Jugendliche nutzen gefährliche Abkürzung

Bebra: Marode Fußgängerbrücke sorgt für Ärger

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Leben auf unterschiedlichen Seiten der Gleise und müssen bei Besuchen einen Umweg in Kauf nehmen: Großvater Bernd Conradi mit Enkel Milo und Schwiegertochter Anika Conradi.

Weil eine Fußgängerbrücke defekt ist, müssen Bürger in Bebra lange Umwege in Kauf nehmen. Eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

“Es gibt keinen anderen Ort in der Republik, der so von Gleisanlagen eingepfercht ist “, sagt Hans-Jürgen Ernst. Der Weiteröder ist sauer, seit die Deutsche Bahn im Februar die marode Fußgängerbrücke zwischen Alleestraße und Oststraße und damit eine beliebte Abkürzung über die Schienen in Bebras größtem Stadtteil gesperrt hat (wir berichteten).

Derzeit verhandeln Bahn und Stadt über einen Neubau, es scheint ein zähes Ringen zu sein. Ein Ergebnis gibt es bisher nicht. Für Ernst ist der Fall dagegen klar: „Die Bahn hat der Kommune gegenüber eine Verpflichtung.“

Das Unternehmen soll die Kosten für Abriss und Neubau übernehmen, die Stadt für eine Brückenerweiterung und die nötige Barrierefreiheit zahlen, fordern Ernst und Ortsvorsteher Andreas Nölke. Zudem solle die Bahn dafür sorgen, dass die neue Brücke in einem beschleunigten Verfahren geplant und gebaut wird. Möglichst bis 2023. 

Ortsvorsteher beklagt Ignoranz

„Aber die Ignoranz setzt sich durch“, sagt der Ortsvorsteher, „das wird bei der Bundesbahndirektion in Frankfurt immer wieder unter den Stapel gelegt“. Wenn weiterhin nichts passiert, wollen die Weiteröder den Druck erhöhen und „massiv an die Öffentlichkeit gehen“, so Nölke. „Notfalls schreiben wir den Bahnchef und die hohe Politik an.“

Bereits im Februar hatte der Ortsteil den Aufstand geprobt und mit einer Demonstration auf die Bedeutung der gesperrten Brücke für Weiterode hingewiesen. „Wir haben auf eine schnelle Sanierung und eine Sperrung von höchstens einem Jahr gehofft“, sagt Initiator Ernst. Die Ernüchterung ist nun groß: Eine Reparatur ist vom Tisch und ein Neubau wohl frühestens ab 2023 möglich.

Seit jeher eine beliebte Abkürzung: Unser Archivfoto aus dem Jahr 1940 zeigt eine Gruppe Bebraner aus der Gilfershäuser Straße – Lore Gerlach (links) mit Familie Liebig – auf dem Fußgängerübergang in Weiterode, der als „Kasperbrücke“ bezeichnet wird.

Weiterode liegt in einem Gleisdreieck. Wer zu einem Spaziergang ins Feld, zu einem Besuch ins Wohngebiet Eichbach oder von dort zur Schule oder zum Arzt in den Ortskern will, muss früher oder später die Schienen queren – früher traf auf Bernd Conradi bis Februar zu: Von der Friedestraße über die nahe Fußgängerbrücke bis zur Verwandtschaft in der Oststraße sind es weniger als zehn Minuten Fußweg. 

Elterntaxi ersetzt den Fußweg

Wenn der Weiteröder jetzt Besuch von seinem zehn Monate alten Enkel Milo bekommt, wird der meist mit dem Auto vorgefahren. „Das ist immer auch eine Zeitfrage“, sagt Mutter Anika Conradi. Denn die Alternative zu Fuß ist eine Schleife über die Lange Brücke. 

Mit Kinderwagen und Co. sind sie und Milo mit Hin- und Rückweg gut eine Stunde unterwegs – an der Hauptstraße entlang, „wo auch die Lkw fahren“, betont Ortsvorsteher Andreas Nölke.

Spaziergänger und Gassigeher am Neubaugebiet Eichkoppe zwischen Weiterode und Wasserturm oder Richtung Friedrichshütte gibt es kaum noch, haben die Brücken-Anwohner beobachtet. „Das ist richtig tot geworden“, sagt Rosi Wendel. Auch in ihrem Bekleidungsgeschäft „Jeans Keller“ am Eichbach macht sich die fehlende Laufkundschaft bemerkbar. „Es ist ein großes Stück Lebensqualität, das die Bahn uns wegnimmt“, sagt Hans-Jürgen Ernst.

Die wohl bedenklichste Blüte, die die Brückensperrung treibt: Vor allem Jugendliche laufen zum Abkürzen quer über die Gleise. Die Bahn hatte die Brücke aus Sicherheitsbedenken dicht gemacht.

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