Unternehmerin in Solz bangt um Existenz

Thai-Massage in Bebra wegen Corona vor dem Aus

Hat heilende Hände – sagt ihr ehemaliger Chef: Suphichaya Rakwong Gutwein.
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Hat heilende Hände – sagt ihr ehemaliger Chef: Suphichaya Rakwong Gutwein.

Die Infektionszahlen steigen, die Corona-Regeln werden verschärft – für die Thai-Massage von Suphichaya Rakwong Gutwein in Solz ist die Pandemie möglicherweise der Todesstoß.

Solz - Die gebürtige Thailänderin Suphichaya Rakwong Gutwein betreibt in Bebras kleinem Ortsteil Solz eine Thai-Massage. Die verschärften Corona-Regeln machen ihr schwer zu schaffen. Einen großen Teil ihrer Jahreseinnahmen verdient sie mit dem Gutscheinverkauf in der Vorweihnachtszeit. Sie hofft nun auf einen Kompromiss mit dem Gesundheitsamt.

Seit 2016 hat die 67-Jährige mit der traditionellen Thai-Massage in der Rotenburger Poststraße für eine angenehme Auszeit bei ihren Kunden gesorgt. Reich geworden sind weder sie noch ihr damaliger Chef und heutiger Vermieter und Unterstützer Gert Reinmüller – ein Großteil des Verdienstes floss in die Miete der Massageräume. Bereits seit Längerem ist daher ein Umzug in Reinmüllers Haus in Solz geplant, das energetisch saniert wurde.

Voller Hoffnung gestartet

Doch die Corona-Pandemie zieht zu früh einen Strich unter die Rechnung des Duos. Mit dem Lockdown im März bleiben die Einnahmen weg, im Juni gibt Reinmüller sein Kleinunternehmen in Rotenburg auf. In der Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft nutzen die beiden die Zwangspause, um die neuen Räumlichkeiten in Solz zu beziehen. Im August ist alles vorbereitet – und Rakwong Gutwein startet mit Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft als Kleinstunternehmerin die Thai-Massage Lek in der Bebraer Straße in Solz. Aus der Angestellten ist die Chefin geworden.

Das Timing ist maximal unglücklich

Doch das Timing ist maximal unglücklich. Im November ereilt auch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg der Teil-Lockdown – nur dass die Thai-Massage in Solz ganz zubleiben muss. Die Auswirkungen könnten einschneidender nicht sein: Rakwong Gutwein ist auf die Wintermonate angewiesen, vor zwei Jahren verkaufte sich im November und Dezember 63 Gutscheine, im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum 79 Gutscheine – es ist ein Umsatz von bis zu 3200 Euro, auf den sie im Corona-Jahr verzichtet muss.

Hofft auf das Massage-Taxi: Die 67-Jährige hat in ihrem Geburtsland die traditionelle Thai-Massage gelernt. Unser Foto zeigt sie mit ihrem mobilen Massagetisch.

„Die Leute kaufen derzeit keine Massage-Gutscheine – und zwischen den Lockdowns haben sie alte Gutscheine eingelöst“, sagt Gert Reinmüller, der in Rotenburg für die Buchhaltung zuständig war. Als Neugründerin bekomme die 67-Jährige, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt, zudem keine Unterstützung, weil sie keine Geschäftszahlen aus dem Vorjahr vorlegen kann. Gegen die laufenden Kosten von rund 500 Euro stünden derzeit null Einnahmen.

Gutscheine noch in drei Jahren einlösen

Rakwong Gutwein hofft nun darauf, dass sie mit einem mobilen Massagetisch ihr Geschäft „frei Haus“ liefern kann. „Das ist die einzige Chance“, sagt Gert Reinmüller, der die 67-Jährige bei Behördengängen unterstützt. Kontakt zum Gesundheitsamt will er aufnehmen. Und wirbt darum, trotz des andauernden Lockdowns Massage-Gutscheine zu kaufen, die sogar in drei Jahren noch eingelöst werden könnten. „Viele haben derzeit das Bedürfnis nach einer kleinen Auszeit“, ist er sich sicher. (Clemens Herwig)

Gesundheitsamt: Massage bleibt trotz Taxi tabu

Chancen für ein Massage-Taxi sieht das Gesundheitsamt des Landkreises Hersfeld-Rotenburg auf Nachfrage unserer Zeitung nicht: „Laut geltender hessischer Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung sind Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Massagepraxen geschlossen“, heißt es. Ein mobiler Betrieb durch ein Massage-Taxi umgehe diese Verordnung nicht. „Dienstleistungen in Massagepraxen – soweit nicht ärztlich verordnet – sind verboten und werden deshalb auch nicht von uns genehmigt“, so das Gesundheitsamt des Kreises. (cig)

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