Fokus auf Kinder und Frauen

Bebra soll bunt bleiben: Integrationskommission nimmt Arbeit auf

Wollen für Teilhabe stehen: Aytan Atalan, Co-Vorsitzende der neuen Integrationskommission, mit von links Bebras Bürgermeister Stefan Knoche und Uli Rathmann vom Fachbereich Generationen.
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Wollen für Teilhabe stehen: Aytan Atalan, Co-Vorsitzende der neuen Integrationskommission, mit von links Bebras Bürgermeister Stefan Knoche und Uli Rathmann vom Fachbereich Generationen.

Nach der Kommunalwahl im März werden in vielen Städten und Gemeinden des Landkreises Integrationskommissionen gegründet – auch in Bebra.

Bebra – In der von Migration geprägten Eisenbahnerstadt wird darauf gehofft, dass das Gremium als Nachfolger des Ausländerbeirates für mehr Teilhabe sorgt. Eine engagierte Co-Vorsitzende ist bereits gefunden: Aytan Atalan (28) hat türkische Wurzeln, lebt seit fünf Jahren in Bebra und leitet das Gremium neben Bürgermeister Stefan Knoche, der durch sein Amt nicht nur im Chefsessel im Rathaus, sondern auch an der Spitze der Kommission Platz nimmt.

„Man hat schon bei der ersten Sitzung den Zusammenhalt gespürt“, sagt Atalan über das Treffen Anfang September. Es sei viel Positives über Bebra gesagt worden. Und Negatives? Ein schlechtes Wort will die 28-Jährige über die Eisenbahnerstadt vorerst nicht verlieren. Sie fühlt sich wohl. Bei weiteren Treffen sollen die 17-köpfige Kommission aber herausarbeiten, wo möglicherweise der Schuh drückt. „Integration ist beinahe überholt, es geht vielmehr um Inklusion“, sagt Uli Rathmann vom Fachbereich Generationen der Stadt. Teilhabe ist also das große Stichwort.

Bebra ist bunt: Es gibt noch zehn Familien von Ur-Bebranern

Bebra ist bunt – das gehört immer mehr zur Identität der Biberstadt. Eine Integrationskommission habe daher einen besonderen Stellenwert, betont Bürgermeister Stefan Knoche. „Es gibt vielleicht noch zehn Familien von Ur-Bebranern“, sagt der Rathauschef, der selbst aus dem Sauerland zugezogen ist. Bebra ist bunt – nur im Stadtparlament sind zwar fünf Parteien vertreten, aber immer noch zu wenige Bebraner mit Migrationshintergrund. Auch deshalb sei es wichtig, dass die Kommission als einziges der beratenden Gremien der Stadt berechtigt ist, mit einem Antrag Themen für das Stadtparlament zu setzen.

„Viele Migranten fühlen sich mittlerweile heimisch und sind stolz, in Bebra zu leben“, sagt Uli Rathmann. Die Stadt habe im Zuge der Krise ab 2015 die meisten Flüchtlinge im Kreis aufgenommen – und hat dennoch das Kunststück fertig gebracht, richtige Reibungen zu vermeiden. Die letzte handfeste Kontroverse liege gut 20 Jahre zurück. Damals stritt Bebra über den Bau der aramäischen Kirche. „Es war ein Stellvertreterkrieg für alles, was schlecht lief“, so Rathmann rückblickend. Heute ist die Lage anders: „Ich kenne zwei Familien aus Nordrhein-Westfalen, die wegen der Kirche nach Bebra gezogen sind“, sagt Aytan Atalan.

Aytan Atalan will den Fokus auf die Förderung von Kindern und Frauen legen

Die 28-Jährige selbst hat „die Liebe nach Bebra verschlagen“. Ihr Freund ist gebürtiger Bebraner, wie sie hat er türkische Wurzeln. Geboren ist Atalan in der 20.000-Einwohner-Gemeinde Senden im Münsterland, sie hat einen deutschen Pass. In Senden war sie in einem Kulturverein engagiert, hat Flüchtlingen bei Behödengängen geholfen. Und dabei festgestellt: „Es gibt zu wenig Kontakte – die können zu wenig Deutsch.“ Das gelte auch für einige Migranten, die bereits 20 Jahre in Deutschland lebten. Auch die will sie erreichen und den Fokus vor allem auf die Förderung von Kindern und Frauen legen. Aytan Atalan will Sprachbarrieren abbauen, durch Schwimmkurse, durch Ausflüge und Nähabende. Gerade über Kinder werde viel in die Familien hereingetragen.

Das wird die 28-Jährige bald selbst feststellen. Sie ist kaufmännische Angestellte in Bad Hersfeld, derzeit aber in Elternzeit für ihre sechs Monate alte Tochter. Ihre Hebamme hat ihr neulich gesagt: „In Bebra traue ich mich noch nachts allein aus dem Haus.“ Das sei nicht in allen Städten im Landkreis so. (Clemens Herwig)

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