Sanierung nicht mehr wirtschaftlich

Cornberger Eisenbahntunnel: Ab 2025 wird neu gebaut

Ein Kunstwerk unserer Vorfahren: Der hübsche Cornberger Tunnel hat wesentlich länger gehalten, als es für Neubauten heutzutage prognostiziert wird.
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Ein Kunstwerk unserer Vorfahren: Der hübsche Cornberger Tunnel hat wesentlich länger gehalten, als es für Neubauten heutzutage prognostiziert wird.

Cornberg/Rautenhausen – Der Cornberger Eisenbahntunnel wird neu gebaut, weil eine Sanierung des 150 Jahre alten Bauwerks nicht mehr wirtschaftlich ist.

Über den Neubau haben die Bahn-Projektleiter Harald Joos und Stefanie Wörndle kürzlich mit einer Internetpräsentation informiert. Unter anderem soll der neue Tunnel auf der Strecke Bebra-Eschwege im Gegensatz zum bisherigen beleuchtet sein. Zu den Kosten für den Neubau kann die Bahn noch keine Auskünfte geben. Während der Bauphase wird der derzeitige Tunnel weiter regulär befahren.

Der Zeitplan

Bis zu den ersten Arbeiten vergehen noch drei Jahre, die Ausschreibungen laufen noch nicht. Ab Oktober 2024 geht es mit Rodungen und dem Herrichten der Baustelle los. Gebaut werden soll ab März 2025. Für Januar 2029 sind das Verfüllen des bisherigen Tunnels und die Wiederherstellung von Forst- und Wirtschaftswegen geplant.

Die Baustelle

Der neue Tunnel wird gebohrt, gebaggert und teilweise gesprengt. Vor Sprengungen soll die Bevölkerung informiert werden. Die Schwelle von 60 Dezibel (wie ein vorbeifahrendes Auto) wird laut den Projektleitern nachts nur bei einzelnen Gebäuden in seltenen Fällen überschritten. „Es wird in Cornberg und Rautenhausen nichts rumpeln und Schäden an Gebäuden sind ausgeschlossen“, sagt Stefanie Wörndle. Gearbeitet wird rund um die Uhr – bis zu 60 Arbeiter können in Spitzenzeiten vor Ort sein. Gebaut wird von Ost (Cornberg) nach West. Es soll nur eine Baustellenzufahrt geben, vom Waldparkplatz an der B 27 über Forststraßen. Durch die Ortschaften von Cornberg und Rautenhausen fahren keine Lkw.

Der Denkmalschutz

Wörndle bezeichnet den Cornberger Tunnel als „den hübschesten, den unsere Abteilung je erneuert hat“. Die Erbauer hätten sich vor 150 Jahren viel Mühe gegeben – heutige Tunnel hätten eine prognostizierte Nutzungsdauer von 75 bis 100 Jahren. Die beiden Tunnelportale bleiben erhalten, ebenso wie 20 Meter Schienenoberbau zu beiden Seiten, damit die bisherige Funktion weiter zu erkennen ist. Der Bestandstunnel wird zwar verfüllt, aber nicht gänzlich. Durch ein Gitter wird man hineinschauen können. Die Baustelle wird nahe der archäologischen Fundstätte des Klosters Bubenbach liegen. Dort gibt es noch mittelalterliche Wände im Boden. Der Bereich wird mit einem Zaun abgesperrt.

Die Fledermäuse

Der Tunnel ist ein Schwärmquartier von Zwergfledermäusen. Solche Quartiere gibt es in Hessen nur wenige. Der Bau wird dem Tagesablauf der nur bis zu sieben Gramm schweren Tiere angepasst, auch bei der Beleuchtung wird entsprechend Rücksicht genommen. Die Fledermäuse sind auch der Grund, warum der Tunnel nicht gänzlich verfüllt wird. Im Bereich des Schwärmquartiers wird der Tunnel mit einer Spritzbetonschale gesichert. Auch auf andere Tiere, die rund um den Tunnel leben, wird Rücksicht genommen: Zum Beispiel werden Altbäume als Brutstätte für Schwarzspechte erhalten.

Der Rettungsplatz

Am Ostportal wird ein neuer Rettungsplatz gebaut. Mögliche Einsätze sollen von Osten aus gefahren werden – auch im Westen wird eine Zufahrt aber möglich sein. An neue Tunnel werden bezüglich Brandschutz heute wesentlich höhere Anforderungen gestellt als früher. Deswegen werden zum Beispiel spezielle Baustoffe verwendet.

Die Information

Die Bahn möchte vor Baubeginn Infoveranstaltungen für Bürger anbieten und plant auch einen Tag der offenen Baustelle. Fragen können an cornbergertunnel@deutschebahn.com (deutschebahn ohne Bindestrich) gestellt werden. Infos zum Projekt auch unter zu.hna.de/tunnel2024

Von Christopher Ziermann

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