Aus dem Boden gestampft:

Organisation des Drive-In-Festival in Bebra war ein Kraftakt

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Wird im Juni zum Festivalgelände: der Mehr zweckplatz in Bebra zwischen den Straßen Im Bilder und Bei der Laupfütze. Das Foto zeigt den Bühnen-Blick in Richtung Auferstehungskirche und Rathaus. 

Innerhalb kürzester Zeit wurde in Bebra ein elftägiges Festival aus dem Boden gestampft, das Mitte Juni mit dem Autokino-Prinzip Livekonzerte auf den Mehrzweckplatz bringt.

Stress ist er gewohnt, sagt Matthias Bähr – aber in den vergangenen Wochen gab es den auch für den Lokschuppen-Chef in einem ungewohnten Ausmaß.

Trotz des kurzen Vorlaufs kann sich das Programm sehen lassen. Das findet offenbar auch das Publikum: Seit die Festival-Pläne am Mittwoch verkündet worden, stehen die Telefone der Veranstalter nicht mehr still. 200 Autos passen auf den Mehrzweckplatz – bei maximal vier Personen pro Fahrzeug macht das 800 Besucher je Autokonzert. „Die Künstler treten vor einem erlesenen Publikum auf“, sagt Bähr. Besonders gefragt sei der Partyabend mit dem DJ-Duo Gestört aber Geil, aber auch die Bohemian-Rhapsody-Show der Queen-Tributeband Queen King.

Erst Anfang Mai wird die Idee, die Bebras neuer Stadtenwicklungschef Stefan Pruschwitz und Matthias Bähr schon eine Weile mit sich herumtragen, konkreter: Gerade ist der VR-Bankverein als Partner miteingestiegen – der Eventbereich der Genossenschaftsbank hat als Veranstalter des Autokino-Sommers Erfahrung mit der nötigen Technik. Als Bähr zum Telefon greift, um Künstler für das Projekt zu gewinnen, hat er sich eine Vorgabe gemacht: Kein Abend des elftägigen Festivals soll dem anderen gleichen.

Die ersten Reaktionen aus der Branche: hochgezogene Augenbrauen. „Es ist schon Angst vor solchen Veranstaltungen da“, sagt der Lokschuppen-Chef. Die Befürchtung sei, dass der Funke von der Bühne nicht ins Auto überspringt und das Künstler-Image Schaden nimmt. Zwei Wochen lang telefoniert Bähr viele Akkus leer, holt 200 Künstlerangebote ein, bis das Programm und alle Verträge stehen. „Hätte ich am Anfang mehr nachgedacht, hätte ich wahrscheinlich gesagt: Wir lassen das lieber.“ Der Lokschuppen-Geschäftsführer ist froh, dass er sich das Zweifeln gespart hat: Jetzt gebe es in Bebra im Juni von Fulda bis Kassel das interessanteste Programm.

Als erster Künstler sagt Jan Luley zu. Für den Jazz-Pianisten aus Oberhaun ist das „VR-Bankverein Bad Hersfeld Rotenburg Lokschuppen Drive-In Musikfestival“ – so der volle Titel der Veranstaltung – ein wichtiges Signal für die Kultur: „Es ist ein Licht am Ende des Tunnels. Eine Rückkehr zur Normalität wird es erst mal nicht geben. Jetzt ist Kreativität und etwas Risikobereitschaft gefragt.“

Beides ist in Bebra offenbar vorhanden: „Die Technik ist verdammt teuer, wenn sie steht“, erklärt SEB-Chef Stefan Pruschwitz, warum das Festival elf Tage am Stück stattfindet – auch mit Konzerten am Dienstag- und Mittwochabend. Pruschwitz plant bisher mit einem Budget im hohen fünfstelligen Bereich, Gespräche mit Sponsoren laufen noch.

Wenn das Festival gut läuft, sei auch ein Charity-Konzert mit lokalen Künstlern im Winterhalbjahr denkbar. Als nächstes will die SEB mit den Anwohnern am Mehrzweckplatz sprechen. Zwar soll Hupen während der Konzerte nicht erlaubt sein: „Aber wenn der Gaul mal durchgeht...“

Infos und Tickets gibt es im Lokschuppen-Büro, Rathausstraße 7, unter z 0 66 22/9 14 60 30 und unter der E-Mail lokschuppen@bb-entertainia.de und im Internet:musik-festival-bebra.de

Auf eine „echte Weltpremiere“ beim Drive-In-Festival ist man in Bebra besonders stolz: Erstmals werden Comedian Matthias „Matze“ Knop – bekannt als Imitator vieler erfolgreicher Fußballspieler – und Promi-Schwergewicht Reiner „Calli“ Calmund live auf einer Bühne über Fußball fachsimpeln. 

 Reiner Calmund

Den Auftritt haben die Veranstalter mit dem 20. Juni extra auf einen Bundesliga-Spieltag gelegt. „Wir dachten, dann können sie direkt darüber reden. Wir dachten, wir sind schlau“, sagt Matthias Bähr vom Lokschuppen. Was man in Bebra allerdings nicht bedacht hat: Der Ex-Manager von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen ist als Experte auch bei Funk und Fernsehen gefragt. Was die Planung, gelinde gesagt, kompliziert machte. Damit Calmund den Spagat zwischen Medienauftritten und Mehrzweckplatz schafft, wurde Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, der Termin als einziger in der Veranstaltungsreihe auf 21 Uhr verlegt – vor allem aber ein schneller Fahrdienst gesucht. „Am Mittwoch haben wir die letzten Pflöcke eingeschlagen“, sagt der Lokschuppen-Chef. Calmund kann kommen. Na, was für eine Erleichterung.

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