Kitas und Krippen im Kreis sind dicht

Coronakrise: Noch organisieren sich die Eltern

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Hausarbeit für jedes Kind: An der Haselbachschule in Lispenhausen hat das Lehrerkollegium am Wochenende für jedes Kind ein Päckchen mit Arbeitsaufträgen zusammengestellt, das am Montag abgeholt werden konnte. Schulleiter Patrick Busch zeigt eine Auswahl. 

Für Eltern und Kinder wird die Coronakrise nun verschärft zur Herausforderung: Schulen und Kindertagesstätten sowie Krippen im Landkreis sind dicht. 

Wenn man sich umhört, scheinen Eltern die Situation zumindest aktuell gut im Griff zu haben.

Gerade mal ein Kind wurde am Montag in derKindertagesstätte Abenteuerland in Lispenhausen betreut, berichtet deren Leiterin Margot Kanngiesser. Die Einrichtung ist zuständig für die gesamte städtische Notbetreuung von Kindern, deren Eltern aus besonderen Berufsgruppen dies per Erlass zugestanden wird.

„Die Eltern sind richtig gut vernetzt und haben sich selbst organisiert“, sagt Kanngiesser. Sie und ihre Kolleginnen setzen alles daran, dass besonders die Aufnahme von Kindern aus anderen Einrichtungen möglichst sanft vonstattengeht. 

Wer darf rein, wer nicht? Margot Kanngiesser, Leiterin der städtischen Kindertagesstätte und Krippe in Lispenhausen, hängte am Montagmorgen den Ministererlass aus, in dem festgelegt ist, wer sein Kind noch in die Betreuung geben darf. 

Margot Kanngieser erinnert daran, dass die gegenseitige Betreuung von Kindern in ganz kleinem Kreis geschehen sollte, um die Kontakte zu minimieren – „sonst haben die Maßnahmen keinen Sinn“. Jetzt nutzen die Erzieherinnen die Zeit in den Einrichtungen, um aufzuarbeiten, was im Alltag mal liegen bleiben, muss. Außerdem wird aufgeräumt und sauber gemacht.

Ein bisschen skeptisch ist Kanngiesser, wenn sie an die Rückkehr der Kinder denkt, besonders der Allerkleinsten, die in einem längeren Prozess eingewöhnt worden waren. Die Umstellung der Kinder könnte eine kleine Herausforderung werden.

Acht evangelische Kindertagesstätten gibt es im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg. 21 Eltern könnten theoretisch die Notbetreuung in Anspruch nehmen, erklärte Pfarrer Andreas Schmidt-Wecken, der Vorsitzende des Zweckverbandes, auf Anfrage. Doch nur für vier Kinder in den Einrichtungen in Solz und St. Georg in Rotenburg wurde dieses Recht in Anspruch genommen. Eltern hätten die Betreuung erst mal selbst geregelt.

In der Haselbachschule in Lispenhausen hat das Kollegium am Wochenende vorgearbeitet: Auf dem Platz jedes Kindes lag heute Morgen ein Päckchen mit Arbeitsmaterial für drei Wochen, das im Laufe des Vormittags abgeholt werden konnte, ebenso wie andere Arbeitsutensilien, die die Kinder in der Schule hatten, berichtete Patrick Busch, der Leiter der Grundschule. 131 Kindern besuchen die Einrichtung. Kommuniziert im Kollegenkreis und mit den Eltern wird per Messenger-Dienst auf dem Smartphone. „Es ist ein großer Vorteil, dass wir auf dem Land leben“, sagt Busch. Man kenne sich und könne sich gegenseitig oder mithilfe von Verwandten und Freunden um die Kinder kümmern.

An der Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg waren am Montag kaum Schüler, um noch Material abzuholen. „Zum Glück“ sagt Schulleiterin Sabine Amlung. „Wir wollen ja gerade große Menschenansammlungen vermeiden.“ Die Schülerinnen und Schüler werden in den nächsten Wochen per E-Mail von ihren jeweiligen Klassenlehrern mit Unterrichtsmaterial versorgt. In der Oberstufe gehen die Arbeitsaufträge direkt über die Fachlehrer an die Jugendlichen. Spannend wird es in dieser Woche, wenn das schriftliche Abitur startet.

Das gilt auch für das Berufliche Gymnasium in Bebra, wo natürlich auch das Abi beginnt. Auch an den Beruflichen Schulen in Bebra konnten sich die Schüler gestern noch persönliche Sachen aus ihren Schließfächern holen. Der Kontakt mit den Klassenlehrern, die Arbeitsaufträge vergeben, wird ebenfalls über E-Mail gehalten.

An der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra verhält es sich ähnlich, berichtet Schulleiter Manfred Brill. „Wir wissen natürlich, dass es Schüler gibt, die mit Ehrgeiz die Arbeitsaufträge erfüllen. Genauso wie es Schüler gibt, die aufgrund ihrer häuslichen Situation eher weniger allein arbeiten können“, sagte Brill.

Außerhalb des Unterrichts gibt es ein Betreuungsangebot für Kinder der Klassen 5 und 6. „Das wird aber noch kaum in Anspruch genommen“, sagt Brill. Er ist hochzufrieden, wie ruhig und „panikfrei“ Lehrerkollegium und Schüler mit der Situation umgehen. Wie es Mitte Mai mit der Ruhe aussieht, wenn Prüfungen im Haupt- und Realschulbereich anstehen, muss sich zeigen.

Aufgaben auch für Schüler in Bad Hersfeld

Viele Schüler und ihre Eltern auch in Bad Hersfeld haben am Montag die Gelegenheit genutzt, sich vor den zwangsverlängerten Osterferien mit Büchern, Unterrichtsmaterial und Aufgaben einzudecken. 

„Ruhig, aber schon auch besorgt“, beschreibt der stellvertretende Schulleiter Karsten Vollmar die Stimmung an der Gesamtschule Geistal. Die meisten Lehrer hielten jetzt via WhatsApp, E-Mail oder über andere Plattformen im Internet Kontakt zu ihren Schülern. „So werden alle mit Aufgaben versorgt“, sagt Vollmar. Speziell die Haupt- und Realschüler, die kurz vor den Abschlussprüfungen stehen, können so daheim büffeln. Ob die Prüfungen wie geplant im Mai stattfinden, stehe aber noch nicht fest, sagt Vollmar. Auch deshalb sei die Ungewissheit überall groß. Obwohl die Geistalschule einen Notfallbetreuungsplan habe, gebe es derzeit dafür keine Anmeldungen. „Wir können aber jederzeit bei Bedarf eine Betreuung anbieten“, sagt Vollmar. 

Die Modellschule Obersberg setzt in der Corona-Krise ebenfalls auf moderne Technik. „Wir hatten heute eine abgeschmeckte Gesamtkonferenz des Kollegiums, die wir auch als Live-Stream an alle übertragen haben, die zu Risikogruppen gehören und deshalb nicht dabei sein konnten“, berichtet Schulleiter Karsten Backhaus. Auch am Obersberg hätten viele Schüler die Chance genutzt, vor der Schulschließung Unterlagen und Aufgaben zu holen. Außerdem werden über die Online-Plattform „Moodle“ Aufgaben gestellt, „damit die Schüler üben und in den Themen drinbleiben“, sagt Backhaus. Trotz der Schulschließungen sollen die Abiturprüfungen ab Donnerstag stattfinden, sagt Backhaus. „Wir verteilen die Prüflinge auf mehrere Räume und haben die Sitzordnung luftig gestaltet“, erklärt Backhaus, damit solle das Ansteckungsrisiko verringert werden. 

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