Parlament fordert weitere Informationen

Bahnstrecke in Schenklengsfeld: Kauf vertagt

Das Bild zeigt der Bahnübergang zwischen Oberlengsfeld und Wehrshausen.
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Zukunft weiter ungewiss: Die Schenklengsfelder Gemeindevertretung hat die Entscheidung über den Kauf der Bahnstrecke am Donnerstag vertagt – im Bild der Bahnübergang zwischen Oberlengsfeld und Wehrshausen.

Ob die Gemeinde Schenklengsfeld das Reststück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn nach Heimboldshausen kauft, bleibt vorerst offen.

Schenklengsfeld - Eine Entscheidung über ein entsprechendes Angebot des Fördervereins Werra-Fulda-Bahn hat das Gemeindeparlament am Donnerstagabend vertagt. Einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen die Mandatsträger auf Antrag der SPD, das Thema zur weiteren Beratung zurück in die Ausschüsse zu verweisen.

Die hatten dem Parlament in ihren Sitzungen in der vergangenen Woche noch empfohlen, die rund zwölf Kilometer lange Schienenverbindung ins Werratal für 35 000 Euro zu erwerben (unsere Zeitung berichtete) – wobei der Bau- und Planungsausschuss bereits einen verstärkten Fokus auf den Zustand zweier Brückenbauwerke bei Ransbach sowie die konkrete Ausgestaltung des vom Förderverein geforderten Nutzungsrechts legte. Diese und zahlreiche weitere offene Fragen wollen nun auch die Redner der Fraktionen vor einer Entscheidung zunächst geklärt wissen.

„Ich verstehe nicht, warum wir für eine Strecke, die kürzlich noch für einen Euro angeboten wurde, 35 000 Euro zahlen und auch noch Nutzungsrechte abtreten sollen, merkte etwa Udo Langer (Bürgerliste) an, der zudem vor einem „unkalkulierbaren Risiko“ durch Unterhaltungsaufwand in unbekannter Höhe warnte. Von „einer Chance, aber auch ein paar Fragezeichen“ hinsichtlich Förderbedingungen und Folgekosten sprach der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste, Andre Wenzel.

Der beantragte Verweis in die Ausschüsse sei ausdrücklich nicht als Votum gegen das Projekt zu verstehen, betonte René Petzold (SPD). Allerdings benannte auch der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten zahlreiche offene Punkte, die vor der Entscheidung geklärt werden müssten. „Woher kommt die Kalkulation, nach der die Strecke 350 000 Euro wert ist?“, fragte Petzold etwa und bat, wie auch sein Fraktionskollege Martin Hensel, um Informationen für die Mandatsträger, welche Unternehmen durch die Wiederinbetriebnahme der Strecke angesiedelt werden könnten.

„Wir wissen nicht, in welchem Zustand die Brücken sind. Es geht um das Steuergeld unserer Mitbürger, das wir im Zweifel in den Sand setzen“, gab Dr. Frank Klein (Zumit) zu bedenken. Johanna Meeßen (Bürgerliste) mahnte zudem an, hinsichtlich der Zuschussmöglichkeiten zunächst eine offizielle Auskunft der Fördergeber einzuholen.

Bürgermeister Carl Christoph Möller hatte zu Beginn der Debatte betont, dass ein Bahnanschluss als Standortfaktor einem Autobahnanschluss gleichzusetzen sei und die Strecke damit einen wichtigen Zukunftsfaktor für die Gemeinde darstelle. Weil der Streckenwert das zehnfache des Kaufpreises betrage und mit Blick auf die erhoffte Förderquote von 90 bis 100 Prozent, welche auch die Brücken einschließe, sei das Risiko überschaubar, entgegnete der Rathauschef den Bedenken der Mandatsträger. Die Reaktivierung sei zudem erst der zweite Schritt, der Kauf die dafür notwendige Voraussetzung: „Wenn die Bindefrist ausläuft und ein Dritter die Strecke kauft, sind wir nicht mehr Herr des Verfahrens“, warnte Möller.

Weil der Förderverein sein Angebot von Ende November auf Ende März verlängert hat, sahen die Gemeindevertreter hingegen keinen Grund für einen Schnellschuss. (Jan-Christoph Eisenberg)

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