Neues Konzept soll helfen

Der Bebraer Spielpark Biberino bleibt trotz Lockerungen geschlossen

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Auch wenn Maskottchen Bodo eine Schutzmaske trägt , die mehr als 1000 Bälle im Biberino-Bällebad zu desinfizieren ist ein unmöglicher Aufwand. Für unser Foto ist Silke Müller in das Kostüm geschlüpft.

Kein Kinderlachen, kein Herumtoben, kein Geschrei – im Biberino in Bebra ist es seit Mitte März still. Der Corona-Shutdowns hat auch den Indoor-Spielpark am Breitenbacher Weg erwischt.

Kein Kinderlachen, kein Herumtoben, kein Geschrei – im Biberino in Bebra ist es seit Mitte März still. Die Auswirkungen des Corona-Shutdowns haben auch den Indoor-Spielpark am Breitenbacher Weg erwischt. Durch die jüngsten Lockerungen könnten die Türen der 2000-Quadratmeter-Anlage wieder öffnen, doch Betreiberin Kerstin Rüppel hat sich dagegen entschieden: „Spielen mit Mund- und Nasenschutz für Kinder ab sechs Jahren ist weder umsetzbar noch zumutbar“, sagt die 55-Jährige. Stattdessen setzt sie auf ein neues Konzept, damit Maskottchen Bodo nicht mehr allein im Bällebad sitzen muss: das „Biberino to go“.

Rüppel betreibt den Spielpark seit 13 Jahren und bekommt Besuch von Familien aus bis zu 100 Kilometern Entfernung rund um Bebra – vor Corona. „Als die Krise losging, wurden sofort alle Geburtstagsfeiern abgesagt.“ Die zwei Prozent der Eltern, die sich nicht von sich aus meldeten, habe sie dann angerufen. Seit über zwei Monaten hat sie keinen Cent verdient, während Kosten wie die Hallenmiete, für Telefon und Strom weiterlaufen. Hochsaison für Indoor-Spielparks ist der Winter – doch die Einnahmen im Frühjahr helfen, die Flaute an den heißen Sommertagen zu überbrücken. Mitte April hat die Geschäftsführerin die laufenden Arbeitsverträge beeendet, immer vor dem Hintergrund: „Würdet ihr wiederkommen?“, wie sie sagt. Betroffen sind zwölf Minijobber und eine Teilzeitkraft.

„Der Mittelstand wird zu Grunde gerichtet“, sagt Kerstin Rüppel – und schätzt, dass 30 bis 50 Prozent der Betriebe nicht bis zum Jahresende durchhalten. Normalerweise meidet sie privat die sozialen Medien, derzeit ist die 55-Jährige dankbar für Kommentare wie „Hoffentlich gibt es euch im Herbst noch“. Dennoch sei ein Wandel spürbar: „Am Anfang der Krise ging es um den sozialen Zusammenhalt, mittlerweile ist das in soziale Kontrolle umgeschlagen“, sagt Rüppel. Häufig gehe es nur noch um die Frage: „Wen kann ich wofür denunzieren?“

Kerstin Rüppel will das Biberino mit seinen Spielgeräten – hier der Fuhrpark und das Zeichenatelier – zu den Familien bringen.

Seit Mai können Indoor-Spielparks wieder öffnen, doch das Biberino bleibt zu. „Ich möchte mit meinem Spielpark nicht zum Hotspot für Corona in Bebra werden“, sagt Kerstin Rüppel. Es gehe ihr nicht ums Image, betont die Geschäftsführerin, sie könne eine Öffnung moralisch nicht vertreten. Beim Verband der Hallen- und Indoorspielplätze hat sie sich mit ihrer Einstellung nicht nur Freunde gemacht: „Ich will Kindern und Eltern ein Stück Normalität zurückgeben. Jeder spielt für sich? Das ist für mich Idiotie.“ Dabei wäre der Spielpark, in den gut 300 Kinder passen, bei einer Öffnung wohl sofort voll. Aus der privaten Corona-Kinderbetreuung weiß die 55-Jährige, dass bei vielen Familien die Belastungsgrenze erreicht ist.

„Biberino to go klingt besser als Hüpfburgenverleih“, sagt Kerstin Rüppel über die Alternative. Sie will Spielgeräte zum Mieten anbieten – einen Tischkicker, ein Glücksrad, ein Zeichenatelier für Kinder und eben Hüpfburgen können beispielsweise bestellt und abgeholt werden. Nach Absprache werde auch geliefert. Zudem soll es Geburtstagspakete samt Deko und Auftritten von Bodo geben. Derzeit klärt Rüppel die letzten Details – ein Besuch von Bodo wird aber etwa 50 Euro plus Anfahrt, eine gemietete Hüpfburg je nach Größe zwischen 150 Euro (14 Quadratmeter) und 300 Euro (33 Quadratmeter) kosten. Noch in dieser Woche soll die Webseite überarbeitet werden, um das neue Konzept in den Vordergrund zu stellen. biberino.de

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