Fernverkehrshalt bei Unterhaun wird geprüft

Bahnstrecke Fulda-Gerstungen: Noch vier Trassen in Hersfeld-Rotenburg im Rennen

Das Bild zeigt einen durchfahrenden Schnellzug am Bahnhof in Bad Hersfeld.
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Hat überraschend Konkurrenz aus Unterhaun bekommen: der Bahnhof Bad Hersfeld. Neben einem Bahnhof auf der „grünen Wiese“ in Mecklar prüft die Bahn auch einen ähnlichen Halt im Haunecker Ortsteil. Für einen Fernverkehrshalt in der Kreisstadt sprechen sich dagegen unter anderem 13 Bürgermeister des Südkreises Hersfeld-Rotenburg, Bürgerinitiativen und Wirtschaftsvertreter aus.

Für die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen bleiben in Hersfeld-Rotenburg vier Trassenvarianten übrig. Geprüft wird neben Bad Hersfeld und Mecklar auch ein ICE-Halt in Unterhaun.

Hersfeld-Rotenburg – Die Deutsche Bahn hat für die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen weitere Streckenvarianten aussortiert. Übrig bleiben vier mögliche Trassenkorridore, die alle bei Ronshausen auf die Bestandsstrecke in Richtung Gerstungen münden – sowie drei potenzielle Fernverkehrshalte. Ein ICE-Bahnhof wird neben den bekannten Optionen Bad Hersfeld und Mecklar auch in Unterhaun geprüft.

Die vier verbleibenden und ein Kilometer breiten sogenannten „ernsthaft in Betracht kommenden Trassenkorridore“ sind das Ergebnis eines Vergleichs von 28 möglichen Verläufen der Neubaustrecke durch den Kreis, das die Bahn bei ihrem zehnten Beteiligungsforum am Mittwoch, 6. Oktober, in der Bad Hersfelder Schilde-Halle vorgestellt hat. Verglichen wurden unter anderem die Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Wirtschaftlichkeit, aber auch Kriterien der Bahn wie die benötigte Fahrzeit.

Zwei potenzielle Trassen verlassen die bestehende Strecke Hannover-Würzburg bei Langenschwarz (Landkreis Fulda) und führen entweder über Bad Hersfeld oder südlich an der Kreisstadt vorbei über Unterhaun in Richtung Ronshausen. Die Alternativen verlaufen jeweils über Mecklar, abgebogen von der Bestandsstrecke wird entweder bei Kirchheim oder Neuenstein.

Vorzugsvariante samt ICE-Halt sollen im Frühjahr 2022 feststehen

„Nur diese vier Trassenkorridore sind noch im Rennen“, betont die Bahn. Sie werden in den kommenden Monaten direkt miteinander verglichen, „bis am Ende ein Ranking der einzelnen Varianten steht“, so Projektleiter Jochen Stüting. Wo die neue Bahnstrecke letztendlich verläuft, soll Anfang 2022 feststehen.

Was aber bereits sicher ist: Es wird teuer. Alle vier Varianten verlaufen mindesten 26 Kilometer – und damit mehr als die Hälfte der Strecke – in Tunneln. Bei der spannenden Frage nach dem künftigen Fernverkehrshalt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bremst die Bahn weiterhin: Entschieden werde in den kommenden Monaten beim Vergleich der vier verbleibenden Strecken.

Bewertet werde auch die Zukunftsfähigkeit der Fernverkehrshalte, also potenzielle Fahrgastzahlen und die infrastrukturelle Anbindung. Dabei soll auch ein weiterer Bahnhof auf der „grünen Wiese“ in Unterhaun geprüft werden. Ein möglicher Verlauf der Neubaustrecke überquert dort mithilfe einer Brücke die Bestandsstrecke zwischen Bad Hersfeld und Fulda.

Die Deutsche Bahn hat die möglichen Verläufe der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg weiter reduziert. Übrig bleiben vier jeweils ein Kilometer breite Trassenkorridore. Unsere Grafik gibt einen Überblick des Projektstandes - mit einem Klick auf die Pfeile oben rechts wird sie komplett angezeigt.

Es war ein Stück weit „Malen nach Zahlen“, was die Deutsche Bahn bei den Planungen der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen in den vergangenen Monaten beschäftigt hat. Kleinteilig wurden Streckabschnitte auf ihre Vor- und Nachteile abgeklopft und zu den vier Trassenkorridoren zusammengesetzt, die nun miteinander verglichen werden sollen. Da ist es nur konsequent, dass jeder dieser Varianten eine Farbe zugewiesen wird: von pink für die Strecke mit Halt in Bad Hersfeld bis türkis für den Schienenverlauf über Unterhaun. Wir haben die Auffälligkeiten des jüngsten Beteiligungsforums der Bahn zusammengefasst.

Fernverkehrshalt: Bad Hersfeld und zweimal auf der „grünen Wiese“

Der potenzielle ICE-Halt Unterhaun kommt überraschend, bisher wurde vor allem über Bad Hersfeld, Mecklar und den mehrfach ausgeschiedenen Bahnhof Bebra diskutiert. Die Variante türkis führt nach Verlassen der Bestandsstrecke in Tunneln bis zum Ortsteil der Gemeinde Hauneck und kreuzt dort die Strecke Frankfurt-Göttingen mit einer Brücke. Um eine Anbindung an den Schienennahverkehr zu ermöglichen, liegen alle potenziellen Fernverkehrshalte im Landkreis an einem solchen Schnittpunkt, erklärt die Bahn. Unterhaun ist damit neben Mecklar für die beiden Varianten orange und violett ein weiterer Bahnhof auf der sogenannten Grünen Wiese im Rennen – den viele im Landkreis aber ablehnen.

Die Bahn wisse um die Herausforderungen, etwa beim Naturschutz, betont Projektleiter Jochen Stüting auf Nachfrage unserer Zeitung: „Das haben wir auf dem Schirm.“ In Bad Hersfeld („Variante pink“) gebe es dagegen eher Probleme mit der bestehenden Bebauung. Die Suche nach einem Fernverkehrshalt laufe daher beim Variantenvergleich „ergebnisoffen“ weiter.

Viele Tunnel: Mehr als die Hälfte der Strecken verläuft unterirdisch

Die Strecke über Unterhaun ist ohne Spangen für den Güterverkehr 41 Kilometer lang – 32 Kilometer davon verlaufen in Tunneln. Das ist mehr als bei der „Hersfeld-Variante“, die 28 Kilometer unterirdisch geführt wird, den bestehenden Bahnhof nutzt und sich den Verlauf südlich und nördlich der Kreisstadt mit der Unterhaun-Variante teilt. Stüting ist sich jedoch sicher, das die tunnellastigen Pläne die für die Wirtschaftlichkeit der Strecke wichtige Kosten-Nutzen-Prüfung überstehen.

Bad Hersfeld als Schablone für Bahnhöfe auf der „grünen Wiese“

Mit einer Datenerhebung hat die Bahn das Mobilitätsverhalten am Bahnhof erfasst: Wer reist mit dem Auto an, wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Es geht auch darum, eine Art Schablone für die beiden anderen möglichen Fernverkehrshalte im Landkreis zu erhalten, mit der die Bahn grob planen kann – etwa bei den benötigten Flächen für Parkplätze. Konkrete Fahrgastzahlen wurden nicht ermittelt.

Projektleiter Stüting: Es wird mehr Güterverkehr geben

Der Güterverkehr ist noch ein Stück weit mit einem Fragezeichen versehen. Für die Variante türkis über Unterhaun gibt es zwei mögliche Spangen, auf denen der Transport auf der Schiene zwischen Bestandsstrecke und Neubaustrecke wechseln kann – und die Auswirkungen auf die Gesamtfahrzeit der Strecke haben. Eine Entscheidung will die Bahn daher erst im anstehenden Variantenvergleich treffen, sagt Projektleiter Stüting. „Klar ist: Es wird mehr Güterverkehr geben“ – dafür aber, sollte die Strecke durch Bad Hersfeld führen, auch mehr Schallschutz als bisher. Güterspangen weiter nordöstlich bei Ronshausen – ein Vorschlag des Bündnisses „Bahn für alle“ – hatte die Bahn ausgiebig geprüft, aber verworfen.

Wie bereits auf Nachfrage unserer Zeitung hat die Bahn beim Beteiligungsforum erneut betont, dass sie die Zügel für die Planung in den Händen hält. Im August hatte ein Papier des Bundesverkehrsministeriums für Aufregung gesorgt, das bei dem für den Deutschlandtakt nötigen Infrastrukturausbau mit einer Strecke über Kircheim und Blankenheim und damit an Bad Hersfeld vorbei rechnete – offenbar aber nur exemplarisch. Die Suche nach dem besten Trassenkorridor obliege der DB Netz als Vorhabenträgerin, heißt es.

Bahn bietet Bürgern Informationsveranstaltungen an

Der zweite virtuelle Informationsmarkt der Bahn startet am Samstag, 9. Oktober. Über die entsprechende Internetadresse können sich Interessierte bis zum 31. Oktober über den Projektstand informieren und dem Projektteam Fragen stellen. Am Montag, 18. Oktober, findet eine Bürgerinformation statt – ebenfalls online. Nähere Informationen gibt es über die Seite des Infomarkts. (Clemens Herwig)

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