Blankenheimer erhielt Verdienstorden

„Konfrontation ist nicht gut“: Kreislandwirt Horst Taube im Porträt

Kreislandwirt und Familienmensch: Das Foto zeigt Horst Taube mit Sohn und Hofnachfolger Martin und Enkelsohn Toni.
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Kreislandwirt und Familienmensch: Horst Taube mit Sohn und Hofnachfolger Martin und Enkelsohn Toni. Als koordinierendes und repräsentierendes Bindeglied zwischen Berufsstand und Fachbehörden ist Horst Taube gut vernetzt und als unmittelbarer Nachbar der Blankenheimer Klosterkirche hat er natürlich auch einen guten Draht „nach oben“.

Er ist Ehemann, Vater, Großvater, Landwirtschaftsmeister im Unruhestand mit einer großen Zahl von Ehrenämtern wie Kreislandwirt und Hobbypolitiker: Horst Taube im Porträt.

Blankeheim - Natürlich kann man all das, was der kürzlich mit dem Hessischen Verdienstorden am Bande ausgezeichnete 68-jährige Blankenheimer macht, spartanisch kurz zusammenfassen. Aber das wird dem als Sohn des aus dem ostpreußischen Kreis Mohrungen stammenden Walter Taube und dessen Ehefrau Elisabeth geborene Schmidt auf einem Bebraer Bauernhof „mit Arbeit ohne Ende“ aufgewachsenen Mann nicht gerecht. Schon als 23-Jähriger legte er nach dem Besuch von Volks-, Fach- und Heimvolkshochschule die Meisterprüfung ab. Wohl, weil er seit frühester Kindheit in die Arbeit hineingewachsen war und „alles immer mit Liebe“ gemacht hat. Wohl aber auch, weil ihm sein vielfältig engagierter Vater, der „mit nichts gekommen“ war und als Knecht angefangen hatte, mit einem gewissen Ehrgeiz Vorbild war: „Er hat mich mitgezogen. Er war ebenfalls Meister, und das war in den Fünfzigerjahren eine Seltenheit.“

Das Lernen, insbesondere das berufsbezogene Lernen, hat Horst Taube immer Spaß gemacht. Und das Umsetzen. Und da es vor allem den Großeltern nicht schnell genug ging mit der Hofübernahme, ging die schon 1976 über die Bühne.

Zusammen mit Ehefrau Edelgard, die er im gleichen Jahr heiratete, entwickelte er den damals „gerade mal“ rund 30 Hektar großen Betrieb, der 1979 als Ausbildungsbetrieb anerkannt wurde, Jahr für Jahr weiter. 1980 wagte er eine Teilaussiedlung mit Bau einer für hiesige Verhältnisse recht großen Mastanlage für zunächst 400 Schweine – nicht ohne Bürgerprotest. Weitere Meilensteine waren die 1989 im Wege der Verpachtung erfolgte Übernahme der Domäne Blankenheim und die später erfolgte Anpachtung einer großen Hofstelle in Solz. Zeitweise bewirtschaftete Horst Taube – ab 2003 zusammen mit Sohn Martin – rund 460 Hektar Land.

Biogasanlage „schluckt“ täglich 6000 Liter Gülle und sechs Tonnen Mist

Nach Ankauf der Hofstelle der Domäne Blankenheim und einer damit verbundenen Umstrukturierung sind es „nur noch“ rund 320 Hektar Land, auf dem in erheblichem Umfang Mais angebaut wird, der zu einem großen Teil in Taubes 2010 errichteter Biogasanlage „verfüttert“ wird. Die „schluckt“ neben Mais und Gras noch mehr: pro Tag 6000 Liter Gülle und sechs Tonnen Mist. Wenn alles nach Plan läuft, hat sich die gesellschaftlich erwünschte und staatlich geförderte Großinvestition zur Gewinnung erneuerbarer Energien 2030 amortisiert.

Weil nicht nur bei ihm, sondern bei allen Landwirten alles möglichst gut laufen soll, ist es dem 1997 aus der Situation heraus mit nur knapper Mehrheit zum Kreislandwirt Gewählten und dann immer wieder Gewählten seit jeher ein großes Anliegen, auszubilden und Wissen weiterzugeben: „Das liegt mir einfach.“ Und Möglichkeiten zu schaffen, wie man für einen einzelnen Landwirt zu teure Maschinen kauft und gemeinsam nutzt: mithilfe des von ihm 1993 mitbegründeten Bodenverbands etwa. Aber auch dafür zu sorgen, dass Vertreter der Landwirtschaft und des Naturschutzes den Dialog pflegen: „Konfrontation ist nicht gut, lasst uns lieber miteinander reden und nach einer Lösung suchen.“

Taubes politische Heimat ist die CDU. Für sie sitzt er seit 2001 im Kreistag und nach 23 Jahren in der Bebraer Stadtverordnetenversammlung seit 2016 im Magistrat. Mit seiner in vielen Jahren erworbenen Sachkenntnis und einer gehörigen Portion Gremienroutine ist er in der Lage, in die „Bütt“ zu gehen und frei zu reden. Vielleicht nicht ganz so eloquent wie seine Politikvorbilder Franz-Josef Strauß (CSU) und – man staune – Herbert Wehner (SPD), aber doch so gut, dass Bebras Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner über ihn sagt: „Wenn er etwas als ungerecht ansieht, dann wird aus dem friedlichen Riesen ein brodelnder Vulkan.“

Taubes Tipps für junge Landwirte

Horst Taubes Rat an junge Landwirte: „Nicht nur fachsimpeln, sondern über den Tellerrand schauen, damit man weiß, wie die Leute ticken.“ Seine Einstellung zur Öko-Landwirtschaft: „Wenn einer die entsprechende Nische bedienen und damit Geld verdienen kann, dann ist es gut. Ich bin vor allem dafür, dass man dezentral, zu Hause, einkauft.“

Sein ganz allgemeines Motto: „Alles was gemacht wird, muss ordentlich gemacht werden. Ein Tier zum Beispiel bringt nur dann Leistung, wenn es sich wohlfühlt.“ Darum war der 68-Jährige zeit seines Lebens besorgt. Urlaub machte er höchstens acht Tage lang, und dann auch nur so weit weg, dass er in einem halben Tag zu Hause sein konnte. Viel ändern dürfte sich daran in nächster Zeit wohl nichts. (Von Wilfried Apel)

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