"Dringender Handlungsbedarf" bei Gebäuden

Bebraer Feuerwehr-Plan regt Neubauten und Fusionen an

Es fehlen wenige Zentimeter: Die Säulen im Feuerwehrgerätehaus am Mehrzweckplatz lassen nicht ausreichend Platz beim Aus- und Einsteigen, wie Sprecher Florian Bode zeigt. Zwischen Tür und Wand müssen 50 Zentimeter liegen. 
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Es fehlen wenige Zentimeter: Die Säulen im Feuerwehrgerätehaus am Mehrzweckplatz lassen nicht ausreichend Platz beim Aus- und Einsteigen, wie Sprecher Florian Bode zeigt. Zwischen Tür und Wand müssen 50 Zentimeter liegen. 

Handlungsbedarf bei den Feuerwehrhäusern und Lob für die Jugendarbeit: Bebra hat den aktualisierten Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehren  beschlossen.

Der Plan wurde einstimmig angenommen. Der Fahrplan macht deutlich: Für eine weiterhin leistungsfähige Feuerwehr muss Bebra investieren. Die Planung ist Voraussetzung für Fördergeld vom Land Hessen und muss spätestens alle zehn Jahre angepasst werden – aufgestellt wurde sie im Jahr 2011.

Erarbeitet wurde das Konzept von der Firma BSS Oetzel Brandschutzkompetenz aus Hessisch Lichtenau in Abstimmung mit den Bebraer Wehren, der Verwaltung und Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Das Einsatzaufkommen hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. 2019 wurden Bebras Feuerwehren 223 Mal alarmiert. Gestiegen ist vor allem die Zahl der Einsätze zur sogenannten Allgemeinen Hilfe (141) – etwa die Beseitigung von Ölspuren nach Autounfällen.

Im Vergleich mit den Vorjahren gibt es einen leichten Rückgang bei den Aktiven: 2019 besetzten 265 Feuerwehrmänner und -frauen die Einsatzabteilungen in Kernstadt und Ortsteilen. Vor vier Jahren standen noch 276 Brandschützer bereit. Der Personalstand sei allerdings ausreichend, heißt es.

„Dringenden Handlungsbedarf“ gibt es laut Technischem Prüfdienst Hessen bei den Feuerwehrhäusern. Die Prüfung findet alle fünf Jahre statt – in Bebra im Juli 2019. Einiges entspreche nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen. So fehlen an allen Standorten etwa Notaggregate, damit die Feuerwehrhäuser auch bei Stromausfällen funktionieren. Auch bauliche Mängel müssen behoben werden. In Blankenheim, Gilfershausen und der Kernstadt werden mittel- bis langfristig umfangreiche Anbauten oder Neubauten angeregt. Im Haushalt 2020 sind für die Beseitigung kleinerer Mängel bis zu 35 000 Euro reserviert. Stadtrat Karl-Heinz Lückert (CDU) hat bereits eine Diskussion über einen Ersatz für das Feuerwehrhaus am Mehrzweckplatz angeregt und schlägt einen Neubau an der Rathausstraße/Ecke Kerschensteinerstraße vor.

Von den 18 einsatzbereiten Fahrzeugen der Bebraer Wehren haben sieben die Regelnutzungszeit von 25 Jahren erreicht oder stehen kurz davor. Auch hier werden Investitionen nötig.

Damit die Brandschützer im Falle eines Einsatzes schnell und mit ausreichender Stärke vor Ort sind, müssen in Braunhausen, Imshausen, Rautenhausen und Solz Einsatzkräfte aus benachbarten Stadtteilen mitalarmiert werden. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Feuerwehrstaffel innerhalb von zehn Minuten an der Einsatzstelle wirksame Hilfe leistet.

Auch in den Stadtteilen Blankenheim, Iba und Lüdersdorf wird die Alarmierung der Nachbarwehren empfohlen.

Neben der Fusion der Wehren Asmushausen und Rautenhausen zum Löschbezirk Bebra Nord (wir berichteten) seien weitere Zusammenschlüsse zu überlegen – auch mit Blick auf die Personalentwicklung und die sogenannte Tagesalarmsicherheit (also die Einsatzbereitschaft zwischen 6 und 17 Uhr).

. Lob gibt es für die Jugendarbeit in Bebra: Die Kindergruppen zeigen steigende Mitgliederzahlen.

Kommt die Feuerwehrkommission? Laut Bedarfs- und Entwicklungsplan sei ein Hilfsorgan für die Planung bei Feuerwehr-Fragen nur sinnvoll. Stadtrat Karl-Heinz Lückert hat bereits deutlich gemacht, dass der Magistrat ein schlagkräftiges Gremium mit Fachwissen bevorzugt. Auch die Wehren stehen dem Vorschlag offen gegenüber und bieten ihre Unterstützung an. „Die Zusammenarbeit mit der Politik war bisher im Großen und Ganzen gut“, sagt Stadtbrandinspektor Manuel Koch.

Beim Blick auf den Bericht des Technischen Prüfdienstes Hessen wird Laien mulmig: Handlungsbedarf an Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen? Bei allen Standorten der Bebraer Feuerwehr steht – signalrot unterlegt – ein Kreuz im Feld unverzüglich. Unverzüglich bedeute wie auch sonst im deutschen Recht „ohne schuldhaftes Zögern“, erklärt Dirk Oetzel von der Firma BSS Oetzel Brandschutzkompetenz. Teilweise handele es sich allerdings um Maßnahmen mit großen finanziellen Folgen, bei denen die Stadtverordnetenversammlung entscheidet. Diese habe sich durch den Beschluss des Bedarfs- und Entwicklungsplans nun selbst gebunden. „Die Prüfung ist auch eine Momentaufnahme“, sagt Stadtbrandinspektor Manuel Koch. In der Tat sind die Prüfer sehr gründlich: So wird in Asmushausen bemängelt, dass „Geräte mit Heizelementen in betriebsbereitem Zustand auf einer feuerfesten Unterlage stehen müssen“ – gemeint ist eine Kaffeemaschine. Eine standortübergreifende Kritik ist allerdings, dass die Überprüfung der Elektrik, die alle vier Jahre fällig ist, „zwei vollen Prüfzyklen“ im Verzug ist

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