Resolution

Bahnstrecke Fulda-Gerstungen: Wildecker Parlament macht sich für Halt in Bebra stark

Blick von der Eisernen Brücke auf den Bahnhof Bebra. Ein Güterzug verlässt den Bahnhof. Rechts sind das Inselgebäude, das derzeit saniert wird, und eine Cantus-Bahn zu sehen.
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Spielt in der Planung der Bahn für die Neubaustrecke Fulda-Gerstungen keine Rolle mehr: der Bahnhof Bebra.

Wildeck wird von der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen erheblich betroffen sein. Jetzt hat das Parlament eine Resolution beschlossen, die eine Streckenführung über Bebra befürwortet.

Wildeck – Von dem Mammut-Projekt der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen wird auch die Gemeinde Wildeck in jedem Fall erheblich betroffen sein. Die Bahn hat am Dienstag die Trassenkorridore für mögliche Streckenverläufe durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg vorgestellt – wir berichteten. Eine Trassenführung über Bebra bleibt trotz Kritik weiterhin außen vor. Die Kritiker aber geben nicht auf. Das Wildecker Parlament hat am Donnerstag auf Antrag der FWG-Fraktion einstimmig eine Resolution verabschiedet und sich damit für einen Halt in Bebra stark gemacht.

In dem Beschluss beauftragt die Gemeindevertretung den Gemeindevorstand, eine Resolution an die DB Netz zu richten mit der Bitte, die Berechnungen und Kalkulationen offenzulegen, die gegen die Linienführung über den Bahnhof Bebra sprechen.

Nach den Plänen der Bahn ist ein Fernverkehrshalt in Bad Hersfeld weiterhin im Rennen – allerdings auch ein Bahnhof auf der „grünen Wiese“ bei Ludwigsau. Definitiv von der Neubaustrecke betroffen ist der Wildecker Ortsteil Hönebach, da der Fernverkehr auf allen Varianten durch den Hönebacher Tunnel führt. Auch die Bürgermeister aus Wildeck, Bebra und Ronshausen setzen sich für einen Halt in Bebra ein.

FWG: Neubaustrecke bringt Veränderungen in der Größenordnung der Wiedervereinigung

„Mit der Planung der Neubaustrecke Fulda-Erfurt bahnen sich für unsere Region – und sehr wahrscheinlich konzentriert für unsere Gemeinde Wildeck – Veränderungen von einer durchaus mit der Wiedervereinigung vergleichbaren Größenordnung und Tragweite an“, betonte Dr. Kurt Schreiner (FWG) vor der Abstimmung im Wildecker Parlament. „Die Wiedervereinigung war ein Segen. Ob das auch für die Neubaustrecke gilt, da sind erhebliche Zweifel angebracht. Das Projekt wird unsere Lebensqualität direkt betreffen.“ Die Fragen seien, ob der Bahnhof Bebra Teil der Neubaustrecke werde und ob auch auf dem Gebiet der Gemeinde Wildeck eine neue und zusätzliche Trasse gebaut werde.

Der Bahnhof in Bebra sei nach wie vor ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. „Dort kreuzen sich Eisenbahnlinien aus allen Himmelsrichtungen und es ist für den NVV der zweitwichtigste Bahnhof in dessen Streckennetz“, sagte Schreiner. „Im Einzugsgebiet des Bahnhofs leben etwa 100 000 Menschen.“

Eine Alternative zur Tunnel-Lösung

Anstatt eines Tunnels durch den Seulingswald direkt nach Hönebach schlägt Thomas Mühlhausen, Leiter der Ortsgruppe Bebra der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), vor, Bebra von Westen von einem Abzweig der bestehenden Schnellbahnstrecke her anzufahren. Er nennt dabei als wesentlichen Vorteil dieser Variante, dass auch der Verkehr aus dem Norden und Westen Deutschlands eine Anknüpfung an die Neubaustrecke erfahren würde, was mit der „Fehlingschen Lösung“ nicht der Fall wäre.

Seit Dienstag steht als Ergebnis des Beteiligungsforums fest, dass fünf Untersuchungskorridore festgelegt werden sollen. Die Neubaustrecke könnte – unter Umgehung des Bahnhofs Bebra – an die bestehende Strecke bei Weiterode (Berliner Kurve), oder an drei Punkten zwischen Ronshausen und dem Westportal des Hönebacher Tunnels sowie zwischen Hönebach und Großensee angeknüpft werden.

„Die letzte Variante wäre die absolut übelste für meinen Heimatort Hönebach“, betont Dr. Schreiner. „Unser Dorf wird schon von einer Eisenbahnlinie in zwei Teile geteilt und die nahe Autobahn erhöht auch nicht den Erholungswert. Eine weitere Eisenbahnlinie mit einem Tunnelende und einem Damm oder Brückenbauwerk würde die landwirtschaftlich geprägte Struktur unwiederbringlich zerstören und zu einer hohen und zusätzlichen Umweltbelastung führen.“ Auch die überregional bedeutenden Naturschutzgebiete des Rhädens und des Seulingssees in Kleinensee würden von dieser Streckenführung negativ beeinflusst, befürchtet Schreiner. „Bohrt man durch den Seulingswald, wird man auch die Lauge von K + S wiedersehen, die über Jahrzehnte im Gebirge versenkt wurde. Davon gehen erhebliche Risiken für unser Trinkwasser und auch das Bauwerk selbst aus.“ (Von René Dupont)

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