Viele Ideen, um der Isolation vorzubeugen

Briefe und Computer gegen die Einsamkeit in Seniorenheimen

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Brieffreunde gefunden: Emily-Josephine Giese (Mitte) und ihre Schwester Emilia (rechts) haben wie zahlreiche andere Schüler der Brüder-Grimm-Gesamtschule mit ihren „Briefen gegen die Einsamkeit“ Freude ins AWO-Altenzentrum gebracht. Über die Freundschaften, die entstanden sind, freute sich auch Mutter Michaela (links). Sie hat spontan zugesagt, mit ihrer Tanzgruppe Dance´n´ Fun beim nächsten Fest, das im Altenzentrum irgendwann wieder möglich sein wird, dabei zu sein. 

In den Seniorenheimen im Kreis Hersfeld-Rotenburg kümmern sich die Mitarbeiter darum, bei den alten Menschen trotz Besuchsverbot kein Gefühl von Einsamkeit aufkommen zu lassen.

Abstand halten lautet das Gebot der Stunde. Vor allem die Senioren trifft das hart. In den Heimen gelten Besuchsverbote. Die Lieben können nicht einfach vorbeikommen auf ein Gespräch. Umarmungen oder einfach nur ein Schulterklopfen – in Zeiten von Corona ist das ein Gesundheitsrisiko.

Schulsozialpädagogin Christina Kindler brachte dieser Umstand auf eine Idee: Sie rief die Schüler der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra dazu auf, „Briefe gegen die Einsamkeit“ an die Senioren des Awo-Altenzentrums Brigitte-Mende-Haus zu schreiben. In Quartiersmanager Kolja Wilke fand sie einen Partner, der diese Initiative freudig unterstützt. Beide arbeiten unter anderem im Wahlpflichtfach „Fit for quality“ eng zusammen. Es gab bereits regelmäßige Begegnungen, zum Beispiel bei den Handy-Seminaren, zwischen Senioren und Jugendlichen. Gerontologe Wilke kam auch in die Schule und machte sensibel für das Thema Alter(n). Die Initiative „Briefe gegen die Einsamkeit“ kam sofort an. 14 Schreiben gingen ein im Brigitte-Mende-Haus. Darunter auch das von Emily-Josephine Giese aus Weiterode.

Die elfjährige Schülerin gab sich besonders viel Mühe. Sie wünschte den Bewohnern mit einem Gedicht, frühlingsschönen Aufklebern und bunten Bildern ein „tolles Osterfest“ und schrieb in kräftigen, großen Buchstaben: „Alles wird gut“.

Große Freude: Katharina Krapf zeigt den liebevoll gestalteten Brief von Emily-Josephine Giese aus Weiterode und schrieb ihr gleich zurück.

Prompt erhielt sie Antwort von Katharina Krapf. Die gebürtige Weiteröderin ist 92 Jahre alt und war sehr gerührt von Emilys Zeilen und der liebevollen Gestaltung. Sie antwortete dem Mädchen aus der fünften Klasse. Sie erzählte, dass die Landwirtschaft ihr Leben geprägt habe: „Wir hatten zwei Kühe und Felder und haben die Kartoffeln vom Acker gelesen“. Aber eigentlich wäre Katharina Krapf viel lieber Kindergärtnerin geworden. Dort, wo Emily heute lebt, haben Katharina und ihre Freunde früher immer gerodelt.

Es entstand eine Brieffreundschaft. Denn Emily-Josephine schrieb wieder zurück. Mit einem Foto und der Hoffnung, dass sie nach der Corona-Zeit Katharina Krapf besuchen kann. „Aber nur, wenn es für dich O.K. ist“, schreibt sie. Ihre 20-jährige Schwester Emilia Giese hat übrigens auch schon einen Brief ins Pflegeheim geschrieben. „Die Idee ist einfach toll“, findet sie.

Lisa Krönung vom Sozialdienst des Altenzentrums und ihre Kollegen waren gerührt von den Reaktionen der Bewohner. „Es war sehr ergreifend. Alle haben geweint und sich so sehr gefreut, dass die Kinder an sie denken“, sagt die Ergotherapeutin. Die Briefe werden im Pflegeheim aufgehangen. Bei der Beantwortung wurden die Seniorinnen von den Pflegekräften unterstützt.

Für Schulsozialpädagogin Christina Kindler ist diese Aktion ein Gewinn für alle. „Die Senioren fühlen sich nicht allein. Und die Schüler werden sensibilisiert für das Älterwerden und üben sich außerdem noch im klassischen Briefeschreiben“, sagt sie.

Für Kolja Wilke kann dies der Beginn von wunderbaren Freundschaften sein. „Nach der Corona-Phase laden wir ins Pflegeheim und in den Park ein“, kündigt er optimistisch an. Das sei eine „wunderbare Gelegenheit, Menschen zusammen zu bringen, wenn das Leben wieder aufblühen darf“. zwk

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