350 Völker betroffen

Seuche streckt Bienen nieder: Sperrbezirke in Alheim und Bebra wegen Amerikanischer Faulbrut

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Amtstierarzt Dr. Thomas Berge (links) und Tiergesundheitsaufseher Gerhard Eckstein (rechts) vom Veterinäramt müssen nun alle Bienenvölker innerhalb der betroffenen Zonen überprüfen.

In Bienenstöcken in Alheim und Bebra ist die Amerikanische Faulbrut nachgewiesen worden.

Um ein weiteres Ausbreiten der für den Menschen ungefährlichen Bienenpest zu verhindern, hat das Veterinäramt des Landkreises Sperrbezirke um die Ortsteile Nieder- und Oberellenbach sowie im Stadtgebiet Bebra eingerichtet. Innerhalb dieser Zonen dürfen Imker weder den Standort ihrer Bienenvölker verändern, noch Bienen verkaufen. Betroffen sind insgesamt 350 Bienenvölker in 38 Bienenständen.

„Auf die Seuche aufmerksam geworden sind wir, nachdem bei einem Bienenvolk in Thüringen die Faulbrut nachgewiesen wurde – und der Halter dieses Volk bei einem Imker im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gekauft hatte“, sagt Dr. Thomas Berge, Amtstierarzt und Leiter des Veterinäramtes.

Experten der Behörde untersuchten daraufhin die verdächtigen Bienenstände und wiesen die Seuche tatsächlich nach. Da Bienen laut Berge vom heimischen Bienenstock bis zu drei Kilometer fliegen können, haben die Veterinäre systematisch um die Ausbrüche Sperrbezirke gebildet und alle umliegenden Stände überprüft. 

350 Bienenvölker werden untersucht

„Wir müssen jetzt alle 350 Bienenvölker untersuchen“, sagt der Amtstierarzt, der von öffentlich-bestellten, ehrenamtlichen Bienensachverständigen unterstützt wird. Sie entnehmen bei jedem Volk eine Futterkranzprobe und im Verdachtsfall auch ganze Waben. Als Futterkranz bezeichnen Imker die Honig- und Pollenzellen, die auf den Waben ringförmig das Brutnest umgeben. Die Futterproben bestehen aus Althonig und einem Zuckerwassergemisch.

Stichprobe: Um einen Bienenstock auf Faulbrut zu untersuchen, stechen die Veterinäre mit einem Zahnstocher in eine Brutwabe. Ziehen sie ihn dann heraus und befindet sich zwischen dem Holzstäbchen und der Wabe eine zähe, fadenziehende, schleimige Masse, deutet das auf eine mögliche Faulbrutinfektion hin.

Sie werden ins Landeslabor nach Gießen geschickt und dort mikrobiologisch untersucht. Gut eine Woche später steht fest, ob die Stöcke den Erreger in sich tragen. Werden Sporen des Faulbrutbakteriums nachgewiesen, müssen die Waben verbrannt und die Bienenkästen gereinigt und desinfiziert werden.

Sperrbezirke bleiben mindestens bis zum Frühjahr bestehen

„Die gesunden Bienen versuchen wir natürlich zu retten“, betont Berge. Aufgehoben werden die Sperrbezirke frühestens im Frühjahr 2020, allerdings auch erst dann, wenn das Veterinäramt nach einem zweiten Probendurchlauf im März, der vorgeschrieben ist, grünes Licht gibt.

Muss überprüft werden: Dr. Thomas Berge schickt die Futterprobe ins Landeslabor nach Gießen. Der Befund erfolgt dann etwa eine Woche später.

Berge: „Grundsätzlich empfehle ich jedem Imker, keine Bienenvölker über das Internet zu kaufen, sondern regional bei Imkern, die man auch kennt.“ Wichtig beim Kauf sei eine Gesundheitsbescheinigung für die Bienen. „Fehlt die Bescheinigung, besteht die Gefahr, dass die Faulbrut gleich mitgeliefert wird.“

440 Ausbrüche in ganz Deutschland

Auslöser der Amerikanischen Faulbrut ist ein Bakterium. Gelangen die Sporen des Erregers in einen Bienenstock und werden beim Füttern an die Larven gegeben, stirbt der Bienennachwuchs. Werden die toten Nachkommen, die faulig riechen, nicht von den Arbeiterinnen entfernt, weil die jeweilige Brutzelle schon mit einem Wachsdeckel versehen wurde, entstehen darin Millionen neuer Sporen.

Sie sind äußerst widerstandsfähig und können 30 Jahre und länger überleben. Verbreitet wird der Erreger vor allem durch Räuberei, etwa wenn starke Bienenvölker das Futter aus den Stöcken geschwächter Völker stehlen und so den Erreger in ihren eigenen Stock schleppen. Der Medikamenteneinsatz zur Bekämpfung der Bienenpest ist hierzulande nicht erlaubt. Die Zahl der Ausbrüche schwankt von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Jahr wurden in ganz Deutschland 440 Fälle gemeldet.

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