Keine Vertagung der Entscheidung 

Trotz Kostenexplosion: Bebraer Parlament stimmt für Vollausbau des Inselgebäudes

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Kein Stückwerk: Einen Teilausbau ohne den Südkopf des Inselgebäudes lehnt das Parlament ab. 

Das denkmalgeschützte Inselgebäude am Bahnhof Bebra soll vollständig saniert werden – auch, wenn sich die Kosten für die Stadt nahezu verdreifacht haben.

Das haben die Parlamentarier am Donnerstagabend entschieden. Einen Antrag der CDU, im Haupt- und Finanzausschuss erneut über Alternativen zu beraten, lehnte die Mehrheit ab.

Die Baukosten seien „völlig aus dem Ruder gelaufen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Strippel. Seine Fraktion könne der weiteren Sanierung nicht einfach so mehrheitlich zustimmen, Die Planer hätten zwei Alternativen präsentiert, von der eine – der Teilausbau – wirtschaftlich keine Option sei. 

CDU wollte Entscheidung vertagen 

Der Vorschlag der CDU lautete daher, innerhalb einer 14-Tages-Frist mit den Verantwortlichen eine günstigere und „echte Alternative“ zu erarbeiten und erst in der Dezembersitzung abzustimmen. Kann der Keller versiegelt, kann günstigeres Material verbaut werden? Lassen sich die Räume anpassen, um mehr Gewerbefläche und somit Mieteinnahmen zu generieren? Erst wenn darüber geredet worden sei, könne „jeder mit einem guten Gewissen entscheiden“, so Strippel.

Sich „in die Ausschüsse zu flüchten“ sei nicht möglich, sagte Bürgermeister Uwe Hassl (parteilos). „Dann können wir das Projekt an den Nagel hängen.“ Seinen Einwand, eine erneute Beratung sei zeitlich nicht zu schaffen, weil die Ladungsfrist für den Ausschuss bereits am 25. November endet, wollten die Christdemokraten nicht gelten lassen. „Wo ein Wille ist, ist ein Weg“, sagte Friedhelm Claus. Dafür gebe es verkürzte Fristen und zusätzliche Sitzungen: „Auch wir plädieren für den Vollausbau und wollen das Inselgebäude sicher nicht verhindern.“

Vertagung scheiterte an Bebras SPD

Eine „Ehrenrunde“ über die Ausschüsse lehnte die SPD dennoch ab. Die Sanierung des Inselgebäudes sei ungleich aufwendiger und zeitraubender als ein privates Bauvorhaben, so Stefanie Koch. Eine Verzögerung, etwa bei den Ausschreibungen für die Baufirmen, wollten die Sozialdemokraten auch mit Blick auf die Förderfrist, die im kommenden Jahr ausläuft, nicht hinnehmen. 

„Der Teilausbau hieße, auf Fördergeld zu verzichten, und wir hätten immer noch kein saniertes Inselgebäude“, sagte Koch. Auch Stefan Krug (Gemeinsam) erteilte der Teilsanierung eine Absage: „Noch mal anzuhalten ist nicht sinnvoll.“ Das Abstimmungsergebnis für den Vollausbau: 20 Ja-Stimmen bei 11 Enthaltungen.

Die Kosten

Die Planer schätzen die Kosten des Vollausbaus auf etwa 8,9 Millionen Euro – im Mai 2018 wurde noch mit 5,7 Millionen Euro gerechnet. Die Stadt stemmt 2,5 Millionen Euro (bisher: 900.000 Euro). Beim abgelehnten Teilausbau wäre im Südflügel des denkmalgeschützten Baus nur das Nötigste instand gesetzt worden. Die Kostenersparnis der ausgesetzten Sanierung: rund 1,2 Millionen Euro.

Die Baugenehmigung für die Sanierung kam bereits Ende letzten Jahres. Damals wurden auch Fördergelder beantragt. 

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