24-Jähriger mit negativer Sozialprognose

Gemeinschaftliche schwere Körperverletzung: Bewährungsstrafe für Bebraner

Bebra/Bad Hersfeld. Ein 24-Jähriger aus Bebra ist am Montag wegen gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Das Urteil wurde nach fast einstündiger Beratung der Schöffen und Richterin Michaela Kilian-Bock bekannt gegeben. Es ist noch nicht rechtskräftig.

Dem jungen Bebraner war vorgeworfen worden, gemeinsam mit Freunden beim Rotenburger Strandfest 2012 im Bereich Schlosstor einen jungen Mann aus Weiterode niedergeschlagen und den dann Bewusstlosen mit Fußtritten traktiert und schwer verletzt zu haben. Das Opfer war damals seinem Freund zur Hilfe geeilt, der von der Gruppe zuvor aus einer Gaststätte gelockt und dann massiv bedroht worden war. Vorausgegangen war eine verbale Auseinandersetzung in der Kneipe.

Der Fall war bereits im Februar dieses Jahre verhandelt worden, damals fehlten jedoch wichtige Zeugen und Akten. Nur für einzelne Mittäter konnte ein Urteil gefällt werden. Bei diesem Verhandlungstermin hatte der Angeklagte die Tat noch geleugnet. Am Montag gestand er sie jedoch ein, was ihm positiv ausgelegt wurde. Bei den beiden Opfern, die als Zeugen geladen waren, entschuldigte sich der Angeklagte in der Verhandlung.

Was die Urteilsfindung zu einer „schweren Geburt“ (Richterin Kilian-Bock) machte, waren die negative Sozialprognose - auch durch den Bewährungshelfer - sowie die zahlreichen Auffälligkeiten des Angeklagten innerhalb der vergangenen acht Jahre. Er war bereits wegen Betrugs und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Die Polizei erwischte ihn mehrfach beim Autofahren unter Drogeneinfluss, dabei hat er nicht einmal einen Führerschein. Auch wegen Unfallflucht wird gegen ihn ermittelt. Zur Sprache kamen außerdem seine Probleme mit Alkohol und Spielsucht.

Der Bewährungshelfer berichtet zudem, dass der Angeklagte sich nicht nachweisbar um Arbeit bemühe und ein Antiaggressionstraining nicht besucht habe. Außerdem sei er nicht krankenversichert und kümmere sich auch nicht um eine Versicherung.

Aus rein juristischen Gründen gab es noch einmal ein Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen. So muss er unter anderem dem damals schwer Verletzten 600 Euro Entschädigung zahlen, und ein Antiaggressionstraining absovieren. Verstößt er gegen die Auflagen, „fährt er ein“, wie die Richterin erklärte. Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken hatte ein Jahr Haft ohne Bewährung gefordert. Da der Angeklagte zuvor nur zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden war und anschließend keine Straftat mehr verübt hatte, sah sich die Richterin zu dem milden Urteil gezwungen. Aber sie warnte: „Sie stehen unter meiner Aufsicht“.

Von Silke Schäfer-Marg

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