Großer Unmut

Bebraer Parlament: Deutsche Bahn soll Brücke wieder verkehrstüchtig machen

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Die Bahn hat am maroden Fußgängerüberweg in Weiterode kein Interesse mehr. Derzeit ist die Brücke gesperrt, der Abriss droht. 

Die Brücke ist dicht, der Unmut ist groß: Per Dringlichkeitsantrag hat sich das Bebraer Stadtparlament mit der drohenden Sperrung der Fußgängerbrücke in Weiterode beschäftigt. 

Die liegt an den Bahngleisen zwischen den Weiteröder Wohngebieten Bebraer Höhe und Eichbach. Nur: Die Bahn war schneller als das Parlament. Bereits am Dienstag hatte das Unternehmen die marode Brücke aus dem Verkehr gezogen. Die Stadtverordneten wollen das nicht hinnehmen.

Thorsten Strippel verschafft seiner Wut Luft: „Was mich besonders ärgert, ist, dass kein einziger Weiteröder Bürger informiert wurde.“ Die Christdemokraten waren angetreten, um die ursprünglich für Anfang März geplante Sperrung zu verhindern. Stattdessen habe die Bahn sie vor vollendete Tatsachen gestellt. „Das ist kein Umgang“, schimpfte der CDU-Chef.

Bevor sich die Stadtpolitiker einstimmig (zwei Enthaltungen) dafür aussprachen, dass die Stadt alle nötigen Schritte einleiten soll, damit die Bahn die Brücke schnellstmöglich wieder verkehrstüchtig macht, fasste Bürgermeister Uwe Hassl den neuesten Stand zusammen:

  • Die Brücke zwischen Ost- und Alleestraße ist voraussichtlich Baujahr 1927 – könnte aber noch älter sein, weil das Kataster nicht weiter zurückreicht, wie SPD-Fraktionschef Gerhard Schneider-Rose einwandte.
  • Ein Anlagenverantwortlicher überprüfe die Brücke regelmäßig und trage auch bei einem Unfall die Verantwortung. Die Mängelliste: Roststellen, Betonabplatzungen bis auf das Metall, gerostete Nietköpfe. Durch den Bahnverkehr und die Vibration sei die Brücke zudem Bewegungen ausgesetzt.
  • In den kommenden zwei Wochen ist eine Ortsbegehung mit Verantwortlichen der Bahn geplant. Noch sei die Hoffnung auf eine kurzfristige Nachbesserung mit geringem Kostenaufwand da, so Uwe Hassl.

Bahn: Übergang ist nicht sicher

Die Bahn will an ihrem Plan eines ersatzlosen Abrisses festhalten, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung von einem DB-Sprecher. Eine Inspektion der Brücke habe ergeben, dass die Belastung für den Personenverkehr und damit die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sei. Nach erneuter Bewertung der Ergebnisse sei die Sperrung vorgezogen worden. Ob die Bahn sich an den Kosten beteiligt, sollte die Stadt Bebra eine neue Brücke selbst bauen, blieb unbeantwortet.

Ein Rechtsstreit werde durch alle Instanzen gehen, „weil die Bahn nicht nur in Bebra solche Brücken hat und das bis in alle Ewigkeit geklärt haben will“, warnte Bürgermeister Hassl. Das ist den Parlamentariern bewusst: „Wir werden noch eine ganze Weile mit der Bahn kämpfen müssen“, so SPD-Chef Schneider-Rose.

Seine Stellvertreterin Christina Kindler wies auch auf die ökologischen Folgen der Brückensperrung hin: Weil nicht alle Fußgänger den etwa 1,5 Kilometer langen Umweg durch die Sperrung bewältigen könnten, werde mehr Auto gefahren. Ein weiteres Stichwort: das Elterntaxi. Die Brücke werde auch von vielen Schulkindern genutzt.

„Man hätte diese alte Dame vielleicht etwas pfleglicher behandeln müssen“, sagte Thorsten Strippel in Richtung Bahn. Dass die regelmäßig kontrollierte Brücke plötzlich nicht mehr sicher sein soll, will er nicht so recht glauben: „Ich bin letzte Woche unter Lebensgefahr über diese Brücke gegangen, mit meinem dreijährigen Sohn. Und ich bin nicht der Leichteste. Da hat nichts gewackelt“, sagte Strippel mit beißendem Spott.

Anwohner protestieren 

Hans-Jürgen Ernst wohnt auf der Bebraer Höhe, mit etwa acht weiteren Weiterödern hatte er bei der Parlamentssitzung im Zuschauerraum Platz genommen. Auf ihrem Schoss: Schilder, die den Erhalt der Fußgängerbrücke fordern. Da das in Bebras Hohem Haus nicht gern gesehen ist, kamen die DIN A4-Transparente nicht zum Einsatz – benötigt wurden sie ohnehin nicht, weil die Stadtverordneten ganz im Sinne der Weiteröder entschieden.

Will die Abkürzung behalten: der Weiteröder Hans-Jürgen Ernst.

„Die Brücke muss dringend erhalten bleiben, weil das sonst die Lebensqualität extrem mindert“, sagte Ernst im Anschluss an die Sitzung – und verwies dabei auch auf das nahe Neubaugebiet Eichkoppe. Das Kostenargument lässt er nicht gelten: „Überall werden die Milliarden verpulvert“ – in Weiterode werden voraussichtlich rund 350.000 Euro gebraucht. 

So viel könnte ein Neubau kosten

Sollte sich die Brücke in Weiterode nicht kostengünstig reparieren lassen, so Bürgermeister Uwe Hassl, müsste die Stadt Bebra sie wohl selbst abreißen und neu bauen. Oder die Bahn, für die der Überweg entbehrlich ist, dafür bezahlen. Allein für den Abriss rechnet die Bahn mit Kosten von etwa 150.000 Euro. Für das gesamte Projekt, so Hassl, wäre wohl eine Investition von 350.000 Euro nötig.

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