Geld ausgegangen

Begegnungsstätte für Einsame, Alte, Kranke und Arme hat selbst Probleme

Wünschen sich, dass es weitergeht: Peter Krause und Heiko Amend (rechts). Amend hat täglich für teilweise über 40 Leute gekocht. Auch Spenden fehlen, damit die Arbeit fortgesetzt werden kann. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Bebra. Menschen mit wenig Geld, Einsame, Alte oder Obdachlose: Viele sind in die Begegnungsstätte der Herzen in Bebra gekommen.

Doch diese Anlaufstelle ist jetzt geschlossen. Dem Initiatior, Hans-Joachim Kirsch, ist das Geld ausgegangen. Er konnte die Miete für die Räume an der Pfarrstraße nicht mehr aufbringen.

Dort war die Begegnungsstätte zu Hause, nachdem sie die ehemalige Bäckerei an der Gilfershäuser Straße verlassen hatte, um dichter in der Innenstadt zu sein. Über 40 Menschen kamen an manchen Tagen zum Essen, viele auch, um dem Alleinsein zu Hause zu entfliehen. Karl, der Älteste und Stammgast, war 95 Jahre.

Die Schließung habe mehrere Gründe, erzählt Kirsch. So hat er seit einigen Monaten Geld aus eigener Tasche dazugeschossen. Die Miete von 800 Euro sei nicht mehr zu stemmen, Spenden seien zurückgegangen. Täglich gab es Essen, doch einige seien nur gekommen, wenn Fleisch auf den Tellern lag - oder sie hätten trotz höheren Einkommens zu wenig gezahlt. Kirsch und seine Mitarbeiter hatten das Essen für drei Euro abgegeben, an Kinder kostenlos. Wem über 1060 Euro im Monat zur Verfügung steht, der sollte 4,50 Euro für frisch gekochtes Kasseler mit Sauerkraut, Linsensuppe oder Hähnchenbrust mit Reis und Gemüse zahlen - einschließlich Getränk. An Suppentagen kamen nur noch wenige, die Mischkalkulation ging nicht mehr auf.

Selbst draufgelegt

„Ich habe nur noch draufgelegt“, sagt Kirsch, möchte aber dennoch weitermachen. Er sucht jetzt neue bezahlbare Räume in Bebra. Eine ordentliche Bleibe mit Küche. Mehr als 500 Euro inklusive kann er jedoch nicht aufbringen. Auch ehrliche Mitstreiter wie den Koch Heiko Amend und Peter Krause braucht er, um seine Arbeit fortführen zu können. Den beiden wie vielen anderen fehlt die Begegnungsstätte, der geregelte Vormittag, der Kontakt. „Manche Alten kommen gar nicht raus“, sagen sie.

Die Begegnungsstätte ist geschlossen - vorerst. Doch unvermindert setzt Kirsch die weitere Arbeit fort und kümmert sich beispielsweise um Menschen, die im Krankenhaus liegen, in der Psychiatrie sind, Hilfe beim Einkaufen brauchen.

Die Fahrtkosten bezahlt Kirsch, der als Fahrer arbeitet, aus eigener Tasche. Der 59-Jährige, der auch Prediger ist, versteht sich als Christ. Und als solcher müsse man sich um Menschen kümmern, denen es schlecht geht, sagt er. Zu ihm kommen sie, wenn der Kittel brennt, sagen andere.

Kontakt: Telefon 0152/29093800. Wer die Arbeit mit Spenden unterstützen möchte, kann dies tun an den Verein Perspektive e.V., Vermerk „Begegnungsstätte“, IBAN: 51 5325 0000 0000 0532 22, BIC HELADEFIHER bei der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg.

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