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Kritik an Bebras Bauprojekten: Bürgerbündnis Bodenschutz spricht von „Wahnsinn“

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Von: Clemens Herwig

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Platz für einen erwachsenen Mann: Die Rohre, die derzeit im Industriegebiet in die Erde kommen, sind drei Meter lang und zehn Tonnen schwer.
Platz für einen erwachsenen Mann: Die Rohre, die derzeit im Industriegebiet in die Erde kommen, sind drei Meter lang und zehn Tonnen schwer. © Gudrun Schankweiler-Ziermann

Mit scharfer Kritik schießt das Bürgerbündnis Bodenschutz Waldhessen gegen zwei Bauprojekte in Bebra.

Bebra – Die Kanalarbeiten im Industriegebiet West – dort werden derzeit Rohre verlegt, in denen ein erwachsener Mann stehen kann – sowie die Pläne von Logistiker Pfenning für eine Riesenhalle seien „Wahnsinn“, heißt es in einer Mitteilung. Die Stadt wehrt sich auf Nachfrage.

Mit einem Großprojekt sanieren die Stadt und ihre Eigenbetriebe seit 2019 die Robert-Bunsen-Straße. Dabei werden auch die Kanäle erneuert. Über sie soll nicht nur das Regenwasser aus dem Industriegebiet, sondern auch von den Flächen nördlich der Bahnlinie bis zum Aussichtspunkt Neumanns Ruh in die Fulda fließen. Dafür werden tonnenschwere Kanalrohre bis zu 5,80 Meter tief in die Erde gelegt und mit Beton stabilisiert. „Ein Wahnsinn, wenn man die CO2-Emissionen für Betonherstellung, Maschinennutzung und Schwerlastverkehr berücksichtigt“, kritisiert das Bürgerbündnis gegen Flächenversiegelung, das sich im November 2021 gegründet und nach eigenen Angaben 48 Mitglieder und viele Unterstützer im Landkreis hat. Der Kanalbau für etliche Millionen Euro sei „ein weiteres rückwärtsgewandtes Projekt in unserem Landkreis, das völlig aus der Zeit gefallen ist“, heißt es.

Was wäre die Alternative? Laut Sprecherin Doris Hoffmann sollten große Flächen für eine dezentrale Versickerung verpflichtend gemacht sowie Auffangbecken geschaffen und das Regenwasser genutzt werden – etwa zum Blumengießen. Niederschlagswasser solle möglichst ortsnah dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt werden. Wie das auf den Industrieflächen in Bebra aussehen könnte, müssten Spezialisten entscheiden.

Dass Oberflächenwasser auch bei Starkregen schadlos abgeleitet wird, damit es nicht etwa durch Betriebshallen fließt, sei gesetzlich vorgeschrieben, hält der Bebraer Abwasserbetrieb dagegen. „Eine Alternative zu den Rohren gibt es dabei nicht. Wir können den Regen ja nicht einfach abstellen, wenn er zu viel wird“, sagt Betriebsleiter Gerald Mock. Die Kanalrohre seien so groß, um die Wassermassen aufnehmen zu können. Dass sie knapp sechs Meter tief in die Erde kommen, liege auch daran, dass die Bahnlinie unterquert wird. Das Bürgerbündnis befürchtet, dass Starkregen die Gemeinden flussabwärts „erheblich schädigen“ könnte. Vom Regierungspräsidium Kassel genehmigt sei eine Einleitung in die Fulda von 8000 Litern pro Sekunde, entgegnet der Betriebsleiter.

Bei der Planung des Großprojekts seien ökologische Aspekte, soweit möglich, berücksichtigt worden. So wurde ein neuer Regenwasser-Kanal verlegt, der auf 800 Metern offen und in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde mit Schilfpflanzen versehen zur Fulda führt. Neubauten im Industriegebiet hätten Regenrückhaltebecken.

Ebenfalls Sturm läuft das Bürgerbündnis Bodenschutz Waldhessen gegen die mögliche Ansiedlung von Logistiker Pfenning mit einer neun Hektar großen und 17 Meter hohen Halle im Industriegebiet. Appelliert wird an das Bebraer Stadtparlament, „diesen Wahnsinn zu stoppen“. Gewinner seien die Investoren und der Eigentümer des Landes, Verlierer die Bebraner, auf die Lärm, Feinstaub, CO2-Belastung und mehr Verkehr zukommen würden. Zudem liegen die Flächen teilweise in einem Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet.

Es handele sich um eine Investoren-Anfrage, mit der sich gewissenhaft beschäftigt werde, sagt Bürgermeister Stefan Knoche. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist nichts beschlossen. Wir leben in einer Demokratie und dürfen uns hoffentlich noch Gedanken machen.“ Entschieden werde dann von der gewählten Stadtverordnetenversammlung – „unter Abwägung aller Chancen und Risiken“. (Clemens Herwig)

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