Wenn der Altkanzler aus dem Himmel anruft...

Bernd Giesekings Grauen vor Gauland: Satirischer Jahresrückblick in Bebra

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„Ab dafür“: Kabarettist Bernd Gieseking warf in Bebra erneut einen heiteren Blick aufs vergangenen Jahr. 

Bebra. Der Jahresrückblick von Bernd Gieseking endet versöhnlich. In der Zugabe ruft Helmut Schmidt aus dem Himmel an - vorher schaute der Kabarettist scharf auf das Jahr 2016.

Es wird schon nicht so schlimm kommen, auch wenn das vergangene Jahr problematisch war. Mit Schalk im Nacken und geschärftem Blick für das Absurde schaute der Kabarettist im alten Bebraer Rathaus auf das zurückliegende Jahr - und ein wenig in die Zukunft.

Die verstorbenen Musiker wie Prince oder Roger Cicero, die Bundeskanzlerin und natürlich der neue amerikanische Präsident - sie alle geistern erwartungsgemäß durch das Programm. Ganz ohne Ironie bezieht Gieseking klar Stellung zu politischen Themen, etwa zu Pegida und zur AfD. Doch dann, Gieseking kann nicht anders, bricht der Schelm aus ihm heraus: Der künftige deutsche Bundespräsident hat nur eine Niere? Kein Problem. In den USA könne man sogar ohne Gehirn Präsident werden.

Chance für die FDP

Echtes Grauen bereitet es Gieseking, dass der AfD-Politiker Gauland als sogenannter Alterspräsident die konstituierende Sitzung des nächsten Bundestages leiten könnte. Deshalb verspricht der Kabarettist: Er wählt im Herbst die Partei mit dem ältesten Kandidaten, egal, von welcher Partei. Jetzt habe sogar die FDP die Chance auf seine Stimme.

Am lustigsten ist Gieseking, wenn er die Absurdität auf die Spitze treibt. Das mit dem unterirdischen Bahnhof in Stuttgart, behauptet er, sei eigentlich gar kein Problem. Er sei schon lange da, der Bahnhof, und man werde ihn schon finden, wenn man nur tief genug buddele.

Gern betrogen

Zu Petra Hinz, die mit gefälschtem Lebenslauf politische Karriere machte, fällt ihm ein, dass ein Schulfreund sie aus Kindertagen kennt: Schon im Blockflötenunterricht gab sie an, eigentlich bereits fertige Konzertpianistin zu sein.

Was gab es noch im Jahr 2016? Das fehlerhafte, sich erhitzende Smartphone von Samsung („teuerster Grillanzünder der Welt“) und den Dauerbrenner Deutsche Bahn. Bei der Erfindung der Eisenbahn hätten Ärzte gewarnt, vom schnellen Fahren bekäme man Tobsucht. Gieseking: „Heute bekommt man Tobsucht, weil die Bahn nicht fährt.“

Kommt wieder

Das Publikum am ausverkauften Veranstaltungsort zeigte sich begeistert und fühlte sich im lauschigen Obergeschoss des alten Rathauses genauso wohl wie der Künstler, der Stammgast in Bebra ist und als gelernter Zimmermann versprach, beim nächsten Mal einen Keil unter die leicht schiefe Bühne zu schlagen - und, dass er gerne wiederkomme, wenn der Kulturzug ihn einlädt.

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