„Querulanten gibt es immer“

Einkaufen: 2G-Bänder bei Passerella im „be!“ bleiben oft ungenutzt

Tagesticket für Bebra: Kundin Waltraud Rehwald lässt sich im Modeladen Passerella im Einkaufszentrum „be!“ das 2G-Bändchen umbinden. Verkäuferin Sandra Schober hat den Nachweis vorher mit dem aktuellen Datum versehen.
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Tagesticket für Bebra: Kundin Waltraud Rehwald lässt sich im Modeladen Passerella im Einkaufszentrum „be!“ das 2G-Bändchen umbinden. Verkäuferin Sandra Schober hat den Nachweis vorher mit dem aktuellen Datum versehen.

Seit mehr als einer Woche gibt es in Bebra die sogenannten 2G-Bändchen: Kunden müssen beim Einkaufen nur einmal ihren Impf- oder Genesenenstatus nachweisen, dann können sie mit dem Tagesticket am Handgelenk weitere Geschäfte besuchen.

Bebra - Es ist als Service gedacht, die Erfahrungen der Einzelhändler sind überwiegend positiv. Aber: „Querulanten gibt es immer“, sagt Dr. Hans-Peter Dehnhardt vom Modegeschäft Passerella. Grundsätzlich sei die Stimmung beim Einkaufen aggressiver geworden.

Zugang zum Modeladen im Bebraer Einkaufszentrum gibt es nur über eine Schleuse. „Einfach mal hereinschlendern geht derzeit nicht“, beklagt Dehnhardt. Jeder Kunde muss kontrolliert werden. Das bindet Mitarbeiter, die notfalls ein Beratungsgespräch unterbrechen müssen. In diesem Fall ist das Sandra Schober. Die Rückmeldung zu den grünen 2G-Bändchen sei grundsätzlich meist positiv, sagt sie. Oft komme das Tagesticket aber nicht zum Einsatz: „Viele lehnen es ab oder besuchen sowieso nur ein Geschäft“, erklärt die stellvertretende Filialleiterin. Fast entschuldigend fragt sie dann, nach einem Blick auf den gelben Impfpass, nach dem Personalausweis.

Die Vorsicht kommt mit der Erfahrung: Der überwiegende Teil der Kunden mache die Auflagen klaglos mit. Doch es gibt Ausnahmen: „Jeder hier hat mittlerweile schon erlebt, dass er nach einem Impfausweis oder Personalausweis fragt und mit einem Nazi verglichen wird. Da fehlen einem die Worte“, sagt Sandra Schober. Sie hat selbst solche Diskussionen geführt – wenn alles Argumentieren nichts hilft, müsse der Kunde draußen bleiben. Auch ihr Chef betont: „In solchen Fällen kann ich von niemandem erwarten, weiter freundlich zu sein.“

Meist ließe sich die Eskalation aber umschiffen. Als eine Kundin ihren Personalausweis nur ungern vorzeigen wollte, zückte Sandra Schober beispielsweise kurzerhand den eigenen – das Eis war gebrochen, am Ende konnten beide über die Situation lachen. Und es gibt Kundinnen wie Waltraud Rehwald, die das Bändchen-Angebot als Erleichterung empfinden: „Einmal das Händchen hinhalten ist doch nicht schlimm.“ Die Bebranerin will noch weiter, zum Friseur und eine neue Gardinenstange besorgen – die alte habe bereits mehrfach der Schwerkraft nachgegeben. Ihr kommt das grüne Tagesticket also gerade recht.

Für die Verkäufer ist es eine dennoch eine schwierige Situation: Sie müssen Regeln durchsetzen, mit denen sie selbst nicht glücklich sind. Bis November sei der Einzelhandel schrittweise auf dem Weg zur Normalität gewesen, sagt Hans-Peter Dehnhardt. Während der Discounter nebenan weiterhin Kundenströme verzeichne, kämpfe Passerella mit einem Kundenrückgang von bis zu 50 Prozent im Vergleich zu 2019. Auch das Geschäft zwischen den Jahren, wenn etwa Gutscheine eingelöst werden, wolle nicht so recht anlaufen.

Der Geschäftsführer ist für eine Impfpflicht: „Sich nicht impfen zu lassen, ist meiner Meinung nach wie betrunken Auto fahren.“ Sein Unternehmen hat neben Bebra drei Standorte in Thüringen, die Impfquote bei den 25 Mitarbeitern liege bei 100 Prozent.

Dehnhardt hofft nun, dass die Booster-Offensive Wirkung zeigt und für Entlastungen im Einzelhandel sorgt.

Von Clemens Herwig

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