Senior stirbt in Bebraer Wohnheim und liegt tagelang in Wohnung

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Bebra. Das Gerücht ging in Bebra um, mittlerweile ist es bestätigt: Ein 69-Jähriger ist am Dienstag vergangener Woche tot in seiner Wohnung im Seniorenzentrum gefunden worden.

Sein Tod blieb mehrere Tage unentdeckt und fiel erst auf, als Nachbarn auf den Leichengeruch im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) aufmerksam wurden. Das berichtet die Polizei.

„Der Mann hat in einer ganz normalen Wohnung gelebt, nicht im Pflegebereich. Daher hat die Awo auch nichts mit der Angelegenheit zu tun“, stellt Polizeisprecher Manfred Knoch klar. „Das ist von der Verantwortung her so, als hätte er eine Wohnung irgendwo sonst in der Stadt gehabt. Der Mann war nicht pflegebedürftig und starb eines natürlichen Todes.“

Betroffen sind Mitbewohner und Heimleitung trotzdem immer noch. „Ein solcher Todesfall ist immer tragisch, wenn ein Mensch allein ist und sein Tod nicht bemerkt wird“, sagt Herbert Leidenfrost, stellvertretender Geschäftsführer der Awo Nordhessen in Kassel. Und er sagt unmissverständlich: „Aus Sicht der Awo ist niemandem ein Vorwurf zu machen. Der Mann lebte sehr zurückgezogen.“

Das bestätigt auch Bodo Breitbart. Er lebt mit seiner Frau seit fünf Jahren in der Awo-Anlage in Bebra. „Der Mann wollte mit der Gemeinschaft hier nicht viel zu tun haben. Er war ein ziemlicher Einzelgänger.“ Hausinterne Angebote der Freizeitgestaltung habe er nicht angenommen, selbst zum Essen sei er nur sporadisch erschienen, sagt Breitbart, der zwar kein offizieller Sprecher der Bewohner ist, eigenen Angaben nach aber häufiger in deren Namen Kontakt zur Heimleitung aufnimmt.

Keine Hinweise 

„Selbst die Nachbarn hatten keine Hinweise, dass etwas nicht stimmte“, sagt Herbert Leidenfrost. Als dann der Geruch auffällig geworden sei, habe man zügig gehandelt. Wie lange der Mann letztlich tot in seiner Wohnung gelegen hat, war da nicht mehr zu ermitteln. Leidenfrost betont, dass jeder in der Wohnanlage jederzeit einen Notruf auslösen könne. „Wenn wir wissen, dass jemand Betreuung braucht, dann schauen wir auch nach“, betont er. „Und wir appellieren an alle Mieter, Bescheid zu sagen, wenn jemand länger nicht gesehen wird.“

„So etwas dürfte eigentlich nicht passieren“, sagt Bodo Breitbart. „Jeder achtet doch hier auf den anderen. Wir haben ein schlechtes Gewissen, ja.“ Und er gibt zu: „Manche haben sich auch geschämt, dass das passiert ist.“

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