Start am 1. Februar

„Corona ist auch eine Chance“: 27-Jähriger eröffnet im Lockdown ein Pizzahaus in Weiterode

Will nicht mehr warten: Mohammad Nour Shekh Yousef vor seinem Lokal in Weiterode. Die Fotos im Döner und Pizzahaus des Syrers erinnern an seine Heimat. Links das Wahrzeichen seiner Geburtsstadt Amude: Das Mahnmal erinnert an einen Brand 1960 in einem Kino, bei dem 152 Kinder und ein Helfer starben, der zuvor Dutzende gerettet hatte. Rechts die Moschee und Kirche in Aleppo.
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Will nicht mehr warten: Mohammad Nour Shekh Yousef vor seinem Lokal in Weiterode. Die Fotos im Döner und Pizzahaus des Syrers erinnern an seine Heimat. Links das Wahrzeichen seiner Geburtsstadt Amude: Das Mahnmal erinnert an einen Brand 1960 in einem Kino, bei dem 152 Kinder und ein Helfer starben, der zuvor Dutzende gerettet hatte. Rechts die Moschee und Kirche in Aleppo.

Mohammad Nour Shekh Yousef will loslegen. Seit einem Jahr feilt der 27-jährige Syrer an den Plänen für sein Döner- und Pizzahaus an der Eisenacher Straße in Weiterode.

Weiterode - Am 1. Februar – also noch mitten im gerade verlängerten Lockdown – soll das Lokal eröffnen. „Habibi“ nennt er es, „Schatzi“ heißt das aus dem Arabischen übersetzt. „Jetzt ist die Zeit zum Öffnen. Die Leute sitzen alle zu Hause und haben Lust zu essen, aber keine Lust zu kochen“, erklärt Shekh Yousef seine Entscheidung, trotz der Corona-Pandemie als Gastronom anzufangen. „Ich sehe Corona auch als Chance.“

Die Einschätzung mag bei der jungen Zielgruppe des Döner- und Pizzahauses zutreffen. Aber ist die Konkurrenz durch die vielen Gastronomen, die in der Krise auf einen Liefer- und Abholservice umgestellt haben, nicht groß? „Nicht in Weiterode“, sagt er. In Bebras größtem Stadtteil gebe es kaum richtige Geschäfte. „Ich glaube, ich werde einige Bewegung ins Dorf bringen“, sagt der 27-Jährige, der sich auch einen Standortvorteil an der Hauptstraße ausrechnet.

Die Liebe zu Lebensmitteln hat der 27-Jährige von seinen Eltern. Der Vater arbeitete als Lehrer, die Mutter ist gelernte Köchin, in Syrien hatten sie ein eigenes Restaurant. 2014 flüchtet die Familie nach Deutschland und landet zunächst in Schwandorf in Bayern. 2016 geht es nach Rotenburg, Mohammad Nour Shekh Yousef arbeitet dort in der Silbertanne, als Kellner, als Küchenhilfe, auch mal an der Rezeption. „Das ist schon oberste Ebene im Kreis“, sagt er über das Hotel. Er hat dort viel gerlent und ist dafür sehr dankbar. Aber: „Ich wollte mir auch etwas Eigenes aufbauen. Auch für meine Familie.“ Seine Frau und er haben in Rotenburg geheiratet: Sherin Shekh Yousef lebt seit 22 Jahren in Deutschland, sie ist in Bebra zur Schule gegangen. Das Paar hat zwei Töchter, ein drittes Kind ist unterwegs „und noch eine Überraschung“. Im September 2019 zieht die Familie nach Weiterode, in das Haus an der Eisenacher Straße, in dem nun auch „Habibi“ eröffnen soll.

Einen Großteil der Finanzierung habe er bereits auf die Beine gestellt, bevor Corona in Deutschland angekommen ist, sagt der Neu-Weiteröder. Trotzdem musste er kleinere Pizzen backen als ursprünglich gehofft: Als er im Corona-Sommer für aufwendigere Arbeiten am Schornstein die Finanzierung aufstocken will, sagt die Bank „Nein“. Also hat er vieles selbst erledigt – Fliesen verlegt, renoviert. Untestützung gab es vom Vater und dem kleinen Bruder, „meine rechte Hand“, wie er sagt. Mohammad Nour Shekh Yousef ist bereit für die Eröffnung, nur der Akkuschrauber muss noch von der Küchenablage verschwinden. Coronabedingt startet das „Habibi“ am 1. Februar nur mit einem Liefer- und Abholservice. Angeboten werden erwartungsgemäß Döner und Pizzen, aber auch Schnitzel, Nudeln und Salat.

Kontakt: Habibi, Eisenacher Straße 175, Tel. 0 66 22/9 32 08 01.

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