Zum Jubiläumsjahr 2019

Im Zweifel "Bebra first": Interview mit Bürgermeister Uwe Hassl

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Ist stolz auf „sein“ Bebra und bereit für eine zweite Amtszeit: Bürgermeister Uwe Hassl am Fenster seines Amtszimmers im Rathaus, von dem aus passenderweise eine Lok zu sehen ist – wenn auch keine echte.

Für Bebra wird 2019 ein Fest: Die Stadt feiert Jubiläum, vor 1250 Jahren wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Heute ist sie die Nummer eins im Kreis - sagt ihr Bürgermeister. 

Wir haben mit Bürgermeister Uwe Hassl über Bebras guten Lauf, interkommunale Zusammenarbeit und eine zweite Amtszeit gesprochen.

Herr Hassl, Sie sind schon als Junge durch die Straßen Bebras gestreift. Was hat sich seitdem geändert?

Es ist wie die Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum stolzen Schwan geworden ist. Bebra war eine große Eisenbahnerstadt, die nach dem Rückgang nie mehr den Anschluss gefunden hat. Die Stadt war um die Jahrtausendwende verwaist – das war der tiefste Schritt, den wir durchlebt haben. Von da an ging es Gott sei Dank wieder bergauf.

„Gestrandet in Bebra“ galt früher als Höchststrafe.

Dem sind wir entwachsen. Hier hat sich alles total verändert. Viele sagen: „Ich erkenne mein Bebra gar nicht mehr wieder“, aber es gibt nicht eine negative Stimme, die sagt, wir hätten Mist gemacht.

Trifft „Eisenbahnerstadt“ heute noch die Kernidentität Bebras?

Die Identität als Eisenbahnerstadt ist da, die kann uns auch keiner nehmen. Wir gehen heute etwas darüber hinaus, versuchen aber, diese Identität zu bewahren, weil sie seit 1840 die Entwicklung Bebras geprägt hat. Alles über Bord werfen geht nicht, was auch die Entscheidung der politischen Gremien zeigt, das Bahnhofsensemble nicht dem Abriss zu opfern.

Bebra ist sehr stolz auf seine Entwicklung. Wer ist die Nummer eins im Kreis?

Wenn man von den Investitionen spricht, was eine Stadt macht und wie sie sich verändert hat, dann dürfte Bebra im Moment die Nummer eins sein. Wir haben einen guten Lauf. Aber wir machen das nicht, um die Besten zu sein. Wir sind ein Landkreis. Und die anderen Städte ziehen nach: Der Kollege in Bad Hersfeld setzt richtig darauf, wenn er den Hessentag heranholt. Auch Rotenburg schließt auf. Ich wünsche jeder Kommune, dass sie eine Idee findet, die zündend ist für die eigene Entwicklung.

Sie sprechen oft von „wir“. Angetreten sind Sie mal als Einzelkämpfer. Gibt es diesen Uwe Hassl noch?

Ich habe auch gesagt, ich sei ein Chamäleon: Ich versuche es so hinzubekommen, wie ich es brauche und wie es geht. Aber am Ende bin ich ein Teamplayer geworden. Zuerst wird im kleinen Kreis gesprochen. Dann brauche ich die Mehrheiten, ich muss die Politik davon überzeugen, dass etwas gut ist. Ich sage nicht mehr: Das ist auf meinem Mist gewachsen. Ich sage: Das ist ein Vorteil für Bebra, bitte liebe Politiker, gebt eure Gedanken dazu.

Also ist aus „durchboxen“ ein „Bitte“ geworden?

Nein, bitten tue ich niemanden. Ich werde nicht dafür bezahlt, anderen nach dem Mund zu reden. Ich lege Fakten auf den Tisch und sage: Wir haben zwei oder drei Alternativen, bitte entscheidet euch für eine.

Stichwort Zubra: Ist Bebra bei der interkommunalen Zusammenarbeit auch ein Teamplayer?

Zubra hat sich über zehn Jahre entwickelt, das Ergebnis war, dass die Mitglieder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind. In Bebra geht es relativ zügig. Rotenburg hatte die Rettungsschirmproblematik und den ganzen Denkmalschutz, entwickelt sich jetzt aber langsam. Die kleineren Kommunen verfügen nicht über das finanzielle Potenzial und die Investoren. Das ist also nicht wie der Stein, den ich ins Wasser werfe und der gleichmäßige Kreise bildet, sondern da sind Spitzen und Bremsen und Hürden. Jeder Bürgermeister hat in erster Linie die Verpflichtung, seine Kommune zu entwickeln. 

Als Bürgermeister von Bebra kann ich mich nicht intensiv für Rotenburg oder Cornberg engagieren. Wir können in Gesprächen über die Möglichkeiten nachdenken, die Region zu fördern. Das ist aber nicht die Hauptaufgabe der Bürgermeister, dafür brauchen wir einen Manager. Und der muss bezahlt werden. Da sehe ich die Felle etwas davonschwimmen. Wir haben uns für einen Wettbewerb beworben und dieser Wettbewerb hat sich nicht weitergetragen. Das Geld ist weg.

Also im Zweifelsfall: Bebra first?

Für „Bebra first“ werde ich bezahlt. Nichts anderes ist verfassungsrechtlich relevant. Ich habe eine ganze Stadt am Haken. Ich kann mich nicht auf diese ganze Zubra-Geschichte konzentrieren. Das muss jemand machen, der für alle gleichmäßig Ansprechpartner ist.

Bebra wird sich ab diesem Jahr um seine kaputten Straßen kümmern – ohne Straßenbeiträge.

Wir haben Prioritätenlisten entwickelt für die alten Straßen, die gemacht werden müssen. Wir wissen in etwa, was es kostet. Ich kann es aber nicht realisieren, wenn ich nicht weiß, wo das Geld herkommen soll. Die Politik ist dem Druck aus der Bevölkerung nachgekommen und hat die Straßenbeiträge abgeschafft. Die Beiträge in der alten Form abzuschaffen, ist vernünftig. Ich hätte mich aber für die wiederkehrenden Straßenbeiträge ausgesprochen. Denn wenn es nichts kosten soll, wird das die Stadt nicht tragen können.

Wie sehr beschäftigt die Jahrfeier das Rathaus?

Ich werbe seit eineinhalb Jahren für das Stadtjubiläum. Für sämtliche Feste ist die Stadtentwicklungsgesellschaft zuständig, die SEB hat sich da vorzüglich drum gekümmert. Meine Idee war, wir machen mit dem Neujahrsempfang den Auftakt für ein ganzes Jahr 1250-Jahrfeier. Aus dem Magistrat kam dann die Maßgabe: Der Lokschuppen und das Inselgebäude sind noch nicht fertig, wir wollen die Auftaktveranstaltung aber im neuen Bahnhof machen. Das Ergebnis ist, dass die Feier ihren Auftakt mit der Kirmes 2019 finden wird und mit der Kirmes 2020 endet. Wir haben also quasi an einem Wochentag Geburtstag, feiern aber am Wochenende.

Drei Viertel Ihrer Amtszeit sind rum. Reicht die Kraft für eine zweite?

Ist es schon soweit? Ich wollte die Antwort eigentlich so lange hinauszögern, bis der Wahltermin offiziell feststeht. Also ich werde keine Wahlpropaganda machen und an Wänden kleben. Ich bin einfach da und stehe zur Verfügung, so habe ich das beim ersten Mal auch gemacht.

Das ist ein Ja?

Ja. Es wäre schön, wenn es Gegenkandidaten geben würde. Es heißt ja Bürgermeisterwahl und das setzt sprachlich schon mindesten zwei Kandidaten voraus.

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