Fehlender Nachfolger und verändertes Kaufverhalten sind Grund für die Schließung

Backhaus Klee schließt nach 140 Jahren in Bebra

Verkäuferin Isabell Izgin (von links), Bäckermeister Bernd Klee mit einem Backhausbrot und Aushilfe Gabriele Pfaffenbach vor dem Regal mit frisch gebackenem Brot.
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Traurig über das Ende: Verkäuferin Isabell Izgin (von links), Bäckermeister Bernd Klee mit einem Backhausbrot und Aushilfe Gabriele Pfaffenbach.

Eine Ära geht zu Ende. Seit 1880 gibt es das Backhaus Klee in der Nürnberger Straße in Bebra schon. Am morgigen Freitag öffnet es zum letzten Mal seine Tür. Hauptgrund für die Schließung: der Fachkräftemangel im Handwerk.

Ohne einen Nachfolger sieht Bäckermeister Bernd Klee, der gesundheitlich angeschlagen ist, keine Zukunft für das Traditionsbackhaus. „Wir bekommen einfach keine Bewerbungen und wenn, fehlt die Fertigkeit“, sagt Klee. Im vergangenen Jahr seien zwei Gesellen bei ihm in der Lehre gewesen. „Da haben einfach die handwerklichen Anforderungen gefehlt. Das hatte keinen Sinn“, berichtet er. Allgemein würde einfach das Interesse fehlen. „Seit Jahren melden sich noch nicht einmal Interessenten für ein Praktikum.“

Zudem habe sich das Kaufverhalten mit der Zeit gewandelt, was auch für Einbußen sorge, wie der 56-Jährige erklärt. Im Gegensatz zu früher, als die Leute Brot und Brötchen in größeren Mengen kauften, würden heute belegte Brötchen und süße Teilchen in kleineren Mengen verkauft werden. Das läge auch daran, dass die Konkurrenz im Brothandel gewachsen sei. „Brotlaibe und Brötchen kann man heute an jeder Tankstelle und in jedem Supermarkt kaufen“, sagt Klee. Außerdem seien laut seiner Aussage Auflagen wie die Vorlage von Stundennachweisen, die Bonpflicht und der Mindestlohn von Aushilfen ein enormer Zeitfresser und Kostenfaktor, die kleinen Unternehmen das Überleben erschweren.

Seit 2010 führt Bäckermeister Bernd Klee den Traditionsbetrieb. Zuvor arbeitete er 20 Jahre lang in dem Backhaus, das auf Regionalität und Nachhaltigkeit setzt. Seither wird Roggenmehl aus der benachbarten Mühle und Getreide aus der Region verwendet. Gebacken wird ausschließlich nach alten Rezepten, für die man zwar mehr Zeit braucht, die aber den Unterschied ausmachen, wie Klee erklärt. „Zeit spielt keine Rolle, auf das Ergebnis kommt es an“, sagt der erfahrene Bäckermeister.

Auch bei der Energieversorgung wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. „Mit einer Pelletheizung im Keller und einer Solaranlage auf dem Dach.“ Sogar die Brote und Brötchen werden in einer umweltfreundlichen und speziell beschichteten Tüte ausgegeben, in der die Backwaren bis zu einer Woche frisch bleiben.

Doch das alles spiele nun keine Rolle mehr. „Die Maschinen, das Mobiliar und der Fuhrpark sind größtenteils schon verkauft“, sagt Klee, dem man ihm die Traurigkeit deutlich anmerkt.

Auch die Kunden wirken betroffen. Viele kommen, um sich zu verabschieden und kaufen „ihr letztes Backhausbrot“, wie sie sagen. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. „Tschüss und schade, dass ihr aufhört“, sagt eine Kundin, als sie den Laden verlässt. Zwischen 16 und 17 Uhr wird die Tür des Backhauses am morgigen Tag für immer geschlossen.

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