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B-83-Brücke bei Bebra eröffnet: Großprojekt dreimal teurer als geplant

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Von: Clemens Herwig

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Noch vor dem ersten Auto rollen fünf Fahrräder über die neue Brücke: Für unser inoffizielles Eröffnungsfoto gingen von links Wolfgang Maulitz, Hans-Jürgen Walter und Thomas Mühlhausen (alle Lispenhausen), Nikolaus Döttger aus Bebra und Lothar Rückert aus Erkshausen an den Start. Die Männer hatten ihre jeweiligen Ausflüge mit dem Rad unterbrochen, um die Brückeneröffnung zu verfolgen. Ihre Fahrt auf der Bundesstraße war zum ersten – und letzten Mal – kurz vor der offiziellen Freigabe möglich.
Bebra: Fünf Fahrräder rollen noch vor dem ersten Auto über die neue B-83-Brücke. © Clemens Herwig

Von Bebra in Richtung Kassel rollt der Verkehr wieder. Die B-83-Brücke ist nach dreieinhalb Jahren wieder freigegeben.

Bebra/Lispenhausen –  Nach dreieinhalb Jahren mit Umwegen durch das Industriegebiet gilt auf der Bundesstraße 83 zwischen Bebra und Lispenhausen seit gestern wieder freie Fahrt. Der Verkehr rollt auf der neuen Brücke über den Bahngleisen der Strecke Bebra-Kassel. Das Millionenprojekt von Bund und Bahn hatte mit Verzögerungen zu kämpfen, kostet den Steuerzahler letztlich rund 36,5 Millionen Euro und ist damit drei Mal teurer als ursprünglich geplant.

Dennoch werden das 80 Meter lange Bauwerk und die beteiligten Betriebe – federführend die Bebraer Brückenspezialisten von Gerdum und Breuer – am Dienstagvormittag mit viel Lob bedacht. So spricht Staatssekretärin Susanne Henckel vom Bundesverkehrsministerium bei der offiziellen Freigabe vor knapp 80 Gästen und einigen neugierigen Passanten, die ihre Fahrradtour für die Eröffnung unterbrechen, von einer „bautechnischen Meisterleistung“. Währenddessen fährt unter der Brücke, nicht zum letzten Mal während eines Redebeitrags, lautstark ein Güterzug entlang. Auf dem letzten Waggon hat ein kreativer Sprayer den Spruch „Ihr wart ein gutes Publikum“ hinterlassen.

Brücke bei Bebra: Verzögerungen hatten weitreichende Folgen

Die Bahnstrecke war eine der Hürden des Bauprojekts – Hessen-Mobil-Chef Heiko Durth spricht von „vielen Herausforderungen, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind“. Sperrpausen für den Schienenverkehr mussten „drei Jahre im Vorfeld auf die Minute genau“ angemeldet werden, sagt auch Stefan Morhardt, Sachgebietsleiter Ingenieurbau und Erhaltung bei der Straßenbaubehörde. Verzögerungen hätten daher weitreichende Folgen gehabt.

Die gab es etwa durch coronabedingte Liefer- und Materialengpässe und unbeständige Witterung, womit die Straßenbaubehörde auch die erneute Kostensteigerung um 10,5 Millionen Euro erklärt. Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte die Brücke 12 Millionen Euro kosten. Nach europaweiter Ausschreibung mit nur einer Rückmeldung – Gerdum und Breuer – hatte Hessen Mobil die Kostenschätzung bereits im April 2019 auf 26 Millionen Euro nach oben korrigiert.

B-83-Brücke: Projekt kostet 36,5 Millionen Euro

Zuletzt vertrösteten die Verantwortlichen bei der Frage nach dem Preisschild für die Brücke wiederholt auf den Eröffnungstermin – Hintergrund dafür ist auch, dass die Übernahme der Mehrkosten durch Bund und Bahn erst seit zwei Wochen feststeht. Offen war ebenfalls die Frage, wie es mit der aufwendig ausgebauten Umgehung weitergeht. Laut Hessen Mobil bleibt die Behelfs-Bundesstraße weitestgehend.

Sie verliert allerdings zunächst die Anbindung an die Bundesstraße 27 und wird auch von Lispenhausen aus nicht mehr direkt befahrbar sein. Stattdessen ist sie über die Zufahrt durch das Industriegebiet gegenüber des Hilti-Neubaus erreichbar. Die Strecke soll in einigen Jahren erneut zum Einsatz kommen: Ab 2028 sollen auf der B 27 bei Bebra gleich drei Brücken erneuert werden, die Bundesstraße wird dafür voll gesperrt. Der Verkehr soll dann über die nun eingeweihte Brücke und die Umgehungsstraße rollen. (Clemens Herwig)

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