„Abstand halten ist unmöglich“

Das Leben kehrt zurück: Eingeschränkter Regelbetrieb in den Kitas gestartet

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Weiter geht’s nach der Zwangspause: Auch in der Bad Hersfelder Kita Dippelmühle läuft der eingeschränkte Regelbetrieb. Die fast zwei Jahre alte Stella Marie und ihre Mutter können nun die durch das Coronavirus unterbrochene Eingewöhnung fortsetzen. 

In die Kindertagesstätten und Grundschulen kehrt das Leben zurück, zumindest schrittweise. In den Kitas ist heute  der eingeschränkte Regelbetrieb gestartet.

In den Kitas im Kreis Hersfeld-Rotenburg werden ab sofort im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb wieder mehr – wenn auch bei weitem nicht alle – Kinder betreut. Spätestens, wenn Tränen fließen, wird der Sicherheitsabstand zur Herausforderung.

Im Tabalugaland in Bebra haben die Erzieherinnen am Dienstag nach Pfingsten auf insgesamt 25 Kinder aufgepasst – die Kindertagesstätte hat 100 Betreuungsplätze. Die erste Amtshandlung vieler kleiner Besucher nach der Corona-Zwangspause: eine Umarmung, für ihre Spielgefährten, aber auch für die Erzieherinnen. „Und Kinder fragen nicht um Erlaubnis, ob sie jemanden umarmen dürfen“, sagt Kitaleiterin Kirsten Krüger-Conrad. Das Abstandhalten sei auf Dauer unmöglich, das sei sicherlich auch der Politik bewusst.

Auch im Tabalugaland in Bebra ging heute der eingeschränkte Regelbetrieb wieder los. Die Vorschulkinder dürfen als erste wiederkommen, unser Foto zeigt sie mit den Erzieherinnen Rosie Grupp (von links), Heike Köthe und Esra Evren. Abstandhalten sei bis ins Grundschulalter unmöglich, sagt Kitaleiterin Dr. Kirsten Krüger-Conrad.

Jede Kita muss ihr eigenes Konzept erstellen, um den Betrieb wieder zu ermöglichen. Das Tabalugaland dürfen Besucher nur mit Mund-Nasen-Schutzmaske betreten. Eltern müssen täglich per Unterschrift bestätigen, dass ihre Kinder keine Krankheitssymptome zeigen. Für jede Gruppe gibt es feste Erzieherinnen, die nicht getauscht werden – so sollen die Kontaktzahlen möglichst gering gehalten werden. Ohne die übliche Flexibilität erfordere die Sicherheitsmaßnahme ein „ausgeklügeltes System“, damit die Mitarbeiterinnen nicht immense Überstunden anhäufen.

Auch das Händewaschen funktioniere – wenn auch mit stetigem Mahnen und Kontrollieren. Zudem werde versucht, das sogenannte „face-to-face“ (also das gegenseitige ins-Gesicht-schauen auf kurze Distanz) zu vermeiden. Muss ein Kind getröstet werden, wird es so auf den Schoß genommen, dass es von der Erzieherin wegschaut. „Wir versuchen, viel rauszugehen“, sagt die Kitaleiterin. Gespielt wird nach Möglichkeit also auf dem 2000 Quadratmeter großen Außengelände.

Der eingeschränkte Regelbetrieb läuft schrittweise an. Den Auftakt in Bebra machen in der zweiwöchigen ersten Phase die Vorschulkinder – also im Schnitt Sechsjährige. Neben Kindern, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind, und Alleinerziehenden dürfen nun auch Integrationskinder und sogenannte Härtefälle betreut werden. Darunter fallen persönliche Ausnahmesituationen, in denen die Betreuung durch den Wegfall des Kitaangebots nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann. Die Entscheidung, ob ein Härtefall vorliegt, trifft das Jugendamt. „Wir sind stark auf den persönlichen Kontakt angewiesen“, sagt Kirsten Krüger-Conrad über den Austausch mit den Eltern. In einigen Fällen gebe es eine Sprachbarriere zu überwinden. „Das ist am Telefon noch schwieriger.“

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