Bebraner und Rotenburger züchten Galloways

Gesellschaft „Heimatliebe“ produziert und verkauft Fleisch naturnah und regional

Rinderzüchter im Nebenerwerb: Die jungen Galloways lassen sich das Brot schmecken, das Jonas Rudolph, rechts, und Jonas Schade mitgebracht haben. Jonas und Jonas sind die GbR „Heimatliebe“.
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Rinderzüchter im Nebenerwerb: Die jungen Galloways lassen sich das Brot schmecken, das Jonas Rudolph, rechts, und Jonas Schade mitgebracht haben. Jonas und Jonas sind die GbR „Heimatliebe“.

Sie sind sparsame Schotten auf der Weide: Die Galloways von Jonas Schade und Jonas Rudolph. Sie könnten noch mehr Weidefläche gebrauchen. Das Geschäft läuft gut.

Bebra – Der gemeinsame Fußball beim ESV Weiterode hat sie schon vor etwa 15 Jahren zu Freunden gemacht, ihre Nähe zum ländlichen Leben, zu Landwirtschaft und der Jagd brachte noch eine neue Nuance in ihre Beziehung: Jonas Schade (39) aus Bebra und Jonas Rudolph (34) aus Lispenhausen sind Geschäftspartner geworden. Sie haben die Gesellschaft „Heimatliebe“ gegründet.

Im Nebenerwerb widmen sich die beiden Männer seit Anfang 2020 der Zucht und Aufzucht von Galloway-Rindern. Die Tiere werden auf Weiden naturnah gehalten. 25 Rinder in zwei kleinen Herden stehen das ganze Jahr über draußen. Die Kälber bleiben bis zu neun Monate bei ihren Müttern. Stier Xabi, der einzige, der einen Namen trägt, begleitet die Mutterkuhherde.

Unkompliziert und weniger gefährlich

Für die Galloways haben sich Jonas Schade und Jonas Rudolph ganz bewusst entschieden: Die Tiere sind robust, fressen als sparsame Schotten praktisch alles, was wächst, und kalben auch unkompliziert. Außerdem handelt es sich um eine hornlose Rasse, was den Umgang mit den puscheligen Tieren weniger gefährlich macht.

Die Tierhaltung geschieht nicht aus einer romantischen Idee heraus, sondern dient praktischen Zwecken: Nach etwa 30 Monaten Lebenszeit wird ein Rind geschlachtet. „Wer Fleisch essen will, muss akzeptieren, dass dafür ein Tier sterben muss“, sagt Jonas Rudolph. „Wichtig ist, welches Leben das Tier führen konnte. Bei uns war es ein gutes.“ Rudolph geht pragmatisch damit um. „Wir sollten weniger, aber gutes Fleisch essen“, findet er, der in seiner Freizeit auch auf die Jagd geht.

Tiere sollen möglichst ganz verwertet werden

Metzger Matthias Schneider von der Gerteröder Landmetzgerei schlachtet die Tiere. In Viertel zerlegt kommen sie dann zu Metzger Lukas Holzhauer in Weiterode zur Weiterverarbeitung. Das Fleisch kann dort in Ruhe reifen, dann werden Pakete gepackt, die „Heimatliebe“ verkauft. Fleisch, Knochen, Wurst oder Burger-Patties finden sich darin und auch mal ein Rezept dazu. Filet und Roastbeef werden als Edelfleisch gesondert verkauft. „Wir wollen möglichst das ganze Tier verwerten“, sagt Jonas Schade. Jetzt haben die beiden Männer erstmals zwei Felle zum Gerben gegeben und wollen testen, ob es auch dafür Käufer gibt.

Nachhaltigkeit ist angesagt

Das Fleisch jedenfalls findet begeisterte Abnehmer. Die Idee, Fleisch naturnah und regional zu produzieren und zu vermarkten, passt nach Einschätzung von Jonas Rudolph in die Zeit. „Die Menschen machen sich einfach mehr Gedanken über Nachhaltigkeit. Wir könnten sogar noch mehr verkaufen.“ Allerdings benötigten sie dann auch mehr Weidefläche und auch Grünland, um Winterfutter, Heu und Silage, zu produzieren. „Wer immer Flächen anbieten kann, sollte sich bei uns melden“, sagt Jonas Schade.

Betreut jugendliche Geflüchtete

Im Hauptberuf ist der Bebraner Sozialpädagoge und betreut in Bad Hersfeld jugendliche Geflüchtete und junge Menschen, die aus ihren Familien herausgenommen werden mussten. Seine Leidenschaft von klein auf gilt der Landwirtschaft: Schon als Kind sei er auf Opas Schoß mit dem Schlepper aufs Feld gefahren.

Er hat den Hof im Nebenerwerb übernommen, als die Großeltern ihn nicht mehr bewirtschaften konnten und lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern dort. Unterstützt von seinem Vater Winfried bewirtschaftet Jonas Schade 35 Hektar Acker. Tierhaltung gab es zwischenzeitlich nicht mehr auf dem Hof Keßler mitten in der Bebraer Innenstadt. „Aber das hat mir ein bisschen gefehlt“, sagt Jonas Schade. Dann entwickelte sich im Gespräch mit Jonas Rudolph die Idee, Galloways zu züchten und zu vermarkten.

Im Controlling bei SMA

Jonas Rudolph arbeitet im Controlling bei SMA und ist CDU-Fraktionsvorsitzender im Rotenburger Stadtparlament. Er ist Jäger und sieht schon von daher auch eine Nähe zu Natur und Landwirtschaft. Gern nimmt er seinen Sohn mit zu den Tieren. Beide Gesellschafter von „Heimatliebe“ haben viel gelernt im Umgang mit den Galloways. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen. „Wir haben ein Gespür für die Tiere bekommen.“

Einfach ein gutes Gefühl

Dass sie sich die Arbeit teilen können und abwechselnd nach den Tieren sehen, erleichtert den Betrieb von „Heimatliebe.“ Und ein Besuch auf der Weide in der Abendsonne oder im Morgentau verschafft ihnen einfach ein gutes Gefühl.

Kontakt: E-Mail: jonas.heimatliebe@gmail.com, Instagram: @_heimatliebe_

(Silke Schäfer-Marg)

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