Trend zu mehr Regionalität: 

Corona: Gut besuchte Hofläden – veränderte Sicht auf die Landwirtschaft

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In Corona-Zeiten ändern sich viele Perspektiven: Das stellen auch Hana und Timo Hübner, Betreiber von Hanas Höflädchen in Ronshausen, fest.  

Die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln rückt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg durch die Corona-Krise plötzlich wieder in den Fokus und Hofläden verzeichnen mehr Kundschaft.

„Die Menschen interessieren sich auch mehr für die Landwirtschaft“, sagt Thilo Frankfurth, Heinebacher Landwirt.

Die Leute würden merken, dass regionale Produkte krisensicher sind. Die Wurst vom Metzger im Nachbarort und die Kartoffeln von den Feldern um die Ecke müssten eben nicht auf Schiffen und mit Lastwagen transportiert werden. Sie seien auch verfügbar, wenn die Corona-Pandemie das öffentliche Leben lahmlegt.

Hofläden verzeichnen durch Corona mehr Kundschaft

„Spaziergänger halten plötzlich an, wenn ich auf dem Feld arbeite und stellen beispielsweise Fragen zum Kartoffelanbau. Selbst fremde Menschen haben mir ihre Hilfe bei der Ernte angeboten“, staunt Frankfurth. Er vermarktet seine Kartoffeln mit einem Automaten. Sein Konzept hat Frankfurth „Alheimat“ genannt – und in dem kleinen Raum, der rund um die Uhr zugänglich ist, gibt es nicht nur Kartoffeln. Er hat sich bei der Vermarktung mit anderen regionalen Erzeugern zusammengetan. „Gerade in der Corona-Krise hat sich der Automat sehr gut bewährt und die Nachfrage ist gestiegen. Schließlich können sich die Leute regionale Produkte ohne Kontakt und zu jeder Zeit abholen.“

Auch die Tür von Hanas Hoflädchen in Ronshausen geht derzeit häufiger auf und zu: „Kantinen und Restaurants waren lange geschlossen und dadurch, dass Eltern und Kinder mehr zu Hause sind, wird auch mehr zusammen gekocht, gegessen und es muss auch mehr eingekauft werden. Das haben wir natürlich gemerkt“, sagt Timo Hübner. Deshalb habe er mit seiner Frau Hana auch einen Lieferservice am Wochenende eingerichtet, neben den normalen Öffnungszeiten des Hofladens. „Wir wollen unsere Kunden natürlich auch in Zeiten von Corona mit unserem Sortiment versorgen. Ab einem Bestellwert von 20 Euro liefern wir die Ware bis an die Haustür“, erklärt Hana Hübner.

Eine steigende Nachfrage nach frischen Produkten hat derweil auch Florian Eichler im Hofladen Eichler in Hauneck zu verzeichnen. „Der Partyservice unseres Fleischereibetriebs ist durch Corona leider weggefallen. Dafür ist der Dirketverkauf im Hofladen um circa 25 Prozent gestiegen“, berichtet Florian Eichler. Er hofft, dass die Krise auch etwas Positives hat und „die Menschen endlich aufwachen“.

Veränderte Sicht auf die Landwirtschaft  

Dass es schon länger den Trend gibt, dass Menschen ihre Lebensmittel direkt beim Erzeuger kaufen möchten, das berichtet Kreislandwirt Horst Taube. Das werde durch die Corona-Krise noch mal verstärkt. Der Blankenheimer vermutet, dass die Verbraucher sich in der Krise „stärker auf den Wert von Lebensmitteln und deren Produktion zurückbesinnen“. Doch für eine längerfristige Prognose sei es noch zu früh: „Ich hoffe natürlich, dass die systemrelevante Arbeit der Landwirte auch nach der Krise noch geschätzt wird, aber vielleicht gerät das auch wieder in Vergessenheit.“

Ebenso hofft auch Jörg Schäfer, Vorsitzender des   Kreisbauernverbands Hersfeld-Rotenburg: „Als Mitte März fast das ganze Land auf Stillstand geschaltet wurde, fuhren die Bauern aufs Feld und haben weiter gearbeitet. Ich wünsche mir, dass die Leute den Wert dieser Arbeit längerfristig schätzen.“

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