Hoffnung für Partnerstandort

Angebot für Vitesco-Werk Mühlhausen hat Folgen für Bebra

Das Werk von Vitesco in Bebra.
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Die neuen Pläne für das Thüringer Werk der ehemaligen Continental-Tochter Vitesco könnten bei der Standorttransformation in Bebra (Foto) eine Rolle spielen.

Für den Vitesco-Standort in Thüringen werden Alternativen zur geplanten Werkschließung geprüft. Bebra aber würde auch mit diesen Plänen seine verlängerte Werkbank verlieren.

Bebra/Mühlhausen – Es gibt Hoffnung für den Vitesco-Standort in Thüringen: Das Werk gehört zum Verbund Bebra/Mühlhausen und gilt als verlängerte Werkbank der Eisenbahnerstadt. Die ehemalige Continental-Tochter führt derzeit Gespräche mit einem Investor, der die Arbeit in Mühlhausen unabhängig von Vitesco Technologies fortsetzen will. Die Entwicklungen in Thüringen haben auch Auswirkungen auf Bebra.

Alternativen zur geplanten Werkschließung werden „mit externen Parteien“ geprüft, heißt es in einem Statement von Vitesco. Das Aus für den Standort wurde im August um zwei Jahre auf Ende 2024 verschoben, „um den Mitarbeitenden mehr Zeit zu geben, sich auf die Veränderungen einzustellen und neue berufliche Weichen zu stellen“.

Befragung der Mitarbeiter im Januar

Der Investor habe sich auch durch Sondierungen der Gewerkschaft IG Metall ergeben, sagt Vitesco-Betriebsratschef Torsten Buske. Der Erhalt der bestehenden Tarifverträge werde zugesichert und zudem signalisiert, dass ein hohes Interesse am Erhalt jedes Arbeitsplatzes bestehe. Bisher gebe es ein Eckpunktepapier, die Beschäftigten seien vergangene Woche informiert worden. Der nächste Schritt sei eine Mitarbeiterbefragung, die für Anfang Januar geplant ist. „Es gibt eine reale Chance für die Mitarbeiter in Mühlhausen über 2024 hinaus“, so Buske.

Loslösung von Vitesco

Diese Chance wäre allerdings mit einer Loslösung von Vitesco Technologies verbunden – das Unternehmen hatte sich selbst erst im September vom Mutterkonzern Continental abgespalten, aus dessen Antriebssparte Powertrain es hervorgegangen war. Die Pläne für Mühlhausen ändern damit für den Standort Bebra zumindest eines nicht: Die Eisenbahnerstadt verliert ihre verlängerte Werkbank. „Das wird nicht zu verhindern sein“, sagt Torsten Buske, der dennoch über die in Aussicht gestellte Anschlusslösung für die Mitarbeiter „heilfroh“ ist.

Vitesco-Betriebsratschef Torsten Buske: „Reale Chance für die Mitarbeiter in Mühlhausen über 2024 hinaus“

Eine Rolle spielen könnten die Pläne dagegen bei der Standorttransformation in Bebra: Bis 2025 soll die Zahl der Vollzeitstellen dort schrittweise sinken, bis zu einem Minimum von 550 Stellen. Vitesco setze dabei möglichst auf sozial verträgliche Lösungen wie Altersteilzeitverträge, freiwillige Aufhebungsverträge sowie bedarfsorientierte Arbeitszeitabsenkungen. Für den Standort mit gut 800 Beschäftigten wurde ein Sozialtarifvertrag geschlossen: Er ist das Ergebnis zäher und mit harten Bandagen geführter Verhandlungen mit mehreren Warnstreiks. Bisher wurden dabei auch die 150 Mitarbeiter aus Thüringen berücksichtigt – die nun möglicherweise die Option bekommen, an ihrem Standort weiterzuarbeiten.

„Attraktive Lösung für alle Beteiligten“

Vitesco Technologies sehe in der vorgestellten Option „eine gangbare und attraktive Lösung für alle Beteiligten“, heißt es zu den Plänen für Mühlhausen. Weitere Aussagen will das Unternehmen mit Blick auf die ausstehende Mitarbeiterentscheidung noch nicht treffen. Das Werk in Bebra soll konsequent auf Elektromobilität ausgerichtet werden. Derzeit liegt der Anteil an Verbrennertechnologie noch bei 75 Prozent. (Clemens Herwig)

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