Wahlsieger will mehr Zusammenarbeit mit Rotenburg

Bebras neuer Bürgermeister Knoche im Interview: „Weiterode ist ein Ansporn“

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Nächster Job Bürgermeister: Wahlsieger Stefan Knoche mit Frau Nina am Wahlabend vor dem Rathaus.

Bebra hat gewählt, neuer Bürgermeister wird der parteilose Stefan Knoche. Wir haben am Tag nach dem Wahlsieg mit dem 47-Jährigen auch über den Gegenwind aus Weiterode gesprochen.

Herr Knoche, der erste Rausch des Wahlsiegs ist verflogen. Sind Sie immer noch zufrieden?

Ja. Gestern war Wahl in Erlensee (Main-Kinzig-Kreis) mit vier Bewerbern. Die Wahlbeteiligung war 42 Prozent. Da relativieren sich vielleicht auch noch mal die 35 Prozent in Bebra. Ich habe mit Blick auf die Vorgeschichte mit einer niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet.

Wie sehr schmerzt das schlechte Abschneiden in Weiterode?

Das schmerzt nicht, das ist für mich ein Ansporn. In meiner jetzigen Position hatte ich sicherlich die Kernstadt als Aufgabe. Künftig spielt auch Weiterode, wie jeder andere Stadtteil, eine wichtige Rolle.

Haben Sie die Weiteröder auf Ihrer Wahlwerbetour vergessen? Oder wie sind die vielen Nein-Stimmen-zu erklären?

Weiterode hat eine starke Dorfgemeinschaft und ist da auch zu recht stolz drauf. Wahrscheinlich ist bei mir nicht genug rübergekommen, dass für mich als Bürgermeister nicht „Kernstadt first“ gilt. Es wurde nicht getrennt zwischen Stefan Knoche als Bürgermeisterkandidat und Stefan Knoche dem Stadtentwickler. Ich habe 2010 in einem Interview mal gesagt: Die Stadtteile kommen in meiner Stellenbeschreibung nicht vor. Das wurde kurz vor der Wahl wieder ausgegraben. Dabei haben wir stellenweise in den Ortsteilen etwas gemacht, im touristischen Bereich zum Beispiel mit den Quincunx-Wanderwegen. Oder die Funkinternetlösungen. Das hat leider nie Weiterode betroffen. In Solz, in Braunhausen ist das Wahlergebnis auch ein ganz anderes.

Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister ist am 1. März. Wie läuft die Nachfolgersuche bei der SEB?

Wir haben in der nächsten Woche eine Aufsichtsratssitzung. Da wird die Strategie für die Stellenausschreibung festgelegt. Wir haben aber sicherlich schon einige Ideen im Kopf, wen und wie wir suchen.

Soll es ein Bebraner machen, oder jemand mit einem frischen Blick?

Da würde ich mich nicht festlegen, beides hat seine Vorteile. Wer hier wohnt und lebt, hat Bebra vielleicht ein Stück weit im Blut und sagt nach fünf Jahren nicht: Ich suche mir was Neues. Im deutschlandweiten Vergleich brauchen wir uns beim Stadtmarketing und der Stadtentwicklung nicht zu verstecken. 

Es gibt ein paar Highlight-Städte, wo jeder hin will, weil dort von außen betrachtet so schön heile Welt ist. Aber gearbeitet werden muss überall, und in Bebra kann man viel gestalten, weil einem viel Vertrauen entgegengebracht wird. Ich glaube, die Branche weiß auch, was wir mit einer kleinen GmbH und den Kollegen vom Bauhof und aus dem Rathaus wuppen.

Im Büro von Amtsinhaber Uwe Hassl hängt ein großes Plakat vom „Boss“ – Bruce Springsteen. Was zieht mit Ihnen ein?

Meine Schalke-Utensilien wahrscheinlich. Da werden aber auch Bilder hängen, die meine Kinder gemalt haben. Und einiges, was ich so in Bebras Abbruchhäusern gesammelt habe, wenn sich dafür ein Platz findet: vom skurrilen Bild bis zum Nachttopf. Vielleicht ist es auch eine Chance, mal etwas auszumisten.

Was wird Ihr erstes großes Projekt als Bürgermeister?

Die Stadtsanierung war lange das Leitbild für Bebra. Diese 15 bis 20 Jahre sind langsam rum. Wir müssen jetzt rausfinden: Wo will Bebra mit seinen Stadtteilen 2030 stehen? Das ist nichts, was ein Bürgermeister diktiert und alle rennen hinterher. Das ist die Frage: Wie sehen sich die Bürger in ein paar Jahren? Dafür müssen wir Menschen mobilisieren. Dafür müssen wir uns mit uns selbst auseinandersetzen. Bebra steht gut da, aber Bebra kann noch mehr. Das müssen wir rauskitzeln. 

Ich habe den Vorteil, dass ich die Kollegen im Rathaus kenne. Was ich mir zum Ziel gesetzt habe in den ersten hundert Tagen: Viele Menschen kennenlernen in Firmen, Vereinen und Schulen, um einfach zu gucken: Wo drückt es bei denen? Die Leute sollen wissen: Wenn es Probleme gibt, bin ich der Ansprechpartner.

Die Konkurrenz zwischen Rotenburg und Bebra ist ein offenes Geheimnis. Wird sich der Ton mit Ihnen ändern?

Ich habe das nie als Konkurrenz gesehen. Es darf Bebra und Rotenburg gut gehen, das ist gut für die Region. Neid und Missgunst sind verschwendete Energie.

Also wird es mehr gemeinsame Projekte geben?

Die gibt es schon: mit der Erlebnisregion Mittleres Fuldatal, mit dem MZV. Beste Beispiele dafür, dass das gut funktioniert. Wir müssen als Region wieder ein bisschen zusammenrücken, nicht nur mit Rotenburg, auch mit Ronshausen und Alheim. Dafür braucht es den politischen Willen von allen Seiten. Unsere Tür steht auf jeden Fall offen.

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