Umbau beim Automobilzulieferer

Continental in Bebra: Betriebsrat erwartet Stellenabbau ab 2021

Mitarbeiter von Automobilzulieferer Continental protestieren im September 2020 auf dem Mehrzweckplatz in Bebra gegen den geplanten Stellenabbau durch das Umstrukturierungsprogramm des Dax-Konzerns.
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Protest gegen den Stellenabbau: Im September fuhren etwa 200 Conti-Mitarbeiter mit einem Autokorso durch Bebras Innenstadt zum Mehrzweckplatz.

Nach dem angekündigten Aus für das Werk im thüringischen Mühlhausen wird es auch am Standort der Conti-Tochter Vitesco in Bebra Kündigungen geben. Davon geht der Betriebsrat aus.

Automobilzulieferer Continental steht durch ein groß angelegtes Umbauprogramm, die Coronakrise und die schwächelnde Automobilbranche unter Druck – und das wird sich in Bebra wohl spätestens im kommenden Jahr bemerkbar machen. „Die Transformation und Corona hinterlassen ihre Spuren“, sagt Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Wicke. „Wir müssen uns auf negative Veränderungen einstellen.“

Was bedeutet: Stellenabbau, auch bei der Continental-Tochter Vitesco Technologies in Bebra. Im September war bereits bekannt geworden, dass das Werk in Mühlhausen – der Standort in Thüringen gilt als verlängerte Werkbank der Eisenbahnerstadt – bis 2022 aufgelöst werden soll. Rund 150 Arbeitsplätze sind bedroht.

„Wir gehen davon aus, dass es in Bebra 2021 zu ersten betriebsbedingten Kündigungen kommt“, sagt Wicke. In mehreren Betriebsversammlungen wurden in dieser Woche die Mitarbeiter informiert. „Viele können sich mittlerweile vorstellen, was kommt.“ Anfang September hatten rund 200 Mitarbeiter auf dem Mehrzweckplatz gegen den Stellenabbau bei Continental protestiert.

Conti-Standort in Bebra steht vor weiteren Umstrukturierungen

Wie viele Stellen konkret in Gefahr sind, ist weiter offen. Auch der Konzern äußert sich dazu auf Nachfrage nicht. Bebra solle weiterhin als wichtiger Standort für Antriebstechnologien aufgestellt werden, heißt es. Damit der Standortverbund, zu dem auch Dortmund gehört, trotz rückläufiger Absätze die erforderliche Auslastung und Profitabilität erreiche, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten aber weitere Synergien geschaffen und Redundanzen vermieden werden.

Laut IG Metall sind in Nordhessen rund 200 Jobs gefährdet – zusätzlich zu den 150 Arbeitsplätzen, die durch die Werksschließung in Thüringen wegfallen. Bebra und Mühlhausen haben zusammen etwa 1100 Continental-Mitarbeiter.

Betriebsrat: Sind in Nordhessen auf uns allein gestellt

„Ich glaube fest daran, dass der Standort Bebra eine Chance hat“, sagt Karl-Heinz Wicke. „Aber wohl nicht in der derzeitigen Personalstärke.“ Von April bis einschließlich August galt Kurzarbeit. Oktober und November seien starke Monate gewesen. Das Hoch werde wohl bis Februar anhalten. Nachdem im Juli befristete Verträge nicht verlängert wurden, mussten allerdings Leiharbeiter beschäftigt werden, „weil die Spitzen sonst nicht zu schaffen waren“, sagt der Betriebsrat.

Die erhöhte Nachfrage sei zum Zeitpunkt des Auslaufens der Verträge nicht absehbar gewesen, so eine Konzernsprecherin. „Von einem verstärkten Einsatz von Leiharbeitern kann jedoch keine Rede sein.“

Derzeit werden in Bebra auch Arbeitszeitverkürzungen diskutiert, um Stellen zu erhalten. Angebotene Aufhebungsverträge seien laut Betriebsrat nicht gut angenommen worden – im Gegensatz zur Altersteilzeit. Seit zwei Wochen sind zudem Vorruhestandsmodelle im Gespräch. Von der Politik erwartet der Betriebsratschef keine Unterstützung – bestärkt hat ihn dabei auch ein Termin in der Staatskanzlei in Wiesbaden. „Wir sind in Nordhessen mehr oder weniger auf uns allein gestellt“, sagt Karl-Heinz Wicke. (Clemens Herwig)

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