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Reifen platt, Maschinen weg: Breitenbacher Gartenfreunde sind Opfer von Diebstahl und Sachbeschädigung

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Von: Clemens Herwig

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Haben die zerstochenen Reifen noch nicht ersetzt: Vereinsvorsitzender Norbert Richardt (links) und Kassierer Wolfgang Sass vom Verein für Heimat- und Gartenfreunde Breitenbach mit den beschädigten Geräten.
Haben die zerstochenen Reifen noch nicht ersetzt: Vereinsvorsitzender Norbert Richardt (links) und Kassierer Wolfgang Sass vom Verein für Heimat- und Gartenfreunde Breitenbach mit den beschädigten Geräten. © Clemens Herwig

Die Ehrenamtlichen aus dem Bebraer Stadtteil beklagen mysteriöse Vorfälle in der Garage des Vereinsheims.

Breitenbach – Spätestens beim zweiten Vorfall ist sich Kassierer Wolfgang Sass sicher, dass es jemand gezielt auf seinen Verein abgesehen hat: Anfang August finden die Heimat- und Gartenfreunde aus Bebra-Breitenbach in der Garage ihres Vereinsheims an der Weserstraße statt acht praller Reifen nur noch schlappe Platten an ihren Arbeitsgeräten vor. Irgendjemand, so erklären es sich die Ehrenamtler, ist dem Gummi offenbar mit einem Stahlbohrer zu Leibe gerückt. Und erneut sind die Umstände des Übergriffs auf den Vereinsbesitz etwas rätselhaft.

Denn bereits in Frühjahr ist der Obst- und Gartenbauverein Opfer eines Diebstahls geworden: Ein Rasenmäher, zwei Motorsensen, eine Heckenschere und eine Motorsäge sind aus dem Garagennebenraum verschwunden. „Und das kann man doch nicht einfach zum Tor raustragen“, empört sich Sass über den Vorfall, den keiner bemerkt haben will. Das Auffällige: Einbruchsspuren gibt es damals – wie auch bei der Sachbeschädigung im August, als die Reifen eines Schleppers samt Hänger und eines Mähers zerstochen werden – nicht. Der Verein beteuert, dass die Garage stets abgeschlossen werde und nur wenige Schlüssel im Umlauf seien.

Wie also sind die Täter in die Garage gelangt? „Es kann nur jemand sein, der Zugang hat“, sagt Wolfgang Sass. Störfeuer aus den eigenen Reihen schließen die Gartenfreunde aus: „Solche Leute haben wir nicht im Verein.“ Die Ehrenamtler haben zwar einen Verdacht – beweisen können sie ihn aber nicht.

Das geht offenbar auch der Polizei so: Die Ergebnisse der Ermittlungen zum Diebstahl wurden bereits an die Staatsanwaltschaft Fulda übermittelt, die das Verfahren gegen Unbekannt mangels Tatverdächtiger eingestellt hat. Sollten sich neue Hinweise ergeben, könnten die Ermittlungen wieder aufgenommen werden, sagt Sprecherin und Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban. Bei der Sachbeschädigung werde noch in „alle Richtungen“ ermittelt, teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Osthessen in Fulda mit. „Hinsichtlich der Täterschaft und des Tatmotivs liegen der Polizei derzeit keine Erkenntnisse vor“, heißt es auf die Frage, ob die Ermittlungen darauf schließen lassen, dass dem Verein gezielt geschadet werden soll oder blinde Zerstörungswut nicht ausgeschlossen ist.

Beim Obst- und Gartenbauverein schwindet derweil die Zuversicht, dass sich daran etwas ändert. Die Verantwortlichen haben sich daher an die Zeitung gewandt, um eine einfache Bitte an die Täter loszuwerden: Hört auf. „Wie kann man einem Verein schaden wollen, der für die Allgemeinheit im Einsatz ist?“, fragt Wolfgang Sass verständnislos. Die Breitenbacher Heimat- und Gartenfreunde pflegen 30 Bänke, mähen die Wegesränder, helfen älteren Breitenbachern beim Baumschnitt. Kurz: „Wir machen das, was der Bauhof nicht schafft“.

Die Vorfälle tun auch finanziell weh: Ohne Reifen sind die Geräte nutzlos, der Ersatz werde gut 500 Euro kosten, sagt der Vorsitzende Norbert Richardt. Bei dem Diebstahl im Frühjahr haben die Ehrenamtler Werkzeug im Wert von 2300 Euro eingebüßt. „Die 10 Euro Mitgliedsbeitrag gehen doch schon fast für Ehrungen drauf“, erklärt Kassierer Sass das Problem.

Der 1954 gegründete Verein hat 180 Mitglieder (Altersschnitt: etwa 70 Jahre). Seit den 90-ern ist der Sitz in der ehemaligen Wäscherei an der Weserstraße, in den Umbau sind damals viele Arbeitsstunden geflossen. Bis zum Jahreswechsel gehörte das Gebäude der Stadt Bebra, nun ist es in Privatbesitz. Was sich durch den Wechsel nicht ändert: Bis August 2025 können die Gartenfreunde dort mietfrei wohnen. Dann hat der Verein ein neues Zuhause an der geplanten Kulturstätte in Aussicht. Aufstecken wollen die Ehrenamtler trotz der Rückschläge nicht – und hoffen auf Spenden. „Für uns gilt: Jetzt erst recht.“

Von Clemens Herwig

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