Bürgermeister Hassl sieht sich als Klassensprecher in Bebra

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Er liebt Gummibärchen und ist ein Fan von Bruce Springsteen: Uwe Hassl an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Bebra. "100 Tage sind nichts", sagt Uwe Hassl, Bürgermeister in Bebra. Deshalb fragen wir ihn nach einem Jahr im Amt, wie es gelaufen ist und weitergehen soll.

Sind Sie inzwischen angekommen in Ihrem Amt? 

Hassl: Angekommen fühle ich mich, was die Bevölkerung und die Verwaltung anbelangt. Mit den Fraktionen ist es noch ein Kräftemessen. Ich bin als Letzter dazugekommen, bin sozusagen neu in der Klasse und dann auch noch Klassensprecher. Das wird sich erst nach der Kommunalwahl 2016 ändern. Dann bin ich der Altgediente.

Konnten Sie im ersten Jahr schon etwas von dem umsetzen, was Sie sich vorgenommen hatten? 

Hassl: Da ist die Umstellung der Beleuchtung, aber da haben die Politiker mich ausgebremst. Mir ging es einfach nur um die durchgehende Beleuchtung ohne Mehrkosten. Angestoßen habe ich auch die Bitzenmühle an der Mühlenstraße. Dort will der Investor Barwich Eigentumswohnungen bauen. Den Denkmalschutz konnte ich zur Aufgabe bewegen. Beim Fuldaauenerlebnispark am Breitenbacher See ist es schwierig, weiterzukommen. Das Land Hessen will für die benötigte Fläche von fünf Hektar jetzt die doppelte Fläche als Ausgleich haben. Und ein Saunapark gehört ja eigentlich auch eher zum Schwimmbad. Dort stünde der ehemalige Minigolfplatz zur Verfügung. Der Investor ist sehr interessiert. Für ein einfaches Strandlokal am See gibt es eine Interessentin, aber für Luftschlösser findet sich niemand.

Vor Ihrer Wahl hatten Sie sich als Einzelkämpfer bezeichnet. Als Bürgermeister muss man aber ein Teamplayer sein. Ist das ein Problem für Sie? 

Hassl: Als Anwalt muss man jedwede Entscheidung selbst treffen, so einfach ist das. Beim Bürgermeister ist das Problem, dass er zwar direkt gewählt ist, aber keine herausragende Entscheidungskompetenz hat. Ich komme aber relativ gut damit klar, dass ich mich der Mehrheit beugen muss, wenn das Blatt ausgereizt ist. Bis dahin nutze ich selbstverständlich die rechtlichen Möglichkeiten der Kommunalverfassung. Was die Bücherei betrifft, bin ich heute noch überzeugt davon, dass die Stadt mit dem Verbleib im Alten Rathaus sehr viel Geld hätte sparen können.

Als parteiloser Bürgermeister müssen Sie immer für Ihre Ideen werben und sich erst eine Mehrheit suchen. Zwischen Ihnen und den Fraktionen knirscht es immer wieder. 

Hassl: Ja, ein Bürgermeister mit eigenen Ideen kommt ein Jahr vor der Kommunalwahl nicht so gut an, dabei müssten wir Gas geben.

Zur Person

Uwe Hassl, 54, stammt aus Bebra, machte Abitur in Bad Hersfeld und studierte nach der Bundeswehr in Gießen Jura. Er war 14 Jahre bis 2006 für die SPD im Stadtparlament. 2001 kandidierte er erstmals als Bürgermeister, unterlag aber Horst Groß. Der Anwalt ist Ostasienfan, Träger des schwarzen Karategürtels und liebt Gartenarbeit. Hassl ist verheiratet und hat einen Sohn.

Wie Hassl hofft, auch im Stadtparlament "zur nötigen Macht" zu kommen und wie er mit Kritik von den Fraktionen umgehen will, das lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA Rotenburg-Bebra.

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