"Nicht mehr die Partei Willy Brandts"

Parteiaustritt: Bebras Ex-Stadtrat Bernd Holzhauer kehrt der SPD den Rücken

Nach über 30 Jahren bei der SPD erkennt sich Bebras ehemaliger Erster Stadtrat Bernd Holzhauer in der Partei nicht mehr wieder. Öffentlich macht er das ausgerechnet auf Facebook. 

Am Donnerstag zieht Bernd Holzhauer einen Schlussstrich, und er zieht ihn unter das Kapitel SPD. Nach über 30 Jahren Mitgliedschaft sehe er in den Sozialdemokraten nicht mehr die Partei Willy Brandts, der er beigetreten ist, schreibt der 63-Jährige in einem Beitrag auf Facebook.

Er sei immer ein linker Sozialdemokrat gewesen, so Holzhauer, der derzeit Urlaub an der Nordsee macht, gegenüber unserer Zeitung. Damit finde er sich in der SPD nicht mehr wieder. Als Gründe für den Rücktritt nennt er etwa die deutschen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, die GroKo und Parteichefin Nahles. Der Ärger über den Umgang mit der kreiseigenen Ferienanlage in Meeschendorf auf Fehmarn habe „das Fass zum Überlaufen gebracht“ und seine Entscheidung – wenn auch "nur im Promillebereich“ – beeinflusst: „Wir lassen das Verfallen und wollen es dann loswerden“, kritisiert der 63-Jährige.

Holzhauer: Kommunalpolitisch noch nicht am Ende

Zudem sei er als Kandidat für die Landtagswahl im vergangenen Jahr als Querdenker in seiner nunmehr ehemaligen Partei gnadenlos abgestraft worden. Holzhauer will parteiloses Mitglied des Kreistags bleiben. Eine neue politische Heimat hat er noch nicht gefunden.

„Kommunalpolitisch sehe ich mich nicht am Ende“, sagt der 63-Jährige, der für die SPD in Bebra viele Jahre Stadtverordneter, Stadtverordnetenvorsteher und Ausschussvorsitzender war. Die Entscheidung über seinen Austritt aus der SPD habe er bewusst auf Facebook öffentlich gemacht, um „Nägel mit Köpfen zu machen“, sagt Bernd Holzhauer.

Özil-Beleidigung führte zum Rücktritt als Erster Stadtrat

Mit einem anderen Beitrag in dem sozialen Netzwerk hatte er im vergangenen Jahr bundesweit für Empörung gesorgt, als er den damaligen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und dessen Mitspieler Ilkay Gündogan auf seiner privaten Facebook-Seite nach den umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsident Erdogan als „Ziegenficker“ bezeichnete. 

Der Kommunalpolitiker und leidenschaftliche Fußball-Fan sprach von einer Kurzschlussreaktion sowie einem schweren Fehler und entschuldigte sich öffentlich bei den beiden Fußball-Spielern. Dennoch wurde Holzhauer auf Facebook massiv attackiert und trat als Erster Stadtrat von Bebra zurück.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Friedhelm Eyert

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