er mit einem Kollegen noch auf Tour gehen.

So unorthodox, wie dieser Termin beginnt, er passt zum Markus Majowski und Thomas Maxmilian Held, die in Joern Hinkels Inszenierung von Kafkas Roman „Der Prozess“ für die Bad Hersfelder Festspiele die beiden Wächter spielen. Ihre Rollen sind - wie Majowski sagt - „zwischen smart und Troubleshooter“ angelegt, oder - wie die Zuschauer der HZ-Matinee bei einer Szenen-Kostprobe schon sehen durften - wie eine Bühnen-Variante der trotteligen Polizisten Schulze und Schultze aus den Tim-und-Struppi-Comics.

Tatsächlich dürfen die beiden in Kafkas düsterem Gerichtsdrama „spielerisch auf das Leichte hinweisen“, wie Majowski sagt. Ihre Rollen seien jedoch keineswegs auf Klamauk angelegt, will Held nicht missverstanden werden. Es gehe um die Brüche. „Das macht guten Humor aus“.

Mit diesem hat Markus Majowski das Festspielpublikum schon mehrfach zum Lachen gebracht, unter anderem in der Bänker-Farce „Der Kredit“. Nach einem Jahr Hersfeld-Pause ist er gerne wiedergekommen und hat den Eindruck, die Festspiele und das Ensemble seien in der Zwischenzeit „noch professioneller geworden“.

Thomas Maximilian Held ist zum ersten Mal in Bad Hersfeld, ist angesichts der Dimensionen der Stiftsruine „wahnsinnig nervös“, vertraut aber Partner Majowski. Der habe ihn schließlich auch empfohlen. Beide kennen sich aus SAT 1-Zeiten, als sie mehr oder weniger parallel für die Comedy-Serien „Sechserpack“ und „Die dreisten Drei“ vor den Kameras standen.

„Das war die beste Schule“, sagt Held, denn auch in seiner Wächter-Rolle ist er „von der ersten Sekunde an gefordert“. Die Verhaftung des Josef K. ist schließlich der Einstieg in Kafkas Roman.

Held, der aus einer musikalischen Familie stammt, kam auf Umwegen zum Schauspiel. Ursprünglich sollte er das Geigenspiel erlernen, entschied sich aber für die Querflöte. „Mein Vater hat’s gehasst“, erinnert er sich. Ein Schulpraktikum bei den Kölner Symphonikern wies ihm schließlich den weiteren Weg. „Irgendwas hat bei der Musik gefehlt“, habe er dabei bemerkt, „und das war die Sprache.“ Seine Konsequenz: „Es musste dann doch wirgendwie die Bühne sein.“

Markus Majowski hat sich längst in Richtung Tierarzt verabschiedet, da erscheint Schauspieler-Kollege Thorsten Nindel auf der Bildfläche, ebenfalls in bunter Montur und mit Rad. Und sofort dreht sich das Gespräch um Radwege, Badeseen, Navigationssysteme und Sehenswürdigkeiten. Waldhessen hat schließlich neben den Festspielen auch noch mehr zu bieten.

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