70 Jahre Bezirksverein

Schauspielerin Andrea C. Ortolano zeigt Märchenstunde für Landfrauen in Bebra

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Energiegeladen: Andrea C. Ortolano erweckte mit Charme in der Stimme, Spannung auf den Lippen und einem stets humorvollen Unterton die Brüder Grimm und ihre Märchenfiguren zum Leben. Foto: Susanne Kanngieser

Märchenhaftes zum Vereinsgeburtstag: Der Bezirkslandfrauenverein Rotenburg feiert 70-jähriges Bestehen mit der Schauspielerin Andrea C. Ortolano im Einkaufszentrum in Bebra.

Für sie ist Aschenputtel die „Tragödie einer Patchworkfamilie“. Und Dornröschen eine „Hammergeschichte mit ganz starken Bildern“. Andrea C. Ortolano, geniale Erzählerin und temperamentvolle Schauspielerin aus Kassel, begeisterte am Donnerstagabend etwa 180 Frauen im Foyer des Bebraer Einkaufszentrums be!.

Das märchenhafte Programm mit aktueller Note präsentierte der Bezirkslandfrauenverein Rotenburg gemeinsam mit der Stadt Bebra. Es war auch der Auftakt zu den zahlreichen anderen Veranstaltungen, mit denen die Landfrauen des Bezirks Rotenburg in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiern.

Im blauen Reifenrock und weißer Bluse mit Flatterärmeln plauderte die Kasseläner Grimm-Expertin und Märchenerzählerin vom Leben der „geistigen Überflieger-Brüder“. Mit Charme in der Stimme, Spannung auf den Lippen und stets einem humorvollen Unterton erweckte sie die realen Grimm-Figuren und deren Fabelwesen zum Leben.

Gebannt und konzentriert folgte das Publikum diesem quirligen Erzählstil aus Märchensprache, witzigen Deutungen und eindringlicher Mimik. Die Künstlerin räumte auch mit einigen Klischees auf. Dass Märchen grausam seien und Kinderseelen schaden könnten, hält sie im Zeitalter von Computerspielen mit Gewaltcharakter für überholt. „Im Märchen wird gehalten, was versprochen wird“, sagte sie, „und am Ende wird meistens sowieso alles gut“. Die Lokalisierung der Märchen auf bestimmte Regionen sei außerdem fragwürdig und ohnehin nur für die Tourismus-Branche bedeutsam. Ist Rotkäppchen wegen des roten Käppchens in der Schwalm entstanden? Ortolano hatte da ihre Zweifel. Denn: „Märchen sind überall möglich“.

Zwei Quotenmänner holte sich die Märchenerzählerin auf die Bühne: Bebras Bürgermeister Uwe Hassl und Stefan Knoche von der Stadtentwicklung. „Uwe-Schatzi“ Hassl hechelte sehr glaubwürdig bei den Wehen von Rapunzels Mutter, „köpfte“ Feldsalat, lief durch dunkle Fichtenwälder und sprang über imaginäre Mauern. Und während der junge, gut aussehende Königssohn Uwe– „es ist ja nur ein Märchen“, beschwichtigte Ortolano – die Prinzessin nach Hause holte, summte das Publikum leise die Melodie der TV-Serie „Bonanza“. Stefan Knoche machte als Katze mit sehr unterschiedlichen Miau-Tonvariationen im Märchen von „Katze und Maus in Gesellschaft“ ebenfalls eine sehr gute Figur. In der Geschichte der „Gänsehirtin am Brunnen“ durfte er dann noch einmal der Johann sein. Das Publikum unterstützte ihn mit einem lautem „Wullewulle“.

Ortolanos farbiges und energievolles Erzählen kam in Bebra bestens an und wurde nach über zwei Stunden – standesgemäß wie bei Königs – mit viel Applaus und stehenden Ovationen belohnt.

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