Dauerausstellung im Bahnhof nimmt Gestalt an

Bebras Eisenbahngeschichte zieht ins Inselgebäude ein

Viel Platz fürs Reisegepäck: Austellungsgestalter Klemens Kühn vor der künftigen Kofferwand, die Einblick in den Alltag der Reisenden am Bahnhof Bebra ermöglichen soll.
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Viel Platz fürs Reisegepäck: Austellungsgestalter Klemens Kühn vor der künftigen Kofferwand, die Einblick in den Alltag der Reisenden am Bahnhof Bebra ermöglichen soll.

Der Bauzaun am Bebraer Bahnhof verdeckt, dass im generalüberholten Inselgebäude fleißig gearbeitet wird. Mit handwerklichem Können, Geschick und Liebe zum Detail nimmt dort die Dauerausstellung zur Bebraer Eisenbahngeschichte Gestalt an.

Bebra - Die Ausstellung soll – wenn alles nach Plan läuft – am 10. September eröffnet werden. Daran haben Anne Schmidt und Klemens Kühn aber keine Zweifel. Die Kuratorin und der Ausstellungsgestalter sind Feuer und Flamme. Auch wenn sich die von Gleis 3 zugängliche, schon seit einiger Zeit in leuchtendem eisenbahnrot gestrichene Haupteingangstür, durch die es in das künftige Foyer und die Touristeninformation geht, noch nicht richtig öffnen lässt.

Klemens Kühn trägt’s mit Fassung. Der gelernte Bühnenbildner verweist darauf, dass vom Foyer aus die beiden Ausstellungsbereiche abzweigen. In dem hinter Gleis 8 liegenden Gebäudeteil hat Christoph Krisch vom Hünfelder Fachbetrieb Witzel eigens ausgesuchte Fliesen verlegt. Nicht einfach so, sondern in einem diagonalen Schachbrettmuster. „Heutzutage wird das nur noch ganz selten gemacht“, sagt Krisch und Ausstellungsgestalter Kühn erklärt: „Alles soll möglichst gut und wie damals aussehen.“

Im früheren Sternensaal tut es das schon jetzt. Unter der neu gestrichenen Decke, die hinter mehreren Zwischendecken aufgetaucht ist, arbeitet Patrick Rehn an der Modellbahnanlage, an der man ablesen kann, wie es im 1907 umfangreich erweiterten Bahnhof zuging. Mit Lokführerkollege Steven Kunz gehört er zu den Ehrenamtlern, die sich beim Bau der Anlagen engagieren.

Ehrenamtler im Einsatz: Steven Kunz gehört zu den bahnbegeisterten Bebranern, die an der Ausstellung mitarbeiten.

Derweil erzählt Kühn, dass es Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf den Bahnsteigen Außentresen gab: „Einen haben wir für unseren Innenbereich nachempfunden, und als Clou werden wir ihn noch mit einem Bierzapfhahn, einem Postkartenständer und einer goldenen Kasse versehen.“ Man merkt dem 57-jährigen Berliner, der jetzt immer öfter nach Bebra kommt, um Feinabstimmungen vorzunehmen, an, dass er sich bewusst in die Position des Publikums versetzt. Dass er versucht, sich das Erleben der Besucher, gerade auch der Kinder und Jugendlichen, auszumalen.

Besonders eindrücklich soll das an sechs Regalen passieren, an denen Eisenbahner und ihre ganz speziellen Aufgabenbereiche vorgestellt werden: ein Lokführer oder ein Wagenmeister etwa, aber auch ein Gepäckträger, allesamt in Lebensgröße und mit berufstypischen Exponaten.

Zu den weiteren Ausstellungsstücken im ehemaligen Restaurant sowie im ehemaligen Cafésaal erster Klasse zählen ein Schnittmodell des Bahnhofs und Koffer, die den Alltag der Reisenden auf dem Bahnhof in den 30er- und 40er-Jahren beleuchten sollen. „Darüber hinaus werden wir an einer großen Wand 160 Koffer zeigen“, sagt Kühn. 60 stammen aus der Privatsammlung des Bebraer Kaufmanns Peter Lingenberg. „Schon allein damit könnte man fast ein eigenes Museum gestalten.“

Ein Glanzstück der Ausstellung soll auch ein vom DB Museum in Nürnberg leihweise zur Verfügung gestelltes und in einer Spezialvitrine präsentiertes 1:10-Lokmodell sein, das sich Bebra zunächst für zehn Jahre sichern konnte. Ausstellungsleiter Klemens Kühn ist stolz darauf, so manches Original präsentieren zu können, darunter auch eines der ersten Funktelefone – „Ein beeindruckendes Gerät“. Und auf das Zeitzeugen-Kino, für das Protagonisten westlich und östlich der Grenze interviewt worden sind, die mit jeweils ganz eigenem Blick Geschichten und „Eisenbahnergarn“ zum Besten geben.

Von Wilfried Apel

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