Bode-Gelände

Bauantrag fürs Großprojekt: Bis zu 65 neue Wohnungen in der Bebraer Innenstadt geplant

Das Bode-Gelände kommt seit 2006 bei der Stadtsanierung vor, gehört der Stadt aber erst seit 2017 ganz. Unser Foto zeigt von links Bauamtsleiter Patrick Schuster, Bürgermeister Stefan Knoche sowie Heiko Schaar und Bauleiter Frank Schneider von Isi Home.
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Das Bode-Gelände kommt seit 2006 bei der Stadtsanierung vor, gehört der Stadt aber erst seit 2017 ganz. Unser Foto zeigt von links Bauamtsleiter Patrick Schuster, Bürgermeister Stefan Knoche sowie Heiko Schaar und Bauleiter Frank Schneider von Isi Home.

Nach viel Planungsarbeit im Hintergrund nimmt in Bebra eines der größten Wohnungsbauprojekte im Landkreis nun auch öffentlichkeitswirksam Fahrt auf.

Bebra – Auf dem bislang brach liegenden Bode-Gelände in der Innenstadt sollen vier Häuser mit insgesamt bis zu 65 Wohnungen entstehen (wir berichteten). Projektentwickler Isi Home will noch dieses Jahr den Bauantrag stellen, die ersten Bagger für den Abriss des Bestands sollen voraussichtlich im Frühjahr 2022 rollen.

Ende Oktober haben die Stadt und die ortsansässige Unternehmensgruppe einen städtebaulichen Vertrag für das 4500-Quadratmeter-Gelände geschlossen, das etwa 400 Meter entfernt von der Neuen Mitte um das Bebraer Einkaufszentrum zwischen Nürnberger Straße und Bahnhofsstraße liegt. Festgelegt wird unter anderem ein Projektabschluss bis 2027.

Heiko Schaar, geschäftsführender Gesellschafter von Isi Home, will schneller fertig sein: Die ersten beiden Gebäude sollen parallel gebaut werden und bereits in der ersten Jahreshälfte 2023 stehen. Geplant sind drei beziehungsweise vier Geschosse mit jeweils einem aufgesetzten Dachgeschoss mit maximal 70 Prozent der Fläche des darunterliegenden Stockwerks. Gestartet wird beim Bau am Röse-Kreisel von der Nürnberger Straße aus. Folgen sollen dann ein fünf- oder sechsgeschossiges Bauwerk in Richtung Bahnhof und ein viergeschossiges Gebäude am Kreisel – ebenfalls jeweils mit Dachgeschoss.

Geplant sind Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen mit 45 bis 106 Quadratmetern. Zudem sollen in die Gebäude Gewerbeeinheiten einziehen, etwa im Erdgeschoss und im ersten Stock an der Nürnberger Straße. Das Großprojekt treffe mit dieser Verbindung von Wohnen und Gewerbe „die Ziele der Stadtentwicklung und schafft Wohnraum“, sagt Bebras Bürgermeister Stefan Knoche. Bauamtsleiter Patrick Schuster betont, dass es nun eine Lösung für ein riesiges Gelände in der Innenstadt gebe, das bisher „fehlgenutzt“ worden sei.

Es gab konkurrierende Angebote 

Bereits im April 2019 hat Bebras Stadtparlament den Weg für den Hausbau auf dem Bode-Gelände freigemacht. Zuvor hatte es konkurrierende Angebote für die Entwicklung des Areals gegeben. Die Firma Saglam Bau aus Schaafheim bei Darmstadt – die ebenfalls vier Gebäude samt Tiefgarage bauen wollte – trug die Preisvorstellungen der Stadt nicht mit. Auch das Modeunternehmen Passerella, das sich das Gelände mit Isi Home teilen und unter anderem Buroräume und ein Outletcenter errichten wollte, zog sich zurück.

Laut Isi-Home-Chef Heiko Schaar liegt das Projektvolumen bei rund zwölf Millionen Euro. Die Unternehmensgruppe stemmt die Kosten nicht allein, sondern verhandelt mit Investoren, für die dann der komplette Service von der Vermietung bis zur Hausverwaltung übernommen werden soll. Auch Eigentumswohnungen sind geplant.

Noch in diesem Jahr will Projektentwickler Isi Home den Abriss auf dem Bode-Gelände am Röse-Kreisel in Bebra per Ausschreibung auf den Weg bringen und einen Bauantrag für die ersten drei Häuser stellen. Gestartet werden soll dann im Frühjahr. Vorausgegangen war eine rund zweieinhalbjährige Planungsphase mit „diversen Schwierigkeiten“, so Unternehmenschef Heiko Schaar.

Seit dem Bau der Südspange am Bahnhof gilt auch das Bode-Gelände als sogenanntes Mischgebiet. Weil der Anteil der Wohnungsnutzung mit den Plänen die 50-Prozent-Marke übersteigt, musste die Bauleitplanung angepasst werden. Das hat gut ein Jahr in Anspruch genommen – „das ist noch schnell“, sind sich Bauamtsleiter Patrick Schuster und Heiko Schaar einig. Dennoch ist der Verwaltungsakt einer der großen Zeitfresser des Projekts, für das Isi Home im Juni 2019 noch einen Projektabschluss in 2021 ins Auge gefasst hatte.

Im ersten alleinigen Entwurf des Unternehmens waren die Gebäude zudem noch jeweils ein Stockwerk niedriger. Das Projekt erreicht nun ähnliche Ausmaße wie der Vorschlag des einstigen Konkurrenten Saglam Bau, den einige Parlamentarier als „zu wuchtig“ kritisiert hatten. Ihre Zustimmung für die Anpassung des Bebauungsplans gab die Politik dennoch.

Ebenfalls als Herausforderung erwiesen sich die Corona-Pandemie und die Vorgeschichte des Geländes, das früher im Besitz des Öl- und Transportunternehmens Bode war und dieser Zeit auch seinen Namen verdankt. Obwohl das Grundstück 2007 teilsaniert wurde, hatte das Regierungspräsidium Kassel (RP) drei Jahre später noch lokale Belastungen festgestellt, die mit einer Betonplatte versiegelt worden waren. Die Altlasten mussten untersucht und ein aufwendiges Sanierungskonzept vom RP genehmigt werden. Die Kosten trägt die Stadt, kann dabei aber auf eine Förderung von 80 Prozent zurückgreifen, weil das Gelände Teil der Stadtsanierung ist. Auch am Abriss des Bestands ist die Stadt mit 220.000 Euro bei gleichem Zuschuss beteiligt.

Wann der Bauantrag für das vierte Gebäude gestellt wird, ist auch von der Nachfrage abhängig. Mit den ersten drei Häusern entstünden „viele Wohnungen, die der Markt erst einmal aufnehmen muss“, sagt Heiko Schaar. Allerdings habe es die „letzte große Rutsche beim Wohnungsbau in Bebra“ in den 90er-Jahren gegeben, es gebe Nachholbedarf: „Vor allem kleine Wohnungen sind sehr gefragt“. Denkbar seien in dem Gebäude, das nah der der Bahnhofstraße liegt, auch Mikroappartements oder Gewerbeeinheiten.

Wegen der Corona-Pandemie werde weiterhin vorsichtiger als üblich geplant. „Sonst bauen wir vergleichbare Häuser in fünf bis sieben Monaten“, sagt der Isi-Home-Chef. Er ist zuversichtlich, so den Zeitplan einhalten zu können. Prolematisch seien vor allem elektronische Komponenten, etwa für den Brandschutz. (Clemens Herwig)

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